EP-Vierer: Among Giants, Bendata Bendata, Blistered & Laura Carbone

Among Giants – “Back and Forth” (Jetsam Flotsam)
Erst 2012 kürte ich Among Giants’ “Truth Hurts” zu meinem persönlichen Lieblingsalbum des Jahres. Damals noch als Solo-Akustik-Projekt von Greg Hughes, wuchsen Among Giants gleich darauf zu einer vollen Band heran. Es folgte eine 2-Song-7inch sowie eine Split-7inch mit Aspiga, auf der ebenfalls zwei neue Songs waren. Und selbst wenn Greg und Co hier abermals ihr Händchen für kleine, nette Ohrwürmer bewiesen, kam all das doch nie heran an die grandiose Performance von “Truth Hurts”. Etwas, das auf der neuen 4-Song-EP “Back and Forth” seinen Lauf nimmt. Das Album lebte vorallem von der persönlichen Note und dem unglaublichen Charisma von Greg. Er, seine Stimme und seine authentischen, wie nachvollziehbaren Geschichten über das Erwachsenwerden standen voll und ganz im Mittelpunkt. Die Musik war damals schon kein sentimentales Singer-Songwriter-Gedöns, im Gegenteil, es gab oft auf die Fresse, mit Einflüssen von Punk und Emo… doch auf “Back and Forth”, nunja, auf “Back and Forth” klingt mir das zu sehr wie bei jeder beliebigen Pop-Punk-Emo-Rock-Band der letzten Zeit. Die Songs sind alles andere als schlecht, doch sie lassen das gewisse Etwas vermissen – etwas, das vorallem dadurch zu Stande kommt, dass Greg Hughes’ Stimme nun oft auf einer Ebene mit der Musik ist, ja es gibt sogar vermehrte Background-Vocals und Teile, in denen die Gitarre die Führung eindeutig an sich reißt. Den Zauber von “Truth Hurts” fangen Among Giants so definitiv nicht wieder ein. Doch immerhin reicht’s für launige 8 Minuten… 6/10
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Bendata Bendata – “Emotionish” (DIY)
Auf ihrer Debüt-EP spielt dieses Trio aus Wisconsin eine der coolsten, neuen Emo-Interpretationen. Bendata Bendata verbinden den verspielten Sound von Algernon Cadwallder oder Braid mit den sensibleren Seiten von Mineral und Co. Wobei erstere Spielart dominiert, sodass hier die Nostalgie-Fraktion nicht voll auf ihre Kosten kommt. Und dennoch: Das ist alles sehr musikalisch, sehr ambitioniert und durch das unkonventionelle Songwriting oft sehr eigenständig. Das entscheidende Alleinstellungsmerkmal, das Bendata Bendata den letzten Kick verleiht, ist der ausdrucksstarke und sehr variable Gesang von Frontmann Joram Zbichorsk. Alles in allem ist “Emotionish” also ein Einstand, der Lust auf mehr macht. Und sollte das Trio desöfteren so ins Schwarze treffen wie beim alles überragenden “Home Sweet Home”, dann wird dem hier noch Großes folgen… 8/10
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Blistered – “Soul Erosion” (6131)
Blistered wurden letztes Jahr verdientermaßen von 6131 Records gesignt – denn ihre erste EP “Reject their Shame” war schon ein ziemlicher Kracher. Nun toppen sie diesen mit “Soul Erosion” in allen Belangen. Viel ist gar nicht anders als beim Vorgänger: Die Jungs aus Tampa, Florida spielen weiterhin den typischen Florida-Metal-Mosh-Sound, der in den 90ern so populär war. Haupteinfluss sind sicherlich die frühen Poison the Well, Culture oder Morning Again, mit A Jealousy Issue, Disembodied oder Chokehold liegen Blistered allerdings auch nicht weit auseinander. Es gibt hier jeden Fall das für diesen Sound so typische Programm, mit fiesen Metal-Leads, moshigen Breakdowns, Chugga Chugga-Gitarren, schnellen Abgehparts, einer mächtigen Rhythmus-Abteilung, ein paar spoken words und der allgegenwärtigen dualen Gitarrenarbeit. Ich bin der Ansicht, dass es aktuell keine Band gibt, die diesen Sound so authentisch und ohne irgendwelchen Bullshit “nachspielt”. Im Vergleich zur ersten EP gibt’s enorme Fortschritte in Sachen Sound, aber auch die Songs sind etwas ausgereifter. Stücke wie der bedacht startende Opener “Rusted” oder das vertrakt-moshende “Life does not satisfy” sollten jeden Florida-Core-Fan im Dreieck springen lassen! Will man Kritik üben, dann muss man sagen, dass sich die 5 Songs schon sehr ähnlich anfühlen und die Lyrics nicht dieses Mitschrei-Potenzial haben wie bei den großen Vorbildern… ansonsten machen Blistered aber sehr viel richtig! 7/10
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Laura Carbone – “Stigmatized” (DIY)
“Indie Pop” ist ein gleichermaßen bescheuerter wie treffender Begriff. Bescheuert weil “Indie Pop” wohl so gegenseitig ausschließend ist wie “trockenes Wasser”. Treffend, weil es genug Pop-Musik abseits des Mainstreams gibt, zu die dieser Pseudo-Genre-Begriff wie Arsch auf Eimer passt. So wie bei Laura Carbone. Eine junge Musikerin aus Mannheim, die aus der Indie-Electro-Band Deine Jugend hervorging und mit “Stigmatized” nun ihre erste Solo-EP veröffentlichte. Und ja, das Wort “Indie Pop” passt hier einfach. Das ist leichtfüßig und eingängig, aber niemals oberflächlich, abgedroschen oder ZU penetrant. Quasi um sich selbst zu vorzustellen, achtete die Mannheimerin wohl stark darauf viele verschiedene Facetten auf ihrem Debüt zu präsentieren. Der Opener und gleichzeitige Titeltrack ist am aufwändigsten arrangiert, sowohl vom Gesang als auch von den Emotionen und der Instrumentierung her. Mit seiner düster-melancholischen Atmosphäre und den kühlen Synths ist “Stigmatized” sicherlich der EP-Song, der am stärksten heraussticht. Nach diesem Beginn ist das luftige “Drive by Shooting” fast schon eine Überraschung. Die Mischung aus einfachen Plucker-Beats und süßem Pop erinnert mich frappierend an die letzten beiden Tegan & Sara-Alben. Mit “Exes” wird Laura nochmal etwas poppiger, präsentiert allerdings auch eine weitere Seite von ihr. Das Stück ist reduziert, direkt, auf ihre charismatische Stimme zugeschnitten und… und es hat am Ende sogar das höchste Ohrwurm-Potenzial! Zumindest verleitet mich der Refrain immer wieder zum stundenlangen Dahinsummen. Der 4. und letzte Song der EP “Plan of Attack” ist dann ein lupenreiner Rocker mit “klassischer” Instrumentierung, der allerdings nicht so recht zum restlichen Material passen mag. In welche Richtung sich Laura Carbone nun bewegen wird, bleibt abzuwarten. Auf “Stigmatized” beweist sie jedenfalls schon sehr viel Talent und Wandlungsfähigkeit. Außerdem: Selbst wenn das beim Indie- eine weniger große Rolle spielt als beim Mainstream-Pop, die Frau sieht gut auch noch gut aus! 7/10
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“mEMOries” Part 3, von und mit Former States

Mit unserem neuen Langzeit-Projekt “mEMOries” möchten wir nicht nur einem unserer Lieblings-Genres huldigen, nicht nur die Moderne mit der Tradition verknüpfen, nicht nur neue Bands empfehlen… nein, wir möchten diese auch direkt zu Wort kommen lassen! In “mEMOries” schreiben neue Emo-Bands, die uns irgendwie ans Herz gewachsen sind, frei Schnauze über ihre persönliche Lieblings-Emo-Platte. Wenn alles nach Plan läuft, haben wir in den nächsten Monaten um die 20 “mEMOries”-Teile zusammen, welche wir dann in irgendeiner Form gebündelt und am besten “handfest” veröffentlichen wollen – also quasi ein übergroßes Booklet mit Sampler, auf dem alle beteiligten Bands mit je einem Song vertreten sein würden. Wir freuen uns schon jetzt wahnsinnig auf die nächsten Teile und machen weiter mit dem Beitrag von Alex Boundy, Sänger und Gitarrist bei Former States.

ENGLISH: With our new longtime-project “mEMOries” we want to give credit to one of our favourite musical styles, we want to connect the new with the old, we want to recommend new bands and of course we want them to be an active part of it. The idea of “mEMOries” is simple: New Emo-Bands talk about their personal favourite Emo-album. If everything pans out the next few months we will have like 20 “mEMOries”-parts – the collected texts will then be released along with a sampler on which every participating band will be featured with one song. We’re already looking forward to the next parts and hope you do the same. Until then enjoy “Part 3″ from Alex Boundy, who sings and plays guitar in Former States. Weiterlesen

EP-Vierer: Everyone Goes To Space, Good Thoughts, Regarde & Science Is Made Of Mistakes

Everyone Goes To Space – “Demo” (Umbaduba Records)
Was zur Hölle, lange schon kein so geniales Demo mehr gehört. Everyone Goes To Space ist ein Trio und kommt aus Rio Grande do Sul/Brasilien und klingt auf dem Demo so perfekt und ausgereift, dass es eine wahre Freude ist. Schönster Emo-Math-Twinkle-Core mit ordentlich Punkeinflüssen und tollen Melodien, da lacht das sonnige Punkerherz. Das Gehörte erinnert natürlich unweigerlich an Algernon Cadwallader, Snowing oder Glocca Morra und könnte deshalb sowas wie der Soundtrack für den kommenden Sommer werden, da macht sich ein Song wie Empty Swimmingpool  sicher ganz gut oder ich zitiere einfach mal aus dem Song The Whole, The Truth And Pyramids:  “I love the trees and the way they speak.” Da darf man gespannt sein, was man von der Band in Zukunft noch alles zu hören bekommt. Ich find’s klasse, zudem gibt’s das tolle Teilchen als Name Your Price Download bei Bandcamp. 8/10
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Good Thoughts – “Here You Are Now” (DIY)
Das Albumcover deutet es ja bereits an, in was für eine Richtung die drei auf der EP enthaltenen Stücke gehen: Good Thoughts ist ein Quartett aus Milledgeville/Georgia und spielt auf der Debutveröffentlichung  Here You Are Now  ziemlich mitreißenden Emorock, der auch mal ein paar Schreiattacken mit drin hat. Das Ganze klingt dann wie eine rockige Mischung aus den Get Up Kids, Braid, Sensefield, Thursday, Texas Is The Reason, The Promise Ring und Algernon Cadwallader. Be Alright  ist so ein richtig kleiner Emorock-Hit, der gekonnt zwischen rockenden Gitarren, gefühlvollen Zwischenparts und kleineren Schreiausbrüchen hin und herpendelt. Hat schon so einen gewissen Bezug zu den Bands, die um die Jahrtausendwende in dieser Emoabteilung unterwegs waren. Für die erste Veröffentlichung klingt das schon sehr angenehm. Die EP gibt’s dann auch noch als freien Download auf der Bandcamp-Seite, also nichts wie hin, holt euch die drei Songs. 7/10
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Regarde – “Selftitled” (DIY/La Agonia De Vivir)
Mal wieder ein Bandname, bei dem sich google sehr schwer tut, daher gibt’s jetzt von mir nur sehr spärliche Informationen über die Band. Bekannt ist, dass Regarde aus Italien stammen, genauer gesagt aus Vicenza. Zudem scheint die Band noch nicht lange zu existieren, dafür ist es umso erstaunlicher, dass bereits eine so gut produzierte EP mit insgesamt vier Songs veröffentlicht wurde, die eigentlich auf eine längere Bandexistenz schließen lassen müsste. Das Quartett hat sich dem punkig rockenden Emocore verschrieben und wird gern mit Crash Of Rhinos oder späteren Painted Thin verglichen. Gerade der Opener The Rain  hat es mir ganz schön angetan. Wer seinen Emopunk etwas rauher und rotziger haben will, der wird mit diesen vier Songs gut bedient. Das feine Scheibchen gibt’s bereits als Name Your Price Download, bevor es dann Ende Mai auf dem spanischen DIY-Label La Agonia De Vivir als 7inch veröffentlicht wird. 8/10
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Science Is Made Of Mistakes – “The Backbone of the Night” (DIY)
Seit dem Jahr 2013 existiert Science Is Made Of Mistakes aus Madrid und The Backbone Of The Night  ist die erste EP des Trios, das sich aus Mitgliedern  der Bands Eros+Massacre und ¡Silencio, Ahora, Silencio! zusammensetzt. Der Schwerpunkt liegt also auf Screamo, bei Science Is Made Of Mistakes gehen die Jungs aber mit viel weniger Chaos ran, auch wenn alles ein bisschen düster ist, sind die Songs  sehr schön anzuhören. Mir gefallen die durchaus melodischen Parts und die fiese Schreistimme, die sich anhört, wie wenn jemand beim Vorwärtsspulen einer Kassette die Playtaste halb gedrückt hat. Manche Parts, gerade die mit den Midtempo-Gitarren und dem mehrstimmigen Hintergrundgeheul erinnern mich an den Sound der Band Instil auf der Split LP mit Gray Before My Eyes, welche ich euch hiermit ebenfalls ans Herz legen möchte, falls ihr die noch nicht kennen solltet. Beim Song All that we lack at birth (Antropology)  wird dieser Vergleich dann am Deutlichsten. Saetia oder The Saddest Landscape dürften auch große Vorbilder sein. Spannungsgeladen und tief emotional. Die Texte setzen sich aus Zitaten von Johannes Kepler, Jean-Jacques Rousseau, Jiddu Krishnamurti und Edgar Allan Poe zusammen, ihres Zeichens berühmte Wissenschaftler, Dichter und Denker. Cooles Release, die EP gibt’s als freien Download auf der Bandcamp-Seite. 8/10
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Adolina/The Rabbit Theory – “Split”-12inch (Miyagi/Kuistax/Quiet/Whosbrain)

Es war kurz vor seinem Tod, als mir Nino von dem bald erscheinenden Split mit Adolina vorgeschwärmt hat. Eine Band aus Mouscron in Belgien, die mir bis dato nichts gesagt hat – und das obwohl sie seit 1998 (!) besteht! Eine Mail weiter sendete mir Nino den Link zu Adolina’s Myspace… und was soll ich sagen? Ich musste in den Lob-Gesang gnadenlos miteinstimmen…

Über ein halbes Jahr später kreist die Split-LP nun auf meinem Plattenteller. Darauf enthalten sind nicht nur die Adolina-Songs, sondern auch die (vermutlich) letzten Aufnahmen von Nino Kühnis. Die Platte wurde natürlich einzig und allein ihm gewidmet! Und das nicht nur durch eine Erwähnung in den Credits, sondern auch durch eine kleine Karte, samt Text von Nino, die der LP beigelegt wurde. Eine schöne Idee, die endgültig dafür sorgt, dass dieser Split bei vielen einen extrem hohen Stellenwert einnehmen wird oder dies schon längst getan hat.

Natürlich müssen wir auch über den Inhalt, also die Songs sprechen. Aber was heißt da “müssen”, wenn die Erwartungen so dermaßen erfüllt werden?! Adolina beginnen mit 4 verdammt guten Songs, bei denen man die von der Band genannten Einflüssen (u.a. Unwound, Shellac und Fugazi) auf Anhieb raushört. Ergänzt durch eine Prise Lungfish, Slint und The Van Pelt, spielen die Belgier einen heutzutage relativ unprominenten Sound, irgendwo zwischen Post-Punk, Math-Rock und Indie/Emo. Ich mag das äußerst abwechslungsreiche Songwriting, das jedes der 4 Stücke in eine dezent andere Richtung bugsiert. Während das beim Opener “Code 440” noch melancholisch und schleppend ist, wird’s im darauffolgenden “Morbiflette” angriffslustig und düster. Im Über-Hit “Mirador” klingt das dann fast so wie bei den Split-Kumpels von The Rabbit Theory oder solchen Combos wie What Price, Wonderland? und Petethepiratesquid, während der letzte Song “Stupid Man Suit” der passende Abschluss für eine hervorragende A-Seite ist.

Die Flipside gehört dann The Rabbit Theory, mit ihrer bekannt verquerten und genauso sympathischen Math-Emo-Post-Punk-Mischung. In 5 Songs pendeln die Schweizer zwischen rhythmischer Vertraktheit, schnellen Abgehparts, emotionalen Melodien und kurzen Ausbrüchen. Die Vocals sind wie immer rar gesät, einmal wird’s sogar komplett instrumental. Wer der bisherigen Discographie und vorallem den letzten Releases von The Rabbit Theory etwas abgewinnen konnte, der wird auch die neuen Songs mögen. Alles in allem ist dieser Split von zwei gleichgesinnten, leidenschaftlichen Bands eine höchst empfehlenswerte Angelegenheit. Wie Nino schon damals angedeutet hat, lohnte sich die Wartezeit vollends!

8/10

Adolina Facebook / Adolina Bandcamp (Name your Price Download)
The Rabbit Theory bei Quiet / The Rabbit Theory Bandcamp


   

Silver Snakes – “Year Of The Snake” (Bridge Nine Records)

Die Silver Snakes aus Los Angeles machen eigentlich einen für Bridge Nine Records ziemlich ungewöhnlichen Sound und werden demnach bei vielen Anhängern des Labels auf taube Ohren stoßen. Nur eins vorweg: mir wäre dies fast ähnlich gegangen, da mir das Album auf den ersten Blick zu sehr Alternative war. Glücklicherweise blieb ich aber am Ball und gab dem Release noch eine Chance und siehe da, nach einem weiteren Durchlauf folgte die Erleuchtung und Year Of The Snake plärrte mehrmals täglich aus meinen Kopfhörern. Obwohl Alessandro zum Release bereits im Letzten des Monats März was geschrieben hat, muss ich nun doch noch meinen Senf auch noch abgeben, da das Album einfach großartig ist.

Nun gut, mir waren die Silver Snakes bis zu diesem Release gänzlich unbekannt, obwohl neben einer Split mit Souvenirs mit Year Of The Snake  bereits das zweite Album veröffentlicht wurde. Das lag mitunter sicher auch am Bandname, den ich eher mit Heavy Metal assoziierte. Mittlerweile habe ich aber auch die Debutscheibe Pictures of a Floating World angetestet, die allerdings noch nicht ganz so perfekt, eigenständig und selbstbewußt wie das aktuelle Release rüberkommt. Damals klang die Band eher noch nach Posthardcore im Stil neuerer Thrice oder Further Seems Forever. Auf der neuen Platte sind diese Posthardcore-Einflüsse ebenso vorhanden wie die unbestreitbaren Grunge und Southern Rock-Elemente.

Das Ganze klingt dann grob beschrieben wie eine Mischung aus eben den bereits erwähnten Bands, Emo-Hardcore á la Jimmy Eat World, frühen Falling Forward oder Elliott und Grunge-Bands im Stil von frühen Alice In Chains oder Soundgarden und Rockkapellen wie z.B. Helmet oder Down. Die Band selbst gibt auch noch die schwedischen Lack, Cult Of Luna und Starflyer 59 als Einflüsse mit an.

Vom Songwriting her bewegt sich das Quartett abseits von einfachen Kompositionen, auf den ersten Blick wirken die Songs sehr sperrig, aber mit der Zeit wachsen sie in ungeahnte Höhen und besitzen einen sehr hohen Wiedererkennungswert. Ich würde sogar behaupten, dass bei Year Of The Snakes der Suchtfaktor extrem hoch liegt. Auch wenn das Album mit seinen elf Songs und der Laufzeit von fast 47 Minuten sehr lang wirkt, kommt selten Langeweile auf, selbst bei den zwei Akustik-Songs schwingt eine gewisse Spannung mit, die mich nicht dazu bewegt, den “Weiter”-Knopf zu drücken. Was den Songs neben den sagenhaften Arrangements zugute kommt, ist auch der gefühlvolle und kräftige Gesang von Alex Estrada, der obendrein noch Gitarre spielt und ganz nebenbei auch noch für die druckvolle Produktion des Albums verantwortlich ist. So, zum Abschluss empfehle ich euch neben dem eingängigen Song Smokestack  noch das geniale Sundance.  Aber wie gesagt, an den elf Songs gibt es absolut nichts auszusetzen, das einzigste, über das man etwas Negatives sagen könnte, ist das absolut schreckliche Albumcover.

9/10

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We came out like Tigers – “Ever-crushed at Pecket’s Well” (Dog Knights Productions)

Ich steh ja auf solche orchestral-epischen Intros wie “Tribulation”. Sie setzen meine Erwartungs-Messlatte für das nun folgende zwar immer übermenschlich hoch, doch schön, dass sowas ab und an gemacht wird. We came out like Tigers aus Liverpool/UK hatten schon auf ihrem Debütalbum “Agelessness and Lack” diesen künsterlischen, mystischen Anstrich. Mit eben jenen Facetten und rasendem Screamo erinnerte ihr Stoff an Genre-Klassiker von Circle takes the Square, City of Caterpillar oder I would set myself on Fire for you. Ich mochte den Retro-Anstrich, ich mochte die Atmosphäre, ich mochte den ganzen Ansatz. Auf Dauer wurd mir das auf dem Debüt dann doch zu ausladend und vollgestopft. Vorallem der exzessive Einsatz von Streichern war grenzwertig.

Für Album Nummer 2 haben die Briten ihren Sound klar entschlackt und finden nun eine deutlich bessere Dosierung. Der Blick auf die nackten Zahlen genügt, denn “Ever-Crushed at Pecket’s Well” ist eine glatte Viertelstunde kürzer geraten als sein Vorgänger. Die vorhandene Zeit reicht We came out like Tigers jedoch, um eine der frischesten Screamo-Platten der letzten Jahren zu kreieren. Mit seinem stetigen Wechsel aus laut und leise, dem oft unorthodoxen Songwriting und der allgemeinen Zerfahrenheit wird sich nicht jeder damit anfreunden können. Tatsächlich hat all das viele Ecken und Kanten und ist technisch nicht immer perfekt. Dies ändert jedoch wenig an der äußerst eigenen Atmosphäre – die vielleicht größte Stärke von “Ever-Crushed at Pecket’s Well”. Die Platte ist fantasievoll, düster, befremdlich und gerade wegen ihrer gewissen Holperigkeit so entdeckenswert.

Andererseits, nunja, andererseits ist es genau diese Holperigkeit, die “Ever-Crushed at Pecket’s Well” daran hindert eine exzellente, herausragende Platte zu sein. Denn so gut die einzelnen Ideen und Facetten sind, so zusammengestückelt hören sich die Songs manchmal im Ganzen an. Selbst im Kontext des “Gesamtwerkes” wäre für We came out like Tigers mehr drin gewesen. Man hat einfach das Gefühl, dass die Jungs vom Potenzial her einen absoluten Kracher abliefern hätten können, doch an vielen Kleinigkeiten scheitern. “Roher Diamant” und so… ein gutes Beispiel ist wohl “Concret Blocks of Empathy”, das mit seinem genialen Intro/Aufbau wohl jeden Fan vom alten Ebulliton-Sound bzw. Spät-90er-Screamo-Stoff im Dreieck hüpfen lässt, dann aber zunehmends im Sand verläuft…

Abgesehen davon: Das was da ist, hat genug Potenzial um länger zu beschäftigen. Alleine der Stilmix der Briten bürgt abermals für Abwechslung im Genre. Denn die bereits erwähnten Einflüsse von “klassischem” Screamo verkoppeln We came out like Tigers mit satten Post-Rock-Elementen samt Bläsern und Streichern und einem extrem ausgewachsenen Hang zu Black Metal. Das fängt bei der Gitarrenarbeit an und gipfelt im wenig Screamo-typischen Geschrei, das eher zu alten Black oder Death Metal-Bands passen würde.

6/10

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Øjne – “Undici/Dodici” (Monday Morning Records u.a.)

Vielleicht erinnert sich ja noch irgendwer dunkel daran, dass wir zur Undici/Dodici-EP, des Debut-Releases der italienischen Band Øjne, bereits etwas in unserer Fuck Up The Neighborhood-Rubrik geschrieben haben. Diese satirische Rubrik mit diversen Seitenhieben unterhalb der Gürtellinie dient ja hauptsächlich der Nachbarschaftspflege und beschäftigt sich eher zweitrangig mit den Bands. Jedenfalls hatte  Øjne zu der damaligen Zeit gerade die EP als digitalen Name Your Price Download bereitgestellt, obendrein vertrieb die Band ein Tape in Eigenregie. Da Øjne aus Italien stammen und damit in direkter Nachbarschaft zu Österreich stehen, waren sie für uns logischerweise ein gefundenes Fressen.

Mittlerweile haben sich ein paar Labels dazu entschieden, das gute Stück auf Vinyl herauszubringen. Neben Monday Morning Records, einem kleinen DIY-Label aus Giessen, welches von Dirk, dem Gitarristen von Stand der Dinge betrieben wird und welches uns auch die Vinylversion von Undici/Dodici  geschickt hat, obwohl wir ja schon davon berichteten, sind folgende Labels an dem Release beteiligt: Pike Records (DE), Don’t Live Like Me Records (US), Unlock Yourself Records (RU), Dog Knights Productions (UK), La Agonia De Vivir (ES), Stereo Dasein (NL), Fading Halo Records (RO), Shove Records (IT), Driftwood Records (US), PikPik Records (US), Upwind Productions (IT), Blessedhands Records (IT), Couchpunx (IT) und Laterraurla (IT). Das nenn ich mal Gemeinschaftssinn, zudem beweist dieser Einsatz, dass wir es hier mit keinem 08/15-Zeug zu tun haben.

Ich muss wahrscheinlich nicht erwähnen, dass ich Vinylklang der digitalen Version vorziehe. Das wird gleich beim Intro vom Opener Glasgow  deutlich, der Sound kommt glasklar und dennoch quicklebendig aus den alten, basslastigen Lautsprechern raus. Was leise und gemächlich beginnt, gipfelt in einer schönen, dissonanten Screamo-Soundorgie mit wildem, hektischem und ständigigem Rhythmuswechsel-Getrommel, herzzerreißendem und tief emotionalem Geschrei und cooler laut/leise Dynamik. Glücklicherweise liegen die italienischen Texte dem Textblatt in englischer Übersetzung bei. Eigentlich bereue ich es oft, dass ich nie Italienisch gelernt habe, denn rein nach den übersetzten Zeilen zu urteilen, stecken die Texte voller Träumerei, Sehnsucht, Zweifel und Romantik. Zudem erzählen die Songs gesamt gesehen eine Geschichte, die sich lohnt zu lesen. Jeder Songtitel steht für einen speziellen Lebensabschnitt, soviel sei verraten.

Die Italiener müssen sich keinesfalls hinter Bands wie Saetia, Daitro, Suis La Lune, La Quiete, Loma Prieta, oder Raein verstecken und erspielen sich mit diesen fünf intensiven Stücken einen festen Platz in den Herzen eines jeden Euro-Screamo-Jüngers. Mein persönlicher Favorit ist das dreiminütige Naufragio,  geschickterweise gleich der erste Song auf der zweiten Seite, aber um die ganze Bandbreite des Sounds von Øjne ohne viel Aufwand wahrznehmen, müsst ihr euch nur mal den Song Glasgow  anhören. Danach werdet ihr eh mehr hören wollen. Schönes Release, für neun Punkte reicht es jedoch nicht ganz, weshalb ich erstmals von einer Dezimalwertung Gebrauch mache.

8,5/10

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Indie-Mini-Sammelpost: Bleeding Rainbow, Cheatahs, The Notwist, Real Estate & Tycho

In letzter Zeit sind einige Releases bei mir im Ohr hängen geblieben, die es wert sind, mit ein paar Worten erwähnt zu werden, auch wenn manches davon von der Musikrichtung her eher im Indie-Rock bzw. in der Shoegaze-Ecke, aber auch unter Mainstream einsortiert werden könnte. Daher gibt’s jetzt einen Mini-Sammelpost.


 

Bleeding Rainbow – “Interrupt” (Kanine Records)
90er Indie-Gitarrenbands scheinen derzeit wieder schwer im Kommen zu sein, die Band aus Philadelphia hüpft aber nicht gerade mal kurz auf einen Trend mit auf, sondern legt mit Interrupt  neben unzähligen bereits veröffentlichten 7inches ihr mittlerweile viertes Album vor. Neben vielen tollen Melodien finden sich auch einige Ausflüge in Richtung Punk/HC. Zudem passen die Girl/Boy-Vocals zu so ‘nem Sound einfach wie die Faust auf’s Auge. Frühe Lush treffen auf Superchunk und Sonic Youth. Anspieltipp: Time And Place.
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Cheatahs – “Selftitled” (Wichita Records)
Hier kommt der Frühlingssoundtrack für alle, die sich gern mit gitarrenorientiertem Slacker-Schrammel-Indiepunk ihre Gehirnzellen durcheinanderbirngen lassen. Jetzt wird’s ein wenig kniffelig aufgrund der fast identischen klingenden Namen der Referenzbands, aber ihr werdet schon durchblicken: Ähnlich wie die neue Cloud Nothings, rotzig wie die neue Nothing jedoch etwas krachiger und noisiger mit massig Shoegaze und Grunge und tollen Melodien. Anspieltipps: Geographic, Leave To Remain.
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The Notwist – “Close To The Glass” (City Slang)
In den Anfangsjahren ihrer “Karriere” (1989 gegründet) machte die Band aus Weilheim noch schrammeligen Noisepunk mit Metaleinflüssen.  Erst mit dem genialen Album 12  flossen elektronische Klänge in den typischen Notwist-Sound mit ein. Nach dem 2002-er Meilenstein Neon Golden  dauerte es nun geschlagene 12 Jahre, bis mich der Sound von Notwist wieder am Schlawittchen packte. Mit den ersten beiden Songs des Albums kann ich zwar reichlich wenig anfangen, diese sind mir ZU elektronisch, aber ab dem dritten Song Kong,  einem coolen Indie-Rock-Smasher mit diesem genialen Slackertouch und der tollen Gesangslinie, hat mich die Band wieder gewonnen. Weitere Highlights: Casino, Run Run Run und Steppin’ In. Tolle Platte.
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Real Estate – “Atlas” (Domino)
Während das käsige erste Album eher abschreckend wirkt, lief und läuft bei mir das 2011er Album Days rauf und runter. Auch beim mittlerweile dritten Longplayer der Band aus Brooklyn,NY kann ich keinen einzigen Minuspunkt finden und so wird auch dieses Album den Weg in die heimische Anlage noch etliche Male finden. Für langweilige Sonntagnachmittage eignet sich der verträumte Indie-Rock mit den tollen Melodien genauso wie für lange Autofahrten durch einsame Nachtlandschaften. Anspieltipps: Had To Hear und April’s Song. Würde es OC California noch geben, dann wäre diese Band sicher mit auf dem Soundtrack.
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Tycho – “Awake” (Ghostly International)
Seit fast einem Jahrzehnt brachte man den Namen Tycho mit dem Soloprojekt des Sounddesigners Scott Hansen in Verbindung, auf Awake wurde dieses Projekt nun erstmals auf ein Trio erweitert und so werden die elektronischen Klangbilder um coole Bassparts und Gitarrenklänge erweitert, die sich fast schon im Post-Prog-Rock bewegen und das Ganze viel wärmer erscheinen lassen, als wir es bisher gewohnt waren. Eignet sich gut zum Chillen und erinnert desöfteren an Boards Of Canada.  Anspieltipp: Montana.
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DYSE – “Das Nation” (Cargo)

Im Vergleich zum viereinhalb Jahre alten Vorgänger “Lieder sind Brüder der Revolution” haben DYSE einen Riesen-Sprung nach vorne gemacht! Man kann zwar nicht behaupten, dass sich das Noise-Duo in letzter Zeit sämtliche Faxen aus dem Kopf geschlagen hat… allerdings gelingt ihnen diesmal ein mehr als ordentlicher Kompromiss aus Experiment/Spastigkeit und Song/Eingängigkeit. Die 9 Nummern sind einen Tacker direkter und kommen besser auf den Punkt als diverse ältere DYSE-Kompositionen der Vergangenheit – und das auch noch durch die ganze Platte hindurch…

Ihre Muse schöpfen DYSE weiterhin im Noise-Rock- und Postcore-Sound der 90er, mit vielen Ähnlichkeiten zu damaligen Touch & Go-, Amphetamine Reptile- und Dischord-Größen. Mir kommen solche Bands wie Shellac, NoMeansNo, Helmet, The Jesus Lizard, Circus Lupus, Tomahawk oder Drive like Jehu in den Sinn. DYSE führen dieses ganze Namedropping aber schnell ad absurdum, denn dank der Vermischung von deutschen und englischen Texten, der humorigen Herangehensweise und dem unberechenbaren Songwriting klingt das Duo aus Berlin und Dresden sehr eigenständig. Gerade im letzten Punkt brillieren DYSE diesmal! Der Abwechslungsfaktor ist nämlich äußerst hoch, jeder Song steht für sich alleine und klingt dezent anders als der davor. Außerdem gibt es eine handvoll erinnerungswürdiger Songs… einer davon steht mit “Die Ai Wai” bereits an der zweiten Stellen – hinzu kommen der groovige Nackenbrecher “Nackenöffner”, das vorab bekannte “Spinne” und natürlich das krude “Out of Tune”. Ein Song, über den sich die Geister scheiden werden, aber auch ein extrem spaßiger Song, bei dem jeder untalentierte Sänger zum Mitsingen eingeladen wird. Selbst der ruhigste Song, das fast schon an EA80 oder Messer erinnernde “Hans”, wird zumindest bei mir einen gewissen Kultfaktor innebehalten… was wohl daran liegt, dass ich mit diversen Hansen schon meine Erfahrungen gemacht habe. Abgerundet wird “Das Nation” vom verspielten “Dysenation”, das eine Art “Showcase” der Band ist und vom vielleicht etwas unspektakulären Closer “Sie ist maschin”.

Unterm Strich ist “Das Nation” definitiv das beste DYSE-Werk bisher. Sowohl in Sachen Songs, als auch in Sachen Sound/Produktion und Entertainmentakftor packte das Duo ein paar Gramm obendrauf! Hinzu kommt, dass “Das Nation” für eine Noise-Rock-Platte sehr zugänglich ausgefallen ist… deswegen ist das hier ein optimaler Startpunkt für diejenigen, die DYSE gar nicht kennen.

7/10

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EP-Vierer: Alliswell, Creepozoidz, mOck & Sports Fans

Alliswell – “Eleanor” (DIY)
Als ich die vier Songs umfassende EP der Band aus Illinois das erste Mal hörte, verliebte ich mich direkt in den genialen Refrain von North Faced Jackets,  schmunzelte über den nachdenklich stimmenden Text und horchte mit spitzen Ohren beim nachfolgenden Empty Urn  auf die coolen Klimpergitarren und auf die tolle Gesangslinie. Dieser Song erinnert mich dann ein wenig an den Emocore, wie man ihn einst von deutschen Kapellen wie The Cherryville zu hören bekam, aber auch The Van Pelt oder die ruhigeren Momente von Maggat kommen mir in den Sinn. Mit dem darauffolgenden Akkustikstück und dem 6½ minütigen Jello Shots  werde ich zwar eher nicht so warm, aber die ersten zwei Songs gleichen das aus. Die Band selbst gibt als Einflüsse z.B. Cursive, Pedro The Lion, American Football und natürlich Tigers Jaw an. Checkt das Teil mal an, das gibt’s nämlich als Name Your Price Download auf der Bandcamp-Seite und zumindest einer der ersten beiden Songs eignet sich für euer nächstes Mixtape und wird dazu führen, dass eure Freunde wissen wollen, was denn da gerade Nettes läuft. 7/10
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Creepozoidz – “Generation Loss” (DIY/Dust House)
Keine Ahnung, ob die Band aus Tulsa/Oklahoma sich nach dem trashigen Low Budget Film “Creepozoids” benannt hat, aber eigentlich ist mir das auch vollkommen wurscht, denn was das Trio auf dieser EP hier abzieht, kann sich absolut sehen lassen. Verdammt, die Band existiert wohl seit 2012 und hat bisher außer einer 3-Song-Demo – die übrigens auch nicht übel ist – und dieser EP hier noch nichts veröffentlicht. Es sind zwar nur zwei Songs, aber die haben’s in sich und strotzen nur so vor unbändiger Energie. Nimm ein paar Bands vom Dischord Label aus den Neunzigern, mische ein bisschen ungeschliffene At The Drive-In und ein bisschen oldschool-Emo dazu und stell dir einen Gitarrensound vor, wie ihn meine Lieblinge Parades End auf ihrer selbstbetitelten 7inch hatten, dann hast du schon mal eine ungefähre Vorstellung. Stop’n'Go Hardcore mit dreckigen Emorockeinflüssen und tollen Abgehparts kann man eigentlich kaum besser machen. Hört euch nur die Gitarren am Anfang von DNR  an und werdet damit glücklich. Ich weiß nicht, ich sehe bei so ‘nem Sound immer so einen schmalen Typen mit Kabelärmchen und ‘nem gigantischen Afro vor meinem inneren Auge rumtanzen. Das Disco Stu-Syndrom, sozusagen. Ich für meinen Teil fiebere dem Tag entgegen, an welchem die Creepozoidz weitere Songs unter die angefixte Meute bringt. Ich kann’s kaum erwarten. 8/10
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mOck – “Components” (Coraille Records)
Nach zwei Split EP’s und einem Album gibt es mit Components nun neues Material in Form einer EP der Berliner Mathrocker mOck. Und dieses Material knüpft eigentlich genau da an, wo das Album seinerzeit aufgehört hat. Das spiegelt sich schon im Albumartwork wieder, die Regaloptik bewegt sich in ähnlichen Farbtönen wie das Debutalbum. Die vier Songs der EP kommen größtenteils ohne Gesang aus, wenn sich dann doch hin und wieder eine gesungene Passage findet, gefällt mir das alles natürlich noch besser. Obwohl es mich beim Sound von mOck ausnahmsweise nicht stört, wenn mal nicht gesungen wird. Rein vom Instrumentalen her erinnert mich die Band an eine verschwurbelte Version der ebenfalls aus Berlin stammenden Contriva, ganz frühen Masha Qrella oder Jersey. Als Vergleiche könnte man auch Karate oder das von mir hoch verehrte Indie-Electro Duo I’m Not A Gun anbringen.  Wer mit experimentellem, verspieltem Post/Math-Rock gepaart mit Jazzgefrickel und Post-Punk-Einflüssen was anfangen kann, für den werden mOck ein paar Überraschungen parat haben. Die EP ist übrigens Nino Kühnis – dem Sänger der Schweizer Band The Rabbit Theory – gewidmet, der letztes Jahr durch einen tragischen Fahrradunfall ums Leben kam. 8/10
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Sports Fans – “Selftitled” (DIY/Dust House)
So wie die Creepozoidz haben auch die Sports Fans aus Oklahoma City im Dust House – einem in Oklahoma ansässigem Musikkollektiv und Aufnahmestudio – diese drei Songs produziert. Aber hallo, irgendwie sagt mir der analoge lo-fi-Sound des Studios sehr zu, denn diese Aufnahmen kommen so extrem warm rüber und strotzen gleichzeitig vor wilder Energie, man kann es fast nicht in Worte fassen. Jedenfalls kannte ich die Sports Fans bis dato nicht, obwohl auch schon zwei EP’s veröffentlicht wurden. Im Vergleich zu diesen gefällt mir aber das neue Werk um ein vielfaches besser. Alleine das Stück Beautiful Man, Face Of An Angel  hat es mir angetan und wird wohl auf einem meiner Mixtapes landen. So sollte Emocore klingen, hier wird oldschool-Emo mit dem US-Punk/HC der Washingtoner Schule gemischt und mit ein paar twinkle-Gitarren aufgepeppt. Zum Albumcover hab ich leider keine Idee. Tolle EP! 8/10
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Musik-Doku: “ROCKBOTTOM – Songs of no money”

Die Neue Stereo Filmproduktion, unter Martin Groß und Marc Helfers, arbeitet seit geraumer Zeit an einem äußerst interessanten Musik-Dokumentar-Film namens “ROCKBOTTOM – Songs of no money”. Die Doku handelt von fünf verschiedenen Musikern, die trotz massenweise Passion und einem genügend Talent nicht von ihrer Musik leben können, ihren Traum deswegen allerdings nicht aufgeben möchten und somit ein Leben an der Armutsgrenze in Kauf nehmen.

Seit gestern kann man das hochambitionierte Projekt mit ein paar Euro auf Indiegogo unterstützen und sich schon jetzt sein Exemplar vorbestellen. Laut den beiden Berlinern soll “ROCKBOTTOM” bis zur “Berlinale 2015″ fertiggestellt werden und danach auf Festivals und möglicherweise sogar im Kino laufen. Natürlich ist auch eine DVD in Planung!

Weil ein Video eh mehr aussagt als 1000 Worte, gibt’s als Appetizer den vielversprechenden Trailer:

“ROCKBOTTOM” Homepage
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The Body feat. The Haxan Cloak – “I shall die here” (Rvng Intl.)

The Body hatten ein unglaublich starkes 2013. Mit der EP “Master, we perish” und der zweiten LP “Christs, Redeemers”, sowie einer handvoll hochklassiger Videos konnten sie viele für ihre Interpretation von Noise, Doom- und Sludge Metal begeistern. Tatsächlich schafft das mittlerweile nach Portland, Oregon übersiedelte Duo durch eine experimentelle Komponente und einer fast schon künstlerischen Ästhetik ein ganz eigenes, neues Hörerlebnis.

Je intensiver man sich allerdings mit der Musik von The Body auseinandersetzt, desto mehr muss man sich selbst als Fan eingestehen, dass die Jungs schon eine gewisse Formel entwickelt haben und sich so viele Songs vom Aufbau und vom Feeling her ähneln. Vielleicht gab man mit “I shall die here” grad deswegen einem dritten Musiker die Chance, das Band-Gefüge aufzusprengen. “I shall die here” ist nämlich keine reines The Body-Album, viel mehr ist es eine Kollaboration mit dem Briten The Haxan Cloak. Dieser macht selbst schwer avantgardistische, stimmungsvolle Electro-/Noise-Musik und passt somit ganz gut zum Portland-Duo. The Haxan Cloak produzierte das Album nicht nur, sondern hatte auch “inhaltlichen” Einfluss auf die 6 neuen Stücke. Etwas das man schnell raushört. Der Metal-Anteil, wenn man ihn bei The Body überhaupt so bezeichnen kann, schrumpft bei “I shall die here” nämlich auf ein Minimum zusammen und wird durch eine durchwegs elektronische Ausrichtung ersetzt. Das geht mal Richtung Noise (“Our Souls were clean”), ist dann futuristisch, mit Sci-Fi-Effekten und Plucker-Beats (“Hail to Thee, Everlasting Pain”) oder tönt nach astreinem Drone (“The Night knows no Dawn”). Nur ist es niemals so hart, so rhythmisch und so offensiv, wie man The Body sonst kennt. Der Opener “To Carry the Seeds of Death within me” klingt noch am ehesten nach dem Stoff vom letzten Jahr…

Was bleibt ist das bekannte, diesmal dezent eingesetzte Psycho-Geschrei, die düstere, befremdliche, wenn auch etwas weniger beklemmende Atmosphäre und die stete Kombination dieser mit der durchgeknallten Attitüde der beiden Weirdos. Ich finde den Ansatz verdammt cool und frisch und halte das Endprodukt für recht hörenswert. Als Fan der Band, und im The Body-Kontext betrachtet fühlt sich “I shall die here” aber oft wie eine x-beliebige Drone-/Industrial-/Ambient-Scheibe an. Wer mit dieser Schiene also etwas anfangen kann, der sollte mal reinhören. Mir geht’s mit diesem Coop-Album aber eher wie mit den Chips und der Schokolade. Wenn es sich ergibt, kann man das schon mal zusammen essen… in der Regel verzehre ich beides aber lieber getrennt voneinander!

6/10

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Video zu “To Carry the Seeds of Death within me”
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LP-Vierer: More Than Life, Rust Belt Lights, Menores Atos & Lost Hope

More Than Life – “What’s Left Of Me” (Holy Roar Records)
Seit einer halben Ewigkeit hängt die Review-Anfrage von What’s Left Of Me  nun schon in der Inbox, immer wieder wollte ich die Sache in Angriff nehmen, aber in letzter Zeit kam immer wieder ein Hammeralbum nach dem nächsten dazwischen, das besprochen werden wollte. Außerdem war das Veröffentlichungsdatum erst auf den 18.April datiert, also noch massig Zeit. So ist das halt immer, wenn man anfängt, Sachen auf die lange Bank zu schieben und eine Platte einen beim ersten Durchlauf nicht direkt anspringt. Nun denn, glaubt man dem Promogeschreibsel, dann werden die Engländer von More Than Life als eine der erfolgreichsten Underground Hardcore Acts der letzten Jahre gehandelt, so verkaufen sich ihre Shirts “wie geschnitten Brot” und Do You Remember,  die “Hitsingle des neuen Albums”, erreichte innerhalb der ersten Wochen 160.000 Klicks auf YouTube und mittlerweile sind es bereits über 300.000. Holla die Waldfee, das zeugt von einer starken Underground-Fanbasis. Bevor wir jetzt noch die zahlreichen Facebook-likes und die vielen Shows und Festivals erwähnen, die von Tausenden von Leuten besucht werden, widmen wir uns lieber mal dem Wesentlichen. Hach, nur einen noch: Ich gebe zu, ich habe noch nie einer Show von More Than Life beigewohnt, der Pressetext spricht mich deshalb null an, da ich mir lieber einen Underground Act auf einer kleinen Bühne anschaue, anstatt mit Tausenden Fashion-Victims quasi am Merch-Stand anzustehen, um mein individuelles Bandshirt wie geschnitten Brot zu erhalten. Aber genug der Lästereien, hehe. Ich mag die alten Sachen der Band immer noch sehr gerne, gerade Love Let Me Go  ist mir in guter Erinnerung geblieben, trotzdem verfolgte ich den Wirbel über Auflösung und Reunion eher emotionslos. Im Modern & Melodic-HC-Sektor hat sich ja in den letzten Jahren einiges getan, der Sound More Than Lifes wurde unzählige Male kopiert und weiter ausgetreten, wodurch das neue Album der Engländer mit etlichen Konkurrenten gemessen werden wird, allen voran an den Landsleuten von Landscapes, die auf ihrem letzten Album Life Gone Wrong  eine ähnliche Vorgehensweise an den Tag legten, wie es More Than Life nun auf ihrem Reunion-Album tun. Nun, More Than Life klingen ausgereifter, beim Songwriting sind deutliche Entwicklungssprünge zu erkennen, dazu gehört auch das Verwursten eines Pianos beim Song Do You Remember, der obendrein eine ganz andere Seite der Band zeigt, die den meisten eingefleischten Fans wahrscheinlich nicht so reinlaufen wird und noch mehr Massen zu den Konzerten locken wird. Die neun Songs kommen sauber produziert und sehr druckvoll, stecken voller Emotion und Power und sind dazu auch noch richtig eingängig. Hin und wieder schimmern natürlich auch Momente durch, die in Richtung Love Let Me Go  schielen und auch Sänger James Matthews leidet in gewohnter Manier verzweifelt, das beherrscht er echt wie ein Profi. Die Kombination von Härte und Melodie ist nahezu perfekt umgesetzt und je öfter ich die Aufnahmen höre, umso mehr wünschte ich mir, ich könnte die Band mal live in ‘nem kleineren Club sehen. Als Anspieltipps würde ich jetzt einfach mal das Titelstück und das geniale Seasons Change  empfehlen, das auch mal mit ruhigeren Passagen voller Schmerz aufwarten kann. Ach so, einen Vorab-Stream gibt es hier. 8/10
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Rust Belt Lights – “Religion & My Ex” (Disconnect Disconnect)
Nach einer EP, einer Full Length und einer Split mit I Call Fives legt das Quintett aus Buffalo New York nun mit Religion & My Ex  sein zweites Album vor. War der Sound der bisherigen Sachen doch eher ein wenig rauher und ungeschliffener produziert, fetzen die zwölf Songs dann glattpoliert und ziemlich professionell aus den Boxen, ohne dabei aber ein gewisses Pensum an Emotionalität einzubüßen. Vom Feeling her klingt das Resultat dann irgendwie nach dem melodischen Emohardcore, den man in dieser Art um die Jahrtausendwende an allen Ecken gehört hat. Das Drumming ist schön vorantreibend, die Gitarren sind sauber gespielt, den Bass hört man auch gut raus und die obligatorischen Chöre kommen ebenfalls ganz nett rüber. Der Sänger macht seine Sache auch sehr gut, jedoch fehlt mir ein wenig die Rotze, von mir aus könnte mehr gebrüllt werden und der Pop-Punk-Anteil ein wenig mit Hardcore aufgemotzt werden. Mir klingt das alles ZU nett. Aber das ist ja Geschmacksache, für eingefleischte Pop-Punker haben Rust Belt Lights ein paar schön melodische Songs im Gepäck. Wer sich eine zahme Mischung aus Lifetime, Saves The Day, Down By Law und  Banquets vorstellen kann, sollte ruhig mal reinhören. 6/10
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Menores Atos – “Animalia” (DIY)
Das Trio aus Rio de Janeiro veröffentlichte irgendwann im Jahr 2005 ihr Debutalbum Vozes, distorção e trechos de nossas vidas,  danach legten die Jungs eine längere Siesta ein, bis sie merkten, dass es langsam langweilig werden könnte, so ganz ohne Musik. Also rafften sie sich auf und jammten ein wenig und bemerkten dabei, dass sie das Spielen noch nicht ganz verlernt hatten. Man bekam wieder Lust auf neue Songs und schwupp di wupp, entstanden etliche neue Songs, man war ja auch richtig gut ausgeruht. Irgendwo in der Zeit um die Jahrtausendwende sind Menores Atos dann auch stehengeblieben und präsentieren auf ihrem zweiten Album eine schöne Brise Emocore, wie man ihn von Bands wie Engine Down, Cursive, Lunchbox, frühen Circa Survive, Minus The Bear oder auch mittleren Standstill gewohnt ist. Eigentlich dachte ich beim ersten Anhören der Songs, dass da bestimmt Leute der spanischen Band Madee mitmischen, aber Menores Atos kommen ja aus Rio. Dennoch erinnert mich der Sound des Trios am ehesten noch an die Spanier, die bei mir von Zeit zu Zeit den Weg auf den Plattenteller finden. Zudem wird in der Landessprache gesungen. Hört euch nur mal die Songs À distância  oder Doisazero  an, dann wisst ihr, was ich meine. Die zehn Songs sind supergut abgemischt, glasklarer Gitarrensound trifft auf wummernden Bass, treibendes Schlagzeugspiel und eine gute Singstimme, was will man mehr. Zudem merkt man der Band an, dass ein gewisser HC/Punk-Background vorhanden ist. Mir gefallen die Songs echt gut, aber ab Song Nummer sieben gibt’s ‘nen kleinen Hänger, der aber mit dem letzten Song wieder wettgemacht wird, bei welchem übrigens der Sänger der brasilianischen HC-Band Plastic Fire mitmischt. Hey, und das Coverartwork ist auch irgendwie schön. Checkt das mal an, das Album gibt’s als Name Your Price Download. 7/10
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Lost Hope – “El Día Más Largo Del Año” (DIY)
Und nun gleich nochmal Südamerika, diesmal Argentinien, genauer gesagt Buenos Aires. Ich kann leider nicht so viel über die Band berichten, außer dass das Quintett seit 2007 besteht. Die ersten Töne von El Día Más Largo Del Año  dröhnen irgendwie Helmet-Dampfwalzenartig aus den Kopfhörern, bevor sich die Gitarren zu einer schöner Soundwand auftürmen und die zweite Gitarre scharfe Melodien über den Soundmatsch spielt. Das Drumming kommt druckvoll, der Sänger leidet sich mit schön rauher Schreistimme durch die neun Songs, zudem klingen die  Songs sehr rockig, hin und wieder schimmern ein paar NuMetal-ChuggaChugga-Passagen durch, aber den Grundstein bilden Emo-Hardcore, Melodic Hardcore und diverse Metalcore-Elemente, wie man es von zahlreichen nordamerikanischen Bands eigentlich auch nicht anders gewohnt ist. Technisch und musikalisch gibt’s nichts zu meckern. Wer sich eine Mischung aus  Alexisonfire und  neueren Touché Amore vorstellen kann und es auch gerne etwas exotischer hat, der sollte Lost Hope ruhig mal anchecken. Das Sepia-Artwork sieht irgendwie auch nett aus. 7/10
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LP-Dreier: Arctic Flowers, Praise & Canadian Rifle

Arctic Flowers – “Weaver” (Deranged Records/Sabotage Records)
Die Band aus Portland/Oregon konnte mich bereits mit ihren bisherigen Veröffentlichungen (Reveries LP & Procession EP ) aus der Reserve locken und schafft dies auf ihrem neuen Album mit ihrer sehr coolen Mischung aus Punk, Wave, Post-Punk, Gothic und Death-Rock erneut. Die neun Songs solltet ihr am Besten laut aufgedreht in der Dunkelheit hören, denn da wirken sie einfach bombig. Aber nicht nur da, auch fast bis zum Anschlag hochgedreht sind die Soundergüsse bei warmem Frühlingswetter  z.B. im Auto sehr gut zu ertragen.  Hab mir überlegt, ob ich den armen Punks, die seit Jahr und Tag bei uns auf dem Dorfplatz ihren jämmerlichen 08-15-Deutschpunk aus dem Kasi leiern lassen, mal das Weaver-Album auf Kassette überspielen sollte, damit sie zwischendurch auch mal was Gescheites zum Anhören haben. Auf die B-Seite könnte ich das Debutalbum der australischen Infinite Void draufpacken, denn die gehen in eine ähnliche Richtung wie die Arctic Flowers und erfreuen den Hörer mit  melodischem, wavig angehauchtem Post-Punk, der gerne auch mal in die 90er Indierock-Ecke schielt. Hmmm, gute Idee eigentlich, vielleicht mach ich den Dorfplatzpunks mal sogar ein Mixtape und wenn sie mich um Kleingeld anschnorren, was sie von Zeit zu Zeit tun, obwohl ich nicht gerade wie jemand aussehe, der Geld übrig hätte, schenk ich ihnen das Tape mit einem fröhlichen Grinsen in der Fresse “Extra für euch aufgenommen, hehe”. Aber wieder zu den Arctic Flowers. Ich steh z.B. auf das treibende Bassgewummere, zusammen mit den hochmelodischen Gitarren, die desöfteren vom Klang her an Verbal Assault erinnern, dem Haudrauf-Schlagzeugspiel und dem coolen Gesang von Frontfrau Alex geht der Sound richtig unter die Haut und sei jedem empfohlen, der schon mit der Infinite Void LP warm wurde. 8/10
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Praise – “Lights Went Out” (React! Records)
Bei der vorangegangenen Kritik zur Arctic Flowers hab ich ja den Gitarrenklang mit dem Klang der Gitarren der von mir verehrten Hardcoreband Verbal Assault verglichen. Als ich nun also vor ein paar Wochen das Debutalbum der Straight Edge-Band aus Baltimore erstmals lauschte, ging bei mir direkt die Sonne auf. Ich fühlte mich sofort an Verbal Assault erinnert, denn Praise haben ähnlich geile Gitarren am Start, gehen mit einem fast identischen Rhythmusgefühl an den Sound ran und schreiben einfach gnadenlos gute Songs, die man nur lieben kann, wenn man auf Verbal Assault, Dag Nasty, Minor Threat, Bread & Circuits oder spätere Turning Point abfährt. Schaut man genauer hin, sind hier alte Hasen der US-Hardcore-Bands Mindset, Peace und Angel Du$t am Werk.  Wäre das Ding zu der damaligen Zeit rausgekommen, dann würden Praise heutzutage ebenso wie die musikalischen Vorbilder als Helden abgefeiert werden. Die zehn Songs stecken voller Power, voller Emotion, voller Abwechslung und voller Nostalgie. Was hab ich schon an meinem Gitarrenverstärker rumgedreht, um aus meiner Epiphone Les Paul-Kopie auch nur einen entfernt ähnlichen Sound hinzubekommen, wie ihn Praise auf diesem Album zustande gebracht hat. Die Texte stehen natürlich auch in der alten Tradition, sind sehr persönlich und tragen diesen typischen Try and Fail Touch. Mit das Beste, was ich in den letzten Jahren in diesem Bereich so gehört habe. Ich feier’s ab. 9/10
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Canadian Rifle – “Deep Ends” (Taken By Surprise/Dirt Cult Records)
Auf dem zweiten Longplayer der Punk/HC-Band aus Chicago hat sich gegenüber des Vorgängers nicht allzuviel verändert, man fragt sich ja auch, wozu denn diese ständige Veränderung gut sein sollte. Die Band spielt immer noch diese intensiv-explosive Mischung aus rotzigem Punk und emotionalem Hardcore, die einen hibbelig werden lässt. Rein vom Instrumentalen läuft mir der aufgekratzte, matschige Punk/HC-Sound des Trios ganz gut rein, aber sobald der Gesang einsetzt, legt sich bei mir ein Schalter um, da ich auf dieses rauhbeinige Gegröle einfach nur noch bei Live-Shows anspringe. Live bläst die kanadische Büchse sicher ordentlich die Backen auf und legt eine schweißtreibende Bühnenaction auf den Konzertboden, denn die neun melodisch-rauhen und mit offenen Becken gespielten Punkrocksmasher werden ohne Zweifel zum ein oder anderen Bierspritzer führen. Vom Sound her kann ich nur dem Labelinfo beipflichten und bestätigen, dass die Jungs mich an Kapellen wie z.B. Jawbreaker oder Leatherface erinnern,  rotzigere Dillinger Four wären auch eine gute Referenz. Wie schon gesagt, mich würde der Gesamtsound eher ansprechen, wenn ein wenig mehr Abwechslung beim Gesang drin wäre. So gibt’s von mir für’s Musikalische nur eine 6, die wird aber aufgrund des coolen Artworks im s-w-Horror-Comicstyle auf ‘ne 7 aufgerundet. 7/10
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Like Rats – Live At Bash Day 2, Baltimore

Like Rats (Name vom Godflesh-Song geborgt) führen runtergestimmte Gitarren, thrashy Riffing mit D-Beats und mancher spielerischer Ausgefuchstheit zusammen. Alessandro erwähnte Like Rats schon vor einiger Zeit. Interesse kam bei mir erst auf, nach dem ich mehrere Vergleiche der Truppe mit Celtic Frost las. Das passt schon, ich will Like Rats auch nicht nen eigenen Charakter absprechen, aber sie passen halt auch sehr in diese Welle von Dark, Crust influenced, Holy Terror-like, Metallic, Evil, omfg so Heavy Hardcore (Trap Them, Blind To Faith, Cursed, Full Of Hell, Masakari etc.) und folgerichtig sieht man sich selbst auch gar nicht als Hardcore-Band. Muss man mögen. Pluspunkt für die wirklich fiesen Vocals.

Valina – “Container” (Trost)

Achtung, weit ausholen und so: Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich Valina das erste mal gehört habe. Es muss 2002 gewesen sein, als ihr Song “Dance your Job” auf dem neuen Grenhell-Sampler war. Einer dieser Sampler, der mir damals die Neuigkeiten in Sachen Hardcore, Punk und Trendcore näher gebracht hat. So richtig wollten Valina da nicht hinpassen. So richtig wollten sie auch nicht zu meinem damaligen Musikgeschmack passen. Und dennoch lief der Song bei mir auf Dauerschleife, Tage und Wochen, ohne sich abzunutzen… bis ich mir ihr einfach das aktuelle Valina-Album “Vagabond” bestellt habe… und das dann auch ganz großartig fand.

Die größte Referenz von Valina war damals, wie heute ihr Produzent: Steve Albini. Shellac-Hirn und Produzent solcher Knalleralben wie “In Utero”, “Pod”, “Seamonsters” oder “Goat”. Und wie man damals schon heraushören konnte, wirkte sich Albini’s Schaffen maßgeblich auf den Sound von Valina aus. So ein bisschen klangen sie für mich damals wie die poppigere, etwas zugänglichere Version von Shellac. All das ohne irgendeine Band oder irgendeine Platte nur annähernd nachzuäffen…

Im Gegenteil: Valina sind das perfekte Beispiel für eine langlebige Band (Gründungsjahr: 1995), die ihren Prinzipien treu bleibt, sich konsequent zwischen die Stühle setzt, auf Promo einen Scheiß gibt und gerade wegen all diesen Dingen wohl ewig ein “Geheimtipp” bleiben wird. Und das obwohl man ein starkes Release nach dem anderen rausbringt. Hinzu kommt natürlich die Tatsache, dass die Jungs aus Linz in Oberösterreich kommen – da wo man als idealistische Band schnell zum Einzelkämpfer wird.  Weiterlesen