Videosammlung: A Forest, Astpai, FJØRT, Pascow, Science, Tiny Moving Parts

Der Sommer ist zu Ende, die Sommer-Badevideos sind abgedreht, deshalb gibt es mal wieder eine Sammlung mit ein paar Musikvideos.


Am 02.10.2014 erscheint auf Analogsoul das neue Album von A Forest. Die musikalischen Einflüsse reichen von Electronica bis zu Hip-Hop und Singer-Songwriter. Das Video zu “The Shepherd” entwickelt mit seinem Tape-Monster eine eigentümliche Anziehungskraft. Sommer-Badevideo Nr.1:

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LP-Vierer: Cadaver Em Transe, Ohios, Howling Fantods & Rescuer

Cadaver Em Transe – “Selftitled” (DIY)
Was war das doch auch immer ärgerlich, als man in Teenagerjahren sein sauer verdientes Taschengeld in billige BASF-Kassetten investierte, um von irgendwelchen unzuverlässigen Leuten die tollsten Schallplatten überspielt zu bekommen, die man sich mit dem kargen Taschengeld niemals hätte leisten können. Nur doof, dass diese Typen die Leerkassetten entweder gleich in Bares umsetzten, um sich billigen Klebstoff zu kaufen oder unfähig waren, auch nur den Namen der aufgenommenen Band auf das Tape zu schreiben. Klar, für euch tunatic-verwöhnten Kids von heute wird das irgendwie befremdlich klingen, aber es gab Zeiten, in welchen man nicht genau wusste, zu welchem Sound im Walkman man sich gerade die Eier am Skateboard verbeulte. Was war ich froh, als ich eines Tages eine Adrenalin-OD-Platte kaufte und die Songs eines meiner unbeschrifteten Lieblingstapes erkannte. Warum ich euch das erzähle? Nun, die brasilianische Band Cadaver Em Transe erinnert mich an diese Tape-Zeit von früher, da sie irgendwie vom Sound her genau so klingt, als ob sie von ‘nem unbeschrifteten Tape in eurem 80er-Walkman vor sich hinleiern würde. Stellt euch eine Mischung aus Berurier Noir, Fugazi, Sisters Of Mercy und den Dead Kennedys vor, mischt das mit ein wenig Verbal Assault und neueren Bands wie Arctic Flowers und Infinite Void, haut einen immensen und übersteuerten Bass obendrauf, ergänzt das ganze um ein paar elektronische Spielereien.  Irgendwie hypnotisch, die portugiesischen Texte zeigen ebenfalls Wirkung, wenn meine Knie nicht so kaputt wären, würde ich glatt meinen Walkman aufsetzen und das Skateboard rocken. (Kleiner Nachtrag: Das mit dem Skaten war doch keine so gute Idee, Montag lass ich mich krankschreiben, haha) 7/10
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Ohios – “Faceless” (Famèlic Records)
Manchmal frage ich mich, warum es so lange dauert, bis man so eine geile Band wie Ohios entdeckt. Da surft man stundenlang durch die Bandcamp-Welten, liest etliche Underground-Musik-Blogs, blättert unzählige Fanzines und Mailorderkataloge durch und liest obendrein neben den -Musik-Empfehlungen der Tageszeitung auch schon mal Kiosk-Zeitschriften mit Punkbackground, selbstverständlich bekommt man ganz schön heiße Tipps von Freunden/Freundinnen und darf natürlich die Anfragen der Bands nicht vergessen, wenn man ein Zine oder einen Blog betreibt. Tja, wie ich auf die spanische Band Ohios gestossen bin, kann ich zum heutigen Zeitpunkt leider nicht mehr nachvollziehen. Jedenfalls hatte ich zum Entdeckungszeitpunkt die geniale Idee, die Bandcamp-Seite zu den Lesezeichen im Browser zu legen. Von Zeit zu Zeit räume ich da auch mal auf, und dabei entdeckte ich dann das Album der Spanier, das zwar bereits im Februar erschien, aber welches ihr euch unbedingt anhören solltet, falls ihr euch eine geniale Mischung aus Emo-HC und Grunge vorstellen könnt und euch von sattem Bassgeplänkel und geilen Gitarrenmelodien Honig um die Nase schmieren lassen wollt. Die Gitarren rocken ohne Ende, ich bin hin und weg. 7/10
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Howling Fantods  – “The End of Howling Fantods” (DIY)
Mein schwaches Punkerherz, das bei jeder körperlichen Anstrengung und manchmal auch bei unvorhersehbaren Schreckmomenten ein wenig arhythmetisch vor sich hinpocht, hüpft  bei den Songs der Punkband Howling Fantods  aus Philadelphia trotzdem ganz schön kräftig rum.  Keine Ahnung, solche Bands mag ich einfach. Da setzt der Bass ein, manchmal spielt der auch ein Riff, dass auch von Fugazi sein könnte, das Schlagzeug rumpelt und klingt wie ein sterbender Trabi-Motor, da und dort ‘ne Rückkopplung und die Gitarre hört sich an, als ob sie bald mal gestimmt werden sollte, der Sänger wickelt sich das Mikrokabel um den Hals und schreit am Mikro vorbei ins Publikum, während der besoffene Typ am Bühnenrand verzweifelt versucht, die Setlist zu klauen.  Dag Nasty/Uniform Choice und Reason To Believe treffen auf Algernon Cadwallader. Die lassen ihre nervigen twinkle-Gitarren ausnahmsweise mal im Keller und experimentieren lieber mit Rückkopplungs-Gepiepse und fiesen Punk-Solo-Gitarren, die Guns-N-Roses-Slash den Hut samt angeklebter Lockenperücke vom Kopf blasen würden. Up The Punxxx! 7/10
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Rescuer – “Anxiety Answering” (No Sleep Records)
7777,7 das war heute morgen der Kilometerstand meiner geliebten Ape 50, als ich beim Bäcker die Frühstücksbretzeln abgeholt habe. Na, ihr habt es bestimmt schon geahnt, natürlich waren das sieben Stück an der Zahl.  Hey, was für ein Zufall, das Wort Rescuer besteht auch aus sieben Buchstaben. Hoppla, das Wort Anxiety besteht ebenfalls aus sieben Buchstaben.  Answering sind 8 Buchstaben, die 8 ist auch auf dem Albumcover zu sehen!  Zufall? Ist das die Antwort auf alle Fragen? No Sleep! Aaaargh, das sind ebenfalls sieben Buchstaben! Records (wieder 7!)? Oh Gott. Ich dachte immer, 23 wäre eine magische Zahl. (8+7+8…Gänsehaut…). Ich muss hier raus, ausbrechen…Glücklicherweise sind auf dem aktuellen Release der Band aus Florida (zählt die Buchstaben, aarrgghh) nur zehn Songs drauf, die dauern knapp 30 Minuten.  In 30 Minuten kann man sich schon in was reinsteigern. Mit dem Rescuer-Sound im Ohr dürfte das nicht schwer fallen. Solch eine Mucke hört man am Besten, wenn die Gedanken gerade beim Sackhüpfen sind.  7/10
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Iselia – “ii: Dawn” [lifeisafunnything]

Vor einiger Zeit schrieb ich schon einmal was über das neue Werk der US-Band Iselia, damals war das Album gerade digital in Eigenregie der Band erschienen und hatte bei mir mächtig Eindruck hinterlassen, so dass ich mich entschloss, aus eigenen Stücken ein Review dazu zu verfassen, das ihr übrigens hier nachlesen könnt. Nun,  knapp ein halbes Jahr später, bekomme ich ein liebevoll verpacktes Plattenpaket aus dem Hause lifeisafunnything (<3), aus welchem mir nach der üblichen Plattenbescherungszeremonie die wunderschöne Iselia-LP in die zittrigen Finger gleitet.

Ja, ich weiß, ich hab damals ein bisschen über das Albumcover gelästert, da es im Screamo/Emo-Bereich zu der Zeit immer wieder Plattencover mit doof in der Landschaft rumstehenden Typen zu bestaunen gab, bei Iselia durfte dieser Typ dann ausnahmsweise mal sitzen. Wie so oft, wirken diese Bandcamp-Cover natürlich im kleinen Digitalformat wie prächtige Landschaften, die man mit verkehrt herum gehaltenem Fernglas betrachtet.

Hält man das Cover aber in LP-Format auf dicken Karton gedruckt in den Händen, wird man fast dazu verleitet, sich neben den Typen ans Ufer zu setzen und den Herbsttag in vollen Zügen zu genießen. Das Foto hat irgendwie ‘nen 3D-Effekt und während ich die im Gegensatz zur eher düster wirkenden HDR-Landschaft kanarienvogelgelbe Vinylscheibe auflege und das Intro (World In Discord)  ertönt, kommen die Kinder rein und meinen beim Anblick des Covers, dass sie am Liebsten mal wieder Baden gehen würden. Das ist der Beweis, dass dieses Cover besser funktioniert, als irgendein teuer aufgemachtes Tourismus-Prospekt, zumindest bei Kindern. Aber Baden muss warten, Paps hört erst noch ein wenig Musik. Ach, und bevor ich’s vergesse: neben gelbem Vinyl gibt es wohl auch noch blaue Exemplare.

Nachdem mir die Songs von Iselia in den letzten Monaten immer mehr ans Herz gewachsen sind, freue ich mich natürlich umso mehr, dass ich sie nun in Form dieser tollen LP in meiner Sammlung stehen habe. Es ist so viel besser, ein Textblatt in den Händen zu halten und jede Zeile mitzulesen, und ja, die Songs klingen auf Vinyl noch intensiver, ich kann mich noch tiefer in die Musik reinversetzen, als ich es bisher getan habe, gerade die Gitarren hauen mich regelrecht vom Hocker.

Mit der Detailgenauigkeit eines Soziogramms des bemerkenswerten Künstlers Mark Lombardi bohren sich die einzigartigen Songarrangements in meine empfindlichen Ohren, ich höre bei den leisen Passagen Bands wie z.B. Dredg oder Elliott zur False Cathedrals-Phase, bei den lauteren Passagen kommen mir Bands wie Envy, Pianos Become The Teeth oder Rainmaker in den Sinn. Das hier ist die dritte geile Vinylveröffentlichung von lifeisafunnything in Folge, das Label ist daher auf gutem Wege, was Sympathie und Bandwahl anbelangt und zählt eigentlich schon jetzt zu meinen einheimischen Lieblingslabels der letzten Jahre.

8,5/10

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Renounced – “The Melancholy we ache” (Carry the Weight)

Renounced. Das sind ex-Abolition-Leute. Abolition waren eine nicht allzu langlebige Metalcore-Band aus London, die mit ihrem rauhen 90er-Metalcore im Stile von Morning Again oder Integrity voll in mein Herz trafen. Nicht ganz so begeistert war ich dann von der Renounced-Demo vom letzten Jahr, die moderner und fetter klang und so nicht nahtlos an den Abolition-Kram anschloss…

“The Melancholy we ache”, das Debütalbum von Renounced, kickt mich hingegen heftig. Ob das daran liegt, dass dieser Sound auf Albumlänge mehr Wirkung erzielt? Ja und Nein. Ja, weil die Londoner natürlich mehr Zeit haben und in dieser Zeit mehr Trümpfe ausspielen können. Nein, weil die Songs hier einfach besser sind. Es wird einem hier nix vorgemacht, nix vorgelogen, von wegen “neuer, eigener Sound” oder “Zigaretten und Videospiele beeinflussen unseren Sound”. Nein! Never. Niemals! Das hier ist reines Spät-90er-Metalcore-Worshipping und es wird auch so verkauft. Die Jungs lieben 7 Angels 7 Plagues, Poison the Well, This Day Forward und Skycamefalling. Und genau so, nicht anders… genau SO klingt “The Melancholy we ache” dann auch. Es gibt natürlich Parts, die schamlos bei erwähnten Bands abgekupfert sind oder sich so ähnlich anhören, dass man dies zumindest vermuten muss. Doch, nunja, dieser relativ spezielle Stil ist halt doch beschränkt und wenn man den dann so puristisch wie Renounced nachspielt, dann kommt eben sowas Nostalgisches bei raus. Die Basis besteht natürlich aus groovigem Mosh. Dazu addieren die Jungs oft knüppelige Parts und/oder Gitarren, die dezent metallischer sind als bei erwähnten Bands. Da schielen dann auch Martyr A.D. oder Disembodied um die Ecke! Nicht fehlen dürfen natürlich diese heulenden Gitarren-Licks sowie die epischen Melodiebögen, die dann gerne in einem noch epischeren Breakdown gipfeln. Die Breakdowns sind phasenweise so überzogen, dass ich auch Evergreen Terrace anno “Burned alive by Time” in die Referenz-Kiste werfen muss. Veredelt von kurzen, (halb-)akustischen Einsprengsel, die stark im Fahrwasser von 7A7P, PTW oder deren Quasi-Nachfolgeband A Jealousy Issue stehen, ist das hier die musikalische Essenz dieses Sounds. An der Vocal-Front gibt es dezent eingesetzte, manchmal annähernd gesungene Wörter (siehe PTW) und ziemlich heftiges, emotionales Geschrei, dass mich immer wieder an die hervorragende Schrei-Arbeit auf This Day Forward’s “The Transient Affects of Light on Water” denken lässt.

Ob Kopie oder Huldigung, entscheidet selbst, doch wer mit erwähnten Bands/erwähntem Sound was anfangen kann, der wird 2014 wohl nichts besseres finden. Es ist gut, dass Renounced ihrer Linie von Anfang bis Ende hin so treu bleiben und nicht probieren innovativ zu sein. Denn dieser Sound wurde Ende der 90er eh schon perfektioniert. “The Melancholy we ache” ist Nostalgie pur. Oder sozusagen: Nostalgie, richtig gemacht.

8/10

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Aviator – “Head In The Clouds, Hands In The Dirt” (No Sleep Records)

In fünf Jahren Bandgeschichte haben die fünf Jungs aus Boston/Massachusetts schon eine Latte an Zeug veröffentlicht, das reichte von ein paar EP’s und Split-EP’s über einzelne Songs bis hin zu einer EP mit Coversongs. Mit Head In The Clouds, Hands In The Dirt  folgt nun der erste Longplayer. Was sich auf den bisherigen Releases bereits angekündigt hat, wird hier mit einer unglaublichen Präzision weiter geführt.  Zu Beginn ihrer Schaffensphase klangen Aviator noch eher wütender und waren näher am Screamo/Hardcore dran, bis im Laufe der Zeit immer mehr Emo/Post-Hardcore-Elemente in den Sound einflossen und Aviator so irgendwo zwischen den Genres einpendelten. Begutachtet man die gecoverten Bands auf der 2014-er Covers-EP, dann kann man sich ungefähr vorstellen, wohin die Reise auf dem aktuellen Album geht. At The Drive-In, Piebald, Bear Vs. Shark, As Tall As Lions.

Aviator zeigen in zehn Songs und fast 35 Minuten Spielzeit eine ausgeklügelte Balance zwischen emotionalem Hardcore/Screamo á la Touché Amore, Defeater und Emo-rockigen Klängen, die an Bands wie z.B. Thrice oder Thursday erinnern, wobei das Ganze durch groovige, aber auch bedächtig traurige Parts abgerundet wird. Die Gitarren fetzen einerseits richtig los und türmen sich zu dichten Soundwänden auf, nur um andererseits im nachfolgenden Part wieder ein paar genial verspielte und melancholische Melodien aus dem Ärmel zu zaubern. Falls ihr mal so einen richtig schönen Kontrast haben wollt, dann solltet ihr als erstes dem genialen Forms (les feuilles mortes)  lauschen. Hier kommen sogar neben richtigem Gesang und diesem emotionalen Leidensgeschrei zum Ende hin Streicher zum Einsatz, was das darauffolgende I Hold Myself In Content  nur noch mächtiger erscheinen lässt.

Die Schönheit dieses Albums entfaltet sich aber erst so richtig nach mehreren Durchläufen. So dachte ich nach der ersten Runde noch, ach ja, klingt eigentlich ganz nett, das muss ich nochmal in Ruhe hören, am besten mal im Herbst, wenn es um den Kopf herum etwas neblig ist und ich voller Freude im Dreck bzw. Laub rumwühle, wie ich das im Herbst von Zeit zu Zeit gerne mache. Nach dem zweiten Hördurchlauf aber wollte ich dann doch nicht mehr so lange warten, da bereits da klar wurde, dass ich dieses Album noch öfters hören würde. So entdeckt man bei weiteren Hörerlebnissen dann z.B. so manchen lässigen Basspart, den man zuvor noch nicht so intensiv wahrgenommen hat oder sinniert über die nachdenklichen Texte, welche die Melancholie in manchen Songs nur noch unterstreichen. Mit diesem Album im Rücken und dem Wechsel zu No Sleep Records könnte es also nicht mehr lange dauern, bis Aviator zusammen mit Bands wie z.B. Touché Amore und La Dispute in einem Atemzug genannt werden.

9/10

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Das Letzte vom Monat (August)

Von wegen Sommerloch: im August blieben wieder einige Anfragen und Entdeckungen liegen. Viel Spaß beim Antesten.

* Cathedral Fever – “All Pit, No Pendulum” [Name Your Price Download]
Die letztjährige Returnless EP der US-Band gefiel mir ja richtig gut, da das Ding schön nach vorne ging. Auch die aktuelle EP brettert wieder ordentlich, was mir hier im Vergleich zur 2013er-EP auffällt, sind die fetten, fast schon ein wenig runtergestimmten Gitarren und die etwas bessere Produktion. Hört mal rein, wenn ihr auf ‘ne Mischung aus HC/Metal/Thrash und Emocrust steht. (S)

* Dags! – “Selftitled” [Freier Download]
Wenn ihr euch eine Mischung aus Emo/Math und Shoegaze vorstellen könnt, dann solltet ihr mal in die Debut-EP des Mailänder Trios Dags! reinhören. Es braucht zwar ein paar Durchläufe, bis man sich einen ungefähren Überblick über die Songs verschafft, aber danach hat man irgendwie das Gefühl, dass das live sicher ganz nett anzuschauen wäre. (S)

* Dogs On Acid – “Selftitled” [Name Your Price Download]
Snowing und Algernon Cadwallader beeindruckten mich mit ihrem Sound ja enorm, die Nachfolgeband mit Mitgliedern von eben jenen Bands haut mich jetzt nicht so von den Socken. Wer es dennoch antesten möchte, die ersten zwei Songs gibt’s als Name Your Price Download. (S)

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Biohazard – Show-Review Umsonst & Draußen Lindau am 26.07.2014

Als ich das letzte Mal Biohazard live gesehen habe – damals mit Rage Against The Machine im Vorprogramm, ist also auch schon wieder ein Weilchen her – bekam ich die Gitarre von Billy Graziadei voll in den Rücken gerammt, die blauen Flecken hielten sich wochenlang. Damals hatten Biohazard den Ruf, dass man in den ersten Reihen nicht wirklich seinen Spaß hatte, wenn man nicht gerade auf ausgeschlagene Zähne oder zu nähende Platzwunden stand.

Nun denn, knapp ein Vierteljahrhundert später waren Biohazard am 26.07.2014 in der Nähe zu Gast, warum eigentlich nicht nochmals anschauen, zumal das Ganze keinen Eintritt kostete. Da passte es ganz gut, dass die Kinder am Wochenende versorgt waren und selbst meine Frau ein wenig Lust verspürte, mal wieder auf ein Konzert mitzugehen. Und das Beste: da das Ganze beim U&D in Lindau stattfand, konnten wir bequem mit dem Zug an den schönen Bodensee reisen und entgingen somit dem Gezanke, wer das Auto zu lenken hatte. Während also ein Großteil der Hardcoreszene lieber auf’s Fluff-Fest reiste,  machten wir uns irgendwann am frühen Nachmittag bei strömendem Regen auf den Weg nach Lindau. Der Wetterbericht versprach Wassermassen in Unwetterqualität, also gute Voraussetzungen für einen entspannten Nachmittag direkt am wunderschönen Bodensee, der an diesem Nachmittag so bedrohlich und schwarz wirkte, wie ein mit einem Seeungeheur bewohnter Dämonen-See aus einem düsteren Fantasyfilm.

Als wir zusammen mit etlichen anderen Festivalbesuchern am Bahnhof in Lindau ankamen, hatte gerade ein Wolkenbruch biblischen Ausmaßes eingesetzt. Von der Stimmung her sah das Ganze so aus, als ob schon die Dämmerung einsetzen würde, obwohl es eigentlich gerade erst kurz vor 16 Uhr war. Zusammen mit etlichen Touristen und Festivalbesuchern blieb uns also nichts anderes übrig, als erst mal im Bahnhof zu verharren. Glücklicherweise hatten wir genügend Bier vorrätig, zudem machte ein komischer Vogel mit Akustikgitarre ein wenig Ramba Zamba und stachelte uns zu den ersten Lästereien des Tages an. Normalerweise dauert so ein Platzregen ja nicht so lange, aber der Wettergott hatte keine Gnade und wir waren satte anderthalb Stunden im Bahnhof gefangen, bevor wir dann doch endlich den Gang auf’s gleich um die Ecke liegende Festivalgelände wagten. Nennt mich eine armselige, verweichlichte Lusche, aber ohne Regenschirm wären wir echt aufgeschmissen gewesen. Mit dem Regenschirm zu Biohazard, wer hätte das gedacht (in weiteren 25 Jahren nehmen wir dann den Rollator mit). Diesmal würde ich also eher Gefahr laufen, einen Regenschirm in den Rücken gerammt zu bekommen, denn Billys Gitarre würde von der hohen Festivalbühne eher nicht bis in die ersten Reihen kommen.

Aufgrund des miesen Wetters hatten sich glücklicherweise nicht so viele Leute auf den Weg nach Lindau gemacht. Die ganzen Idioten und Spinner, die man sonst so auf Festivals dieser Art antrifft, waren also ausnahmsweise nicht in der Überzahl, obwohl es schon einige Freaks zu bestaunen gab (z.B. den Typen mit dem pinkfarbenen Neoprenanzug oder den Satanisten mit dem schwarzen Ledermantel, der ein wenig wie der kleine Vampir aussah). Auffallend waren die vielen älteren Semester, die zur Feier des Tages ihre mittlerweile übergewichtigen Körper in viel zu enge Madball, Sick Of It All oder andere NYHC-Shirts gezwängt hatten.

Aber kommen wir zu Biohazard: Ich hätte nicht gedacht, dass die Band den Spirit der alten Zeiten hätte nochmals aufleben lassen können, aber vom ersten Ton an legten die Jungs eine Energie an den Tag, mit der ich niemals gerechnet hätte. Der Neue am Bass entpuppte sich dabei als viel beweglicher als sein Vorgänger Evan Seinfeld, der sich mittlerweile ja nur noch in der Horizontalen in Erwachsenenfilmen zu bewegen scheint, zudem war sein Gröhlgesang kaum vom Original zu unterscheiden. Erstaunlich war es, dass vorwiegend ältere Songs aus der Urban Discipline-Phase gespielt wurden, was das Publikum natürlich freute. V.a. Gitarrist Bobby wirkte extrem fit und rotierte in einer Geschwindigkeit um die eigene Achse, so dass man das Gefühl hatte, er würde jeden Moment wie ein Helikopter von der Bühne abheben, auch die restliche Band war ständig in Bewegung. Das Publikum, darunter auch viele Väter mit Nachwuchs auf dem Rücken, hüpfte wie ein großer Flummi auf dem mittlerweile pfützenübersäten Festivalgelände herum, selbst meine Frau und ich ließen unsere Regenschirme nostalgieverliebt auf und ab wippen.

Witzig waren natürlich die Ansagen von Billy Graziadei, die vor etlichen Four-Letter-Words nur so überquollen und nicht gesprochen, sondern derbe geschrien wurden. Ich hoffe, Herr Graziadei kann zwischen Bühne und normalem Leben trennen und bewegt sich nicht ebenso neanderthalmäßig durch das echte Leben. Stellt euch mal vor, der Typ kommt in die Bäckerei und bestellt sich schreiend ein Brot mit den Worten “YO, YOU MOTHERFUCKER, GIVE ME THIS FUCKING BREAD, YOU STUPID ASSHOLE, I AM FUCKING HUNGRY”. Ach ja, meine Favoriten waren natürlich wie damals Shades Of Grey, Punishment  und Black And White And Red All Over.  Ein lustiger Abend mit zuviel Regen und verdünntem Bier (ebenfalls regenbedingt) ging dann relativ früh zu Ende, da wir es vorzogen, lieber mit ein paar Dosen Bier den Heimweg mit dem Zug anzutreten, als bei strömendem Regen uns zum tausendsten Mal bei den Mad Caddies zu langweilen. Ach so, weil es so geregnet hat, hab ich es irgendwie verbummelt, ein Foto von der Band zu machen, aber von weitem sahen die Jungs noch so aus wie früher.

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EP-Vierer: Arkham, Maskros, Porch Swing & Waves

Arkham – “The Great American Goodbye” (DIY)
Aufgrund der Spielzeit von ein bisschen mehr als 16 Minuten ordne ich die neue Scheibe von Arkham jetzt einfach mal als EP ein. Bei den Jungs aus Chicago ist eines irgendwie klar: wer mit Bands wie Propagandhi, Rage Against The Machine, Strike Anywhere oder irgendeiner anderen Polit-Punk-Band aufgewachsen ist, wird kaum mit oberflächlichen Texten und seelenloser Musik langweilen. Die fünf Jungs unterstützen ihren Missmut über gesellschaftliche Defizite durch wütenden Hardcore-Punk, der kraft- und druckvoll aus den Boxen donnert und mit einem Sänger glänzt, der Gift und Galle spucken kann. Teils vertrackt, teils straight nach vorn, mit ein paar Post-Hardcore-Einsprengseln und einprägsamen Refrain-Shoutings ergibt das ein kurzweiliges Hörvergnügen, das ihr euch nicht entgehen lassen solltet. Als Entscheidungshilfe empfehle ich euch dieses Video hier. Wer sich eine rotzige Mischung aus neueren Bane, frühen Boy Sets Fire, RATM, Gallows und More Than Life gepaart mit der Energie von Refused zur The Shape Of Punk To Come-Phase vorstellen kann, der sollte The Great American Goodbye  unbedingt antesten, zumal man das Ganze dann auch noch als Name Your Price Download bekommen kann. 8/10
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Maskros – “Untold” (DIY)
Wenn man den Bandnamen in der Internetsuchmaschine eingibt, erhält man etliche Ergebnisse zu Hängelampen eines schwedischen Möbelherstellers, also schon einmal gute Voraussetzungen für eine neu gegründete Band, um unerkannt und unauffällig durchs weite Internet zu schweben, haha. Aber eigentlich genügen mir für’s erste die Infos, die mir die Jungs im Anschreibentext mitgeteilt haben. Die Saarbrückener Band Maskros ist erst vor Kurzem gegründet worden und setzt sich aus drei jungen Männern zusammen, Untold  ist daher das erste Release der Band und ist bisher lediglich digital als Name Your Price-Download erhältlich, soll aber in naher Zukunft auch als selbstgebasteltes Tape zu bekommen sein. Das Linolschnitt-Artwork kann ich mir sowohl auf einem Tape als auch auf einer schnuckeligen 7inch vorstellen, das ist wirklich hübsch anzusehen. Aber kommen wir zum Sound: hätte ich die eingangs erwähnten Infos alle nicht vorab bekommen, ich hätte niemals vermutet, dass die Songs in so schneller Zeit entstanden sind. Will heißen, ihr bekommt fünf geile Songs auf die Ohren, die alle im emotionalen Post-Hardcore/Screamo beheimatet sind und die sich textlich mit dem Wahnsinn des alltäglichen Lebens beschäftigen. Wenn ihr Bands wie z.B. We Never Learned To Live oder auch die neue Tidal Sleep zu euren Favoriten zählt, dann könnt ihr ruhig mal in das Debut des Trios reinhören. Die Songs sind super arrangiert und toll produziert, die Aufnahmen haben daher ordentlich wumms und überzeugen mich mit jedem weiteren Durchlauf mehr, gerade das Zusammenspiel von Gitarre und Bass ist sehr schön herausgearbeitet. Ein Blick auf die Infos verrät dann auch, dass das Mastern im kalifornischen Atomic Garden Studio von Jack Shirley erledigt wurde, welcher schon so mancher Band zu einem satten Sound verholfen hat, der aber trotz des kräftigen Klangs noch genügend Wärme in sich trägt. 7,5/10
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Porch Swing – “Reassurance” (Hang In There Records)
Fast hätte ich während des ersten Songs der Debut-EP der fünf Jungs aus Des Moines, Iowa  weggeklickt, deshalb bin ich etwas froh, dass ich es doch durchgehalten habe. Hat man nämlich das meiner Meinung nach etwas zähe Titelstück hinter sich gelassen, bekommt man im darauffolgenden Song Robinson  doch noch große Augen, wenn man z.B. Bands wie Disembarked, Rainmaker oder Shirokuma zu seinen Lieblingen zählt. Zu so ‘nem Sound lässt es sich hervorragend auf der Veranda schaukeln, ob dabei die im EP-Titel angepriesene Beruhigung eintritt, wage ich jedoch zu bezweifeln. Denn die restlichen drei Stücke bieten ebenfalls emotionalen Screamo, der zwar etwas schwach produziert ist, aber durchaus zu gefallen weiß. Die Gitarren sind vom Sound her zwar etwas kratzig, aber die schön gespielten Melodien reißen das wieder raus. Der Sänger kann auch schön heiser schreien, das dreieinhalbminütige Outlines  wartet sogar mit etwas Cleangesang auf. Zu Outlines  könnt ihr hier übrigens auch ein lustiges Video sehen. 6,5/10
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Waves – “If you find yourself in a hole, search for the light.” (DIY)
Sympathisch ging es bei der Anfrage zur Besprechung der Debut-EP der vier Jungs aus Osnabrück schonmal los: man solle sich ja nicht von dem vorläufigen Artwork abschrecken lassen, dieses wird nämlich noch überarbeitet werden, da das Release in absehbarer Zeit auch physisch zu erhalten sein wird. Es wird empfohlen, beim Streamen lieber die Augen zu schließen. Was ich natürlich nicht gemacht habe, wo kämen wir denn da hin, hehe. Komisch ist, dass das hier laut Anschreibentext die Debut EP der Band sein soll, auf der Bandcamp-Seite jedoch eine Akustik-EP aus dem Jahr 2013 zum Name Your Price-Download bereit steht, welche mit einem weitaus unprofessionellerem Artwork ausgestattet ist. Aber wie ihr wollt, hier also die Debut-EP der Band. Ist ja auch egal, kommen wir lieber zur Musik: die ist mir auf Anhieb nämlich genauso sympathisch. Nach einem instrumentalen Intro folgen sieben Songs, die ich im melodischen Emo-Punkrock einordnen würde. Mir kommen die ersten Samiam-Sachen, Reno Kid, Einleben und ein bisschen Sunny Day Real Estate in den Sinn. Schön finde ich v.a. die rauhe Produktion, zudem kann man den Bass ziemlich gut raushören. Die Gitarren schrammeln genüsslich vor sich hin, der Sänger hat ein gutes Händchen für einprägsame Gesangsmelodien und zeitweise wird dann noch mit Doppelgesang gearbeitet, das passt auch super. Mit diesem Sound im Ohr fährt es sich morgens doch um einiges leichter zur Arbeit. Der EP-Titel spricht hier natürlich Bände. 7,5/10
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I Saw Daylight – Cœur Solitaire (DIY/Beyond Hope Records)

Liebe ist…wenn Du völlig cool bleibst, obwohl Deine Liebste Dein zwar mit Löchern übersätes  aber dennoch völlig gut erhaltenes Minor Threat-Shirt zum Haare Färben angezogen hat, weil gerade kein anderes altes T-Shirt greifbar war und das Ding jetzt überall im Nackenbereich Flecken hat, die man sonst nur mit vollgeschissenen Kinderwindeln assoziiert. Liebe ist…wenn die Liebste auf die Befürchtungen, dass man sich von nun an mit diesem Shirt nicht mehr in der Öffentlichkeit zeigen kann, ohne dass sich die Leute angewidert und mit zugehaltener Nase von einem abwenden werden, nur mit diesem klitzekleinen niedlichen Schulterzucken reagiert, das Dir immer so wohlige Schauer über den Rücken jagt und Du ihr aufgrund dieses liebenswerten Verhaltens die T-Shirt-Schändung schlagartig verzeihst.

Liebe ist…teilweise ganz schön kompliziert, und damit meine ich jetzt nicht unbedingt so Kinkerlitzchen, wie in der Einleitung eben erwähnt. Jaja, die Liebe und das Leben, mal geht es bergauf, mal geht es bergab, mal zerreißt es Dich und Du trauerst, liegst nachts wach, zerbrichst an Deinen Erinnerungen. Enttäuschung, Trennungsschmerz, Verzweiflung,  Schlaflosigkeit. Unerfüllte Liebe kann Dich ganz schön aus der Bahn werfen.

Cœur Solitaire,  die zweite EP der Ulmer Post-Hardcore-Band I Saw Daylight hat genau dieses unerschöpfliche Thema zum Inhalt. Die Verzweiflung des einsamen Herzens wird durch die dargebotene Musik jedenfalls sehr intensiv spürbar. Die Gitarren kommen zwar melodisch,  aber dennoch sehr gefühlvoll und melancholisch gespielt rüber, der verzweifelte Schreigesang von Sänger Eugen erscheint mir noch kräftiger als auf der Debut-EP, das in den Texten beschriebene Leiden wirkt dadurch durchaus sehr gefühlsecht, die innere Zerissenheit wird zweifellos perfekt auf den Punkt gebracht. Das tiefe Loch in das man fällt, der Rückzug ins Schneckenhaus, dann das Schöpfen neuer Kraft und doch immer wieder der schmerzhafte Blick in die Vergangenheit. I Saw Daylight nehmen euch quasi auf eine Gefühlsreise mit. Musik als Ventil für die verlorene Liebe hat ja schon viele Liebeskranke therapiert, auf Künstlerseite wie auch auf Hörerseite.

Gerade bei den ersten zwei Songs gibt es absolut nichts zu bemängeln. Der Bass zu Beginn von No Love, I Promise  jagt mir ein Lächeln ins Gesicht, die gespenstisch flirrige zweite Gitarre im Mittelteil kann live bestimmt schon mal die ein oder andere Träne hervorrufen, während das gesprochene Vocal-Sample von Aurelie Börmann für reichlich Gänsehaut sorgt. Danach gleich mit More Than A Thousand Times  der meiner Meinung nach stärkste Song der EP. Die Gitarren sind einfach göttlich, die Gangshouts tragen nicht zu dick auf und fügen sich somit gut in den restlichen Sound ein und Schlagzeugerin Laura sorgt für den nötigen Drive. Wer jetzt denkt, nach diesen zwei Songs sei das Pulver bereits verschossen, der hat sich getäuscht. Die nachfolgenden drei Stücke zeigen ebenso gut, dass hier Menschen am Werk sind, die ihr ganzes Herzblut, ihre volle Leidenschaft und sehr viel Liebe in das stecken, was sie machen. Wer I Saw Daylight schon einmal live gesehen hat, wird an dieser Stelle sicher zustimmend mit dem Kopf nicken.

Apropos Herzblut: für das schöne Artwork der EP ist Gitarristin Jessica verantwortlich. Wir haben die EP leider nur in der Download-Version vorliegen, aber die abgebildeten Zeichnungen wirken in der Vinylversion bestimmt um Längen besser, auch das farbige Vinyl mit gezeichnetem Musteraufdruck ist sicher edel anzusehen. Ein sehr schönes Release.

8/10

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Varan – “Fremde Spiegel” (DIY)

Es ist noch nicht so lange her, da hat uns ein netter Leser eine Band empfohlen, die wir doch dringend mal anchecken sollten. Das wurde natürlich brav erledigt, wir sind ja immer dankbar, wenn wir selbst auch mal was empfohlen bekommen. Nun, damals hatten Varan erst drei Songs auf ihrem Facebook-Profil anzubieten, ein paar Monate später folgt jetzt das Debut der fünf Jungs aus Merseburg. Und das gibt es auf der Bandcamp-Seite sogar als Name Your Price-Download, ein weiterer Grund, die Band einmal ausgiebig anzutesten.

Nun, auf Fremde Spiegel  werden acht Songs in 37 Minuten präsentiert, für das erste Lebenszeichen einer Band ist das, was man zu hören bekommt, bereits ziemlich professionell. Klar, es gibt hier und da noch ein paar Passagen, die kurzweiliger gestaltet hätten werden können, aber im Grunde sind die Songs schön arrangiert und fett produziert, herausragend sind hier v.a. die deutschen Texte, die den Sound der Jungs ein bisschen aus dem Einheitsbrei des Genres hervorheben. Es gibt eben viel zu viele Post-Hardcorebands, die Englische Lyrics haben, während deutschsprachige Bands in diesem Genre eher selten anzutreffen sind. Zudem kotz sich der Sänger schön wütend aus. Daher werden bei Varan sicher Vergleiche zu Bands wie Escapado, Lebensreform, Longing For Tomorrow oder Loxiran gezogen, könnte ich mir vorstellen. Denn die Jungs bewegen sich in ähnlich brachialen Songstrukturen, wobei die fetten Moshparts immer wieder durch leisere Passagen aufgelockert werden, was mir echt gut gefällt.

Gestalterisch hätte ich persönlich das Cover-Artwork etwas anders angepackt, da der Schriftzug plus Albumtitel im Kontrast zu der Kohle-Zeichnung nicht so richtig passen will. Aber das ist ja Geschmacksache. Was mir aber gewaltig auf den Senkel geht, ist das nervige Herzilein-Gedudel am Ende von Sabotage  sowie die seltsamen Radiomitschnitte (?). Keine Ahnung, aber das fällt wohl unter die Rubrik “Tonstudio-Humor”. Vielleicht können die Jungs aber dafür ja gar nichts, weil das von der Person sabotiert wurde, die das ganze gemastert hat? Wie dem auch sei, wenn ihr euch eine Mischung aus Hardcore, Post-Hardcore, Punk und Metalcore zusammen vorstellen könnt, dann solltet ihr den Jungs aus Merseburg ruhig mal eine Chance geben. Mein Anspieltipp, weil man da alles drin hat (brachial/laut/leise): Rigor.

7/10

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We Never Learned To Live & Human Future – “Split EP” (Through Love Records/Holy Roar Records/Moshtache Records)

Die Jungs von We Never Learned To Live hab ich ja, seit ich sie das erste Mal via Bandcamp hörte, ziemlich ins Herz geschlossen. Über die erste EP der Band berichtete ich gleich zwei Mal (!!) auf unserer Seite, wer’s nochmal lesen will oder noch nicht gelesen hat, kann das hier und hier machen, wer die EP noch nicht gehört hat, dem ist irgendwie auch nicht mehr zu helfen, denn die We Never Learned To Live-Releases werden in ein paar Jahren sicher gefragte Sammlerware sein. Wie es auch kommen wird, der erste Kontakt mit We Never Learned To Live fand ausnahmsweise mal nicht live statt: erst die Entdeckung des Tapes und das Disaster mit der Auslandsbestellung, dann die Schicksalsfügung mit dem genialen Vinylrelease, das ich zum Besprechen vom tollen Hamburger DIY-Label Through Love Records zugeschickt bekam. Das muss doch irgendwie alles von einer höheren Macht gesteuert sein, oder? Und das alles passiert, obwohl ich die Band bisher noch nicht live sehen konnte, verrückte Sache. Diese EP hier ist jedenfalls für mich der Beweis, dass We Never Learned To Live auf der Bühne oder dem Floor ebenso heftig intensiv und geil rüberkommen, als ob sie bisher in ihrem Leben nichts anderes gemacht hätten, als leidenschaftlich zu Musizieren und zu Leiden. Denn die beiden Bands, die sich diesen Rohstoff hier teilen, waren im Jahr 2013 ein wenig auf Tour und beschlossen dann jeweils für sich, im Ranch Production House mit Producer Lewis Johns, der schon zahlreiche UK-HC/Punk-Bands produziert hat, je einen Song live einzuspielen und davon ein begleitendes Video aufzunehmen. Das Live Video zu Marionettes von We Never Learned To Live durftet ihr bereits auf unserer Seite bestaunen, das Ding entfaltet eine ganz besondere Magie. Mann, wie schon gesagt, der Song ist die Macht, ich verspüre dringende Lust, die Band endlich mal live erleben zu dürfen. Fünf Minuten und 48 Sekunden haben mir danach nicht gereicht, hab mir daraufhin gleich ein ganzes Liveset der Briten auf Youtube reingezogen, aber ich brauche definitiv mehr. Die Gitarren kommen ebenso melancholisch wie gespenstisch dicht, beim Gesang würde ich mal sagen, dass hier die Texte wirklich intensivst gelebt werden und voller lebendiger, echter Gefühle sind. Die vielen Bands, die ihre Musik mit emotional Hardcore bezeichnen, sollten sich das hier mal anhören oder sich die Mimik des Sängers im Video ansehen. Alleine der Song von We Never Learned To Live ist die Anschaffung dieses Tonträgers wert. Soviel zur A-Seite des Scheibchens.

Die B-Seite gehört dann der ebenfalls aus Großbritannien stammenden Formation Human Future, die musikalisch in eine etwas härtere, aber mindestens genauso intensive Richtung geht. Der Sound kommt ebenso druckvoll rüber, das Schlagzeug am Beginn, die matschigen Gitarren bröseln genauso angepisst wie der pumpende Bass aus den Boxen, bis dann das fiese Gebrüll des Sängers über allem thront. Auch wenn man ein paar nicht so sauber gespielte Passagen ausmacht, macht der Song mächtig Eindruck. Mir gefällt er um Längen  besser, als die zwei Songs der Debut EP Anachronism.  Trotz seiner Spielzeit von über sechs Minuten und des durchgängig gleich bleibenden Tempos wird die Spannung im letzten Drittel des Songs nochmals angehoben, was v.a. am kraftvollen Schlagzeugspiel des Drummers liegt. Die zweite Gitarre flirrt manchmal ganz nett, während die erste fett am Moshen ist, auch die gespenstischen Keyboards im Hintergrund passen sich gut in den Gesamtsound ein.  Das Video zum Song ist allerdings nicht so gelungen, wie das der Split-Kollegen, aber man bekommt auch ein gutes Bild davon, wie massiv die Band wohl auf der Bühne ihren Batzen ins Publikum schleudern kann. Ach ja, das Artwork ist ebenfalls grandios hübsch anzusehen.

8,5/10

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LP-Vierer: Back & Forth, Hurricäde, Monument & My Iron Lung

Back & Forth – “Selftitled” (DIY)
Hey Emo-Punx, aufgepasst. Hier kommt heißer Punkrock-Shit mit einer fetten Emokante aus Québec/Kanada, der euch live sicher eure gestylten Iros aus der Form und eure Ritzen zum Schwitzen bringen wird. Auf Konserve angehört verspüre ich auf Anhieb Lust, meine Faust in die Höhe zu strecken und wild pogend (natürlich mit ‘nem Bier in der Hand) durch den Mob zu rasen. Back & Forth existiert seit Ende 2010 und die vier Typen hauen uns auf ihrem Debutalbum sieben Songs vor den Latz, denen man die Spielfreude, die die Jungs sicherlich im Proberaum haben, förmlich anhören kann. Zwei der sieben Songs waren zwar schon auf der 2012-er EP enthalten, aber die neu eingespielten Versionen haben irgendwie mehr Dampf im Hintern. Mann, sind die Gitarren und der Bass geil, der Schweiß des Schlagzeugers spritzt live bestimmt meterweit und der Sänger klingt so, als ob er ‘ne Tüte Reißnägel gefressen hätte. Wenn man etwas kritisieren könnte, dann höchstens, dass beim Gesang etwas mehr Abwechslung geboten werden könnte. Gerade, wenn man sich das Album zuhause anhört, wird so ein Gegröhle doch schnell mal eintönig, aber das ist Geschmacksache, zumal die zuckersüßen Gitarren das wieder wettmachen (der Anfang von Sleep Sleep z.B.). Nun, jeder der mit einer Mischung aus alten Samiam, Jawbreaker, Hot Water Music oder Small Brown Bike warm werden könnte, sollte definitiv mal reinhören. 8/10
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Hurricäde – “Anachronisms” (Caleiah Records)
Die spanische Band Hurricäde dürfte dem ein oder anderen von euch sicherlich schon unter die Ohren gekommen sein, die Band existiert ja mittlerweile auch schon seit 2007 und hat bereits zwei 10inches draußen, hier gibt’s z.B. ein Review zur 2011er EP. Nun fetzt das Trio also mit Anachronisms  ein Debutalbum raus, das auf ganzer Linie überzeugen kann und das bisherige Zeug der Band locker in den Schatten stellt.  Klang der Sound auf der letzten EP zwar kräftig, aber ein wenig dünn abgemischt, so hat man diesmal eine verdammt fette Produktion im Rücken. Der Bass poltert knarzig vor sich hin (hört euch nur mal das basslastige The Wires  an), die Gitarren kommen messerscharf, der Schlagzeuger hat alle Rhythmen drauf, das reicht vom leisen Drum-Rand-Geklicke bis zum kraftvollen, vertrackten Gedresche. Ist live sicherlich die Macht. Und natürlich ist es von großem Vorteil, wenn man einen Sänger hat, dem seine Stimmbänder wurscht sind. Was ganz gut kommt, sind die teils mehrstimmigen Schreiparts. Um es kurz zu machen: wer sich eine screamolastige und explosiv-rockige Mischung aus brachialeren Refused, Dominic, alten Helmet,  alten Billy Talent und dissonanten At The Drive-In vorstellen kann, der wird Anachronisms  ziemlich schnell ins Herz schließen. Und das Albumartwork kommt mir auch irgendwie bekannt vor, irgendwo hab ich so was Ähnliches doch schon mal gesehen, hehe. 8/10
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Monument – “Bros Canoeing” (DIY)
Nach knapp einem Jahrzehnt Bestehenszeit verabschieden sich Monument aus Washington DC mit ihrem zweiten und letzten Album, das sie diesmal in Eigenregie veröffentlicht haben. Irgendwie schade, dass Monument hierzulande nicht bekannter wurden, meines Wissens hatten die Jungs aber auch außer einer US-Tour nur vereinzelte Auftritte rund um Washington. Wie dem auch sei, ich empfehle euch dringend, neben dem neuen Album auch die bisherigen Sachen der Band anzutesten. Klangen die Veröffentlichungen bis dato eher noch ein wenig ungeschliffener und krachiger, so wurde auf dem Abschiedsalbum das Optimale aus den Songs rausgeholt. Von der Produktion her gibt es absolut nichts zu meckern, v.a. der Gesang kommt viel klarer als früher rüber, in den leisen Passagen sind auch schon mal Streicher zu vernehmen und die Gitarren zaubern in bester Midwest-Emo-Tradition astreine Melodien hervor, die sich nach ein paar Durchläufen unweigerlich in Deine Hörgänge bohren werden. Die Songs faszinieren immer wieder mit mehrstimmigen Gesang, das sorgt für reichlich Catchyness. Wer auf 90er-Midwest-Emo abfährt, wird mit Monument glücklich werden. Stellt euch eine liebevolle Mischung aus Mid Carson July, The Jazz June, SDRE, American Football, Braid und Algernon Cadwallader vor und ihr habt ungefähr den Sound, mit dem sich Monument leider auch schon wieder von euch verabschieden. 8/10
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My Iron Lung – “Relief” (Pure Noise Records)
Wenn ihr nach einer Band sucht, die von den Gitarren her ziemlich nach dem Posthardcore-Sound um die Jahrtausendwende klingt, diesen noch mit ein paar delayartigen Schnick-Schnack-Riffs aufmotzt und daneben ganz leichtfüßig ein paar Elemente mit einbaut, wie man sie in der Flutwelle der aktuellen Screamo/Posthardcore Bands  häufig findet, dann seid ihr bei My Iron Lung aus Kalifornien genau richtig.  Ich würde den Sound der Jungs mal so beschreiben: At The Drive-In und Thursday treffen auf More Than Life, Touché Amore, Saddest Landscape, Defeater, State Faults oder La Dispute und streuen noch ein wenig Explosions In The Sky und Dredg mit bei. Witzigerweise war ich anfangs sehr skeptisch und klickte sogar ein paar mal genervt weg, bevor ich den Songs nochmals eine Chance gab. Und siehe da: erst blieb ich bei ein paar der Songs kleben und danach folgten die restlichen Stücke dann so peu à peu. Das Debutalbum der Kalifornier hat mich nach diesen Anlaufschwierigkeiten, die zumindest bei mir ziemlich viel mit Übersättigung zu tun haben, trotzdem letztendlich gepackt. Ich kann das Album allen empfehlen, die mit irgendeiner der oben erwähnten Bands was anfangen können. 8/10
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EP-Vierer: Forgotten Generation, Frontier(s), Guest House & Téveszme

Forgotten Generation – “Move On” (Deadbeat Records)
Ich glaub, mich knutscht ein Hobbit…Forgotten Generation kommen aus Auckland/Neuseeland und schmettern euch auf dieser EP hier vier schöne Songs um die Ohren, die irgendwo im melodischen Jahrtausendwenden-Emocore beheimatet sind. Mir kommen spontan so Bands wie Thursday, At The Drive-In, Hot Water Music oder Thrice in den Sinn, die Band selbst bringt als Einflüsse so Sachen wie Millencollin, NOFX oder Paper Arms an, was man irgendwie auch raushört. Jedenfalls merkt man dem Sound des Quintetts den Punkrock-Background gewaltig an, auch die kantige Produktion findet man in der heutigen Zeit bei dieser Musikrichtung eher seltener. Ich empfehle euch dringendst, den Song Why Can’t You Breathe  auf eurem nächstes Mixtape zu verewigen, was für geile Gitarren, was für ein explosiver Bombensong! An eurer Stelle würde ich keine Sekunde zögern und mir das Ding rucki zucki als Name Your Price-Download auf die Festplatte zippen, auf geht’s. 8/10
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Frontier(s) – “White Lights” (Tiny Engines)
Kleine Vorgeschichte: um die Jahrtausendwende herum war ich voll auf dem Elliott-Trip. Meine damaligen Konzertbuddies, die sich bei jedem Moshgewitter ‘nen Fahrplatz in meinem alten Opel zeckten, rümpften angewidert ihre Näschen, als ich sie fragte, ob sie mit zu Elliott gehen würden. Emo? Weichspülerscheiße, nichts für harte Jungs. Nun denn, für mich und meine Frau bedeutete das zwar letztendlich, dass die Trips aufgrund des Spritkohle-Ausfalls etwas teurer waren, jedoch gelangten wir endlich mal ohne permanenten Furzgestank in der Nase an den Ort des Geschehens, und das gleich mehrmals über die Jahre hinweg. Zwei Auftritte der Band sind mir bis heute im Hirn eingebrannt, zum einen war da der intensive Gig auf der False Cathedrals-Tour in Schorndorf im Juze Hammerschlag, zum anderen die emotionale Abschiedsshow in Rorschach im schnuckeligen Hafenbuffet  mit Blick auf den Bodensee. Warum ich euch mit dieser ollen Kamelle behellige? Nun, bei Frontier(s) singt die Stimme, die auch schon bei Elliott, Falling Forward oder Endpoint für den ein oder anderen Gänsehauteffekt sorgte. Neben Chris Higdon wirkt bei Frontier(s) Matt Wieder mit, den man als Gitarristen  von den nicht ganz unbekannten Kapellen Guilt, Mouthpiece oder Enkindel her kennt, aber das werden die meisten von euch ja eh wissen. Nach dem Debut There Will Be No Miracles Here  im Jahr 2010  erfolgte ein Drummerwechsel, was aber im direkten Vergleich zum Debut fast nicht auffällt. Was jedoch auffällt, ist der satte Sound, der irgendwie besser produziert aus den Boxen wabert. Frontier(s) bleiben dem Stil treu,  mit dem sie auf There Will Be No Miracles Here  begonnen haben. Will heißen, dass ihr auf White Lights  fünf astreine Emo-Kracher geboten bekommt, die mehr an frühe Elliott zur US Songs-Phase angelehnt sind und sogar ein bisschen an sehr rockige Falling Forward oder The Enkindels erinnern. Bei mir brauchten die fünf Songs zwar einige Durchläufe, bis es “klick” machte, aber seither läuft das Ding bei mir auf heavy Rotation. Herausragend ist neben dem durchdachten Songwriting zum einen die gefühlvolle Gitarrenarbeit und zum anderen der unverwechselbare und kräftige Gesang von Chris Higdon. Nach dem eher fröhlichen Opener Higher Hills  und der flotten Emopunk-Hymne 33/3  kommt beim midtempolastigen Our March  erstmals dieses Gänsehautfeeling auf, das ich auch schon bei Elliott zu schätzen wußte. Insgesamt gefallen mir diese fünf Songs um einiges besser als die Songs auf der There Will Be No Miracles Here  und eines ist eh klar: sollten Frontier(s) in unseren Breitengraden touren, werde ich sie mir natürlich anschauen. 9/10
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Guest House – “I’ll Get Over it I Guess” (DIY)
Beim Betrachten des Cover-Artworks hätte ich eigentlich eher so ganz schön traurigen Screamo erwartet, aber was da aus den Boxen klimpert, das geht eher in eine fröhlichere Richtung, auch wenn so eine gewisse Traurigkeit in den Songs und in den Texten mitschwingt. Das Quartett aus Connecticut existiert übrigens erst seit kurzem, mit diesen vier Songs sagen uns die Jungs also erstmals “Hallo”. Für erste Aufnahmen klingt das alles schon recht ausgeklügelt, die Gitarren flirren, twinkle twinkle, ick hör Dir trapsen. Da kommt einem natürlich gleich so Zeugs wie Algernon Cadwallader in den Sinn, die sicherlich für den Sound von Guest House genauso Pate gestanden haben, wie z.B. die Get Up Kids oder The Anniversary. Meine Empfehlung lautet deshalb: Holt euch die EP zum Name Your Price-Download, überspielt das ganze auf Tape, schnappt euch euern Ghettoblaster, ‘nen Sixpack und ‘ne Badehose und düst an den nächstgelegenen Baggersee.  7/10
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Téveszme – “Akinek minden a vállán nyugszik, nem nyugszik senki vállán” (DIY)
In Ungarns HC/Punk/Metal-Szene lohnt es sich immer mal wieder, ein bisschen zu stöbern, v.a. wenn man auf Bands wie Newborn oder Bridge To Solace steht, wird man immer wieder mal fast zwangsläufig auf Bands stoßen, die in eine ähnliche Richtung gehen. Auch die Band Téveszme, deren Wurzeln bis ins Jahr 2003 zurück reichen, macht diesen typischen Sound, den man schon bei den eben genannten Bands zu schätzen wusste. Das Quintett wütet sich auf der EP mit dem für uns deutschsprachig aufgewachsenen Menschen schwer nachvollziehbaren und unaussprechlichen EP-Titel Akinek minden a vállán nyugszik, nem nyugszik senki vállán  durch vier hochmelodische Songs, die jeden Fan der bereits erwähnten Bands mit Sicherheit begeistern können. Téveszme scheren sich zumindest sprachlich einen Dreck um Internationalität und singen daher in ihrer Landessprache. Mir gefällt das echt gut, obwohl ich wirklich kein Wort verstehen kann. Irgendwie schaffen es die Jungs, eine Brücke zwischen Modern Hardcore im Stil von Defeater und Melodic Oldschool Hardcore á la Ignite zu bauen und dabei noch ein paar Metalcore-Elemente zu bringen, wie sie auch bei Acts wie den frühen Stretch Arm Strong oder Saving Throw von allen geliebt wurden. 7/10
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