The Tourist – “Love Will Find You” (Fleet Union / White Russian Records)

So langsam wird das Gehirn löchrig. Ich war mir eigentlich ziemlich sicher, dass mir The Tourist aus Düsseldorf schon mal irgendwann live über den Weg gelaufen sind, aber je mehr die graue Masse im Oberstübchen angestrengt wird, kommen immer größere Zweifel,  irgendwie kann ich mich da auch täuschen. Naja, die Band wurde bereits im Jahr 2008 gegründet, sein kann das dann irgendwie schon, ist ja für ‘ne Band heutzutage eher eine lange Bestehenszeit.  Jedenfalls besitze ich aus irgendeinem nicht mehr nachvollziehbaren Grund das Debut-Album We Live, We Doubt, We Scream, We Shout  der Band, welches damals auf midsummer records erschien. Mit “nicht nachvollziehbar” will ich aber jetzt nicht ausdrücken, dass ich mich darüber wundere, dass dieses Album “ungewollt” Teil meiner Sammlung wurde, denn We Live, We Doubt, We Scream, We Shout  klingt auch vier Jahre nach Erscheinen noch frisch, das hab ich bei der Vorbereitung zu diesem Review hier festgestellt. Verrückt, dass ich überhaupt nicht mehr weiß, wo ich dieses Album her habe. In Zukunft werd ich auf Nummer sicher gehen und  Informationen und Gedanken auf kleine post-its schreiben, die ich irgendwo draufklebe, wo sie nicht verloren gehen können. Gute Idee!

Die oben angeführten Gedanken schwirrten neulich ziemlich wild in meinem Gehirn rum, weil mir im digitalen Posteingang zwischen den ganzen unpersönlichen 0815-Standard-Anfragen eine sympathisch formulierte und persönlich ansprechende Mail aus dem Hause Fleet Union besonders ins Auge stach, zudem kann man mich mit Referenzen á la Poison The Well, Brand New und Fear Before The March of Flames echt mal ködern. Kleine Interessensbekundung meinerseits und eine email-Konversation später trudelte auch schon ein paar Tage danach die LP per Post ein. Wow. Das surreale Fatamorgana-Albumartwork selbst gefällt mir jetzt nicht so, dafür kann mich aber der musikalische Inhalt voll und ganz überzeugen.

Die Band The Tourist hatte in ihrer Bestehenszeit einige Schwierigkeiten zu meistern, diverse Besetzungswechsel machten den Jungs besonders Ärger, so ist auf jeder bisherigen Veröffentlichung eine andere Besetzung zu hören. Glaubt man den Ausführungen des Labels, dann ist diese schwere Phase aber längst vergessen. Mit Gaston, Bob und Jonas sind nun drei Leute in der Band, die es verdammt ernst mit dem meinen, was sie machen. Und das kann man hören. Im Vergleich zu We Live, We Doubt, We Scream, We Shout fällt Love Will Find You fast schon poppig aus, aber diese poppige Emocore-Kante steht The Tourist ganz gut zu Gesicht, die von der Band gewohnten Hardcore-Tunes scheinen ja auch immer noch durch. Beim Opener A Toast To Go  bricht z.B. erstmal ein kleiner Wüstensandsturm mit fetten Moshparts über den Hörer herein. Hier wird mit vertrackten Breaks und gescreamten Vocals gestartet, bevor es in einen leisen, melodischen Part mit Cleangesang und pumpendem Bass übergeht und man sich fast schon unbemerkt im nächsten Stück (Patience)  wiederfindet. Und spätestens beim vierten Stück (Into Sleep)  bin ich ganz schön verblüfft, denn hier weicht das Trio erstmals vom bisher bekannten Pfad ab und zeigt eindrucksvoll, dass auch mit leisen Tönen umgegangen werden kann. Fast schon hymnenhaft erinnert das Stück an die ruhigeren Momente auf der The Shape Of Punk To Come-Scheibe von Refused, auch höre ich ein wenig Sunny Day Real Estate raus. Im Verlauf der Platte findet man neben vielen wütenden Ausbrüchen etliche leisere Töne, experimentelles Zeug sorgt ebenso für reichlich Abwechslung, wie die von Zeit zu Zeit auftauchenden und verspielten midwest-emo-Gitarren. Auch in den Texten wird ein roter Faden verfolgt. Irrungen und Wirrungen, Liebe und Hass, richtig oder falsch. Im Verlauf des Albums wird sich zeigen, ob die Liebe Dich letztendlich finden wird.

Mit einer Spielzeit von fast 47 Minuten und insgesamt 12 Stücken wirkt die Platte auf den ersten Blick ein wenig überladen, trotzdem verliert man sich in den Stücken und wird sogar teilweise hypnotisiert, wie z.B. bei To Give And To Keep. Das Album strahlt auf ganzer Linie deutliche Selbstsicherheit aus, einzig das Stück Heaven  nervte mich persönlich anfangs ein wenig aufgrund des Billy Talent-mäßigen Chors, aber nach ein paar Hördurchläufen gewöhnt man sich dann doch daran. Diese Platte hätte um die Jahrtausendwende herum einen regelrechten Begeisterungssturm ausgelöst, als Bands wie Thrice, Boy Sets Fire, Poison The Well, Thursday oder Recover die Szene aufmischten. Stellt euch vor, dass die eben genannten Bands zusätzlich noch Elemente verarbeiten, die man von Kapellen wie z.B. Blackmail, Favez, Knapsack oder Texas Is The Reason her kennt, dann habt ihr eine ungefähre Vorstellung, wie dieses sagenhafte Album klingen mag. Love Will Find You  ist einfach eine schöne Emo-Platte, die man sich nicht durch die Lappen gehen lassen sollte. Ach ja, das Album erscheint ausschließlich auf limitierter Vinyl-LP inklusive Downloadcode, ein Digital-Download ist aber ebenfalls verfügbar.

8,5/10

Facebook / Bandcamp / Stream / Fleet Union



Somewhere Underwater – “Selftitled” 7inch (AdP Records)

Dieses leckere Scheibchen hier erscheint im Rahmen des Record Store Day, welcher wohl auch schon bald wieder ansteht. Naja, Record Store Day hin oder her: Somewhere Underwater machen absolut bezaubernden Dreampop/Shoegaze-Indie mit ein paar New Wave- und Synth-Pop-Einflüssen, zudem erinnert der warme Sound ein wenig an Emobands wie z.B. The Juliana Theory, The Gloria Record, Jejune oder Sunny Day Real Estate zur The Rising Tide-Phase. Für das Label AdP Records ist die 7inch die erste Veröffentlichung auf Vinyl. Rein optisch weiß das auf dicken Karton gedruckte Coverartwork zu gefallen, ein wenig schade finde ich, dass kein Textblatt beiliegt, dafür gibt es einen Downloadcode, der neben den zwei auf weißem Vinyl gepressten Songs noch ein weiteres Stück als Bonus beeinhaltet.

Das Presseinfo verrät, dass es sich bei der ziemlichen neuen Formation Somewhere Underwater eigentlich um eine Art One-Man-Band handelt. Der aus der Umgebung von Bordeaux stammende Julian Agot lebt mittlerweile in München (was ein Kulturschock, hehe) und ist neben dem Songwriting auch für den Gesang und die Gitarre zuständig, live und im Studio wird der Franzose aber durch Gastmusiker begleitet. Vor Somewhere Underwater spielte Julian Agot in Frankreich in einigen Rockbands Schlagzeug, zudem bewegte er sich mit seinem Projekt Drownsoda bereits auf Solopfaden.

Nun, legt man die weiße Scheiblette auf den Plattenspieler, bemerkt man ziemlich bald, dass man mit 33 1/3 rpm die falsche Geschwindigkeit erwischt hat, mit 45rpm hört sich das Ganze doch gleich viel angenehmer an. Gerade die A-Seite hat es mir angetan, zu dem Ohrwurm Spring Kills My Energy  gibt es auch ein tolles Skatevideo, siehe weiter unten. Die flächigen , manchmal delay-artigen Gitarren und der warme Gesang Julian Agots sind einfach spitze. Auf der B-Seite folgt dann mit Disparaître ein französischsprachiges Stück, das mit den Keyboardsounds anfangs ein wenig schnulzig nach 80′s Synthpop klingt, aber spätestens beim Refrain wird es wieder besser. Der Download-Bonussong ist dann wieder in Englisch und verzückt mit diesen typisch wabernden Shoegazer-Gitarren, darüber spielt die zweite Gitarre eine tolle Melodie. Hätte ich entscheiden können, welchen Song ich für die B-Seite hätte nehmen können, dann hätte ich mich für Weight Of Life  anstelle von Disparaître genommen.

7/10

Facebook / Soundcloud




Zaga Zaga – “2 Songs Demo + 4 Songs EP = Zaga Zaga 7 inch” (lifeisafunnything)

Vergleicht man den Sound der Band aus Tel Aviv/Israel mit den bisherigen Releases des Labels, fällt einem sofort auf, dass Zaga Zaga zwar bereits die zweite Band aus Israel, aber bis dato die zappeligste Band auf lifeisafunnything ist. Die Jungs selbst bezeichnen ihren Sound grob als Post-Hardcore, jedoch könnte man durch diese Umschreibung etwas in die Irre geführt werden. Die Presseinfo bringt es da schon besser auf den Punkt, ich zitiere: “…und ich kann mich nicht entscheiden, ob das bissl danach klingt, dass Black Flag Songs von NoMeansNo interpretieren oder doch so, als ob NoMeansNo alte Black Flag Songs sich zu eigen machen…”. Das ist absolut schön und zutreffend beschrieben so, finde ich. Zumindest gehen die fünf eigenen Songs und das Charles Bronson-Cover schon grob in Richtung Hardcore, allerdings packen die vier Jungs die Sache mit einer ordentlichen Portion Noise an, zudem ist das Ganze wie gesagt sehr frickelig, hektisch, knüppelig und chaotisch, meistens wird enorm auf’s Gaspedal gedrückt, so dass nur bei einem einzigen Stück die zwei-Minuten-Song-Marke überschritten wird. Aber trotzdem passiert in einem Song ungemein viel: zahlreiche Songfragmente, unterschiedliche Geschwindigkeiten, dazu geile melodische Midtempo-Parts wie bei (I Just Called To Say) I Hate Your Band  und vier verschiedene Sänger, die abwechselnd ins Mikro schreien oder kreischen. Live stelle ich mir Zaga Zaga ziemlich durchgeknallt vor, das geht bestimmt ordentlich ab da. Von der Energie her könnte das in die Richtung von kleinen Kindern gehen, die nach dem Verzehr von etlichen randgefüllten Gläsern mit koffeinhaltiger Kapitalistenbrause furchtbar am Rad drehen. Ende März bis Mitte April tourt die Band übrigens (mit der mexikanischen Band Joliette) durch Europa, vielleicht hat ja irgendwer die Gelegenheit, sich das anzuschauen. Da muss man nach dem Hörgenuss wahrscheinlich direkt zum Chiropraktiker, um sich die Halswirbel wieder einrenken zu lassen. Also nichts wie hin, der gelbe Schein für ‘ne ganze Arbeitswoche dürfte da schon drin sein.

Die Mucke kurz beschrieben: ein wenig Spazz da, ein bisschen Do Androids Dream of Electric Sheep?, The Locust und Das Oath dort, dann wieder so Passagen, die man auch auf den allerersten Boy Sets Fire-Demos hätte finden können, nicht zu vergessen die oben erwähnten Black Flag und NoMeansNo. Letztere konnte man Ende der Achtziger und Anfang der Neunziger gefühlt fast jedes halbe Jahr in Deutschland sehen und ich war jedes Mal begeistert, obwohl mich die Platten zuhause in der Anlage nie so richtig vom Hocker gerissen haben im Vergleich zu den live-Shows. Bei Zaga Zaga ist das sicher auch so, dass mich der Sound live mehr beeindrucken kann, als auf Konserve. Gerade deshalb würde ich Zaga Zaga echt mal gerne live sehen (alle Stuttgarter können ja am 04.04. nach Esslingen ins  Komma).  Es gibt Tage, da kann ich mir so ‘nen Sound schon zum Frühstück reinziehen wie eine nikotinsüchtige Person eine zittrig gedrehte Zigarette. Nach einer Zigarettenlänge ist man dann aber schon wieder befriedigt, könnte ich mir als Nichtraucher mal so vorstellen. Die Spielzeit von insgesamt knapp siebeneinhalb Minuten find ich bei diesem Musikstil sehr angenehm. Kurz, knackig, auf den Punkt.

Auch wenn die 7inch rein äußerlich eher unscheinbar wirkt,  finde ich das Artwork insgesamt trotzdem sehr stylisch, zudem wird durch diesen neutralen Look eine gewisse Geheimniskrämerei betrieben. Gut finde ich auch, dass sich Marcus mit den Labelveröffentlichungen keinen Kopf macht und einfach das rauspfeffert, was ihm persönlich zusagt. Neben lifeisafunnything sind an dem Release noch die israelischen Labels KusKus Records und Shalosh Kult beteiligt. Und nun gilt: Zappeln was das Zeug hält.

7/10

Facebook / Bandcamp / lifeisafunnything


We Had A Deal – “Counting Leaves” (Fear Of Heights/Through Love Records)

Die aus dem Stuttgarter Großraum stammende Band We Had A Deal verfolge ich nun schon seit ein paar Jahren aufmerksam, die erste EP klang vom Sound her zwar noch ein wenig krachig und noch nicht so ausgereift, aber spätestens seit Erscheinen des Debutalbums gehörte das der Vergangenheit an.  Und seit der Three Songs-EP hat sich We Had A Deal sowieso in mein Herz gespielt, danach veröffentlichte die Band mit dem sagenhaften Dialectics  ein Konzept-Album der Extraklasse (das ich dummerweise nur in der Tapeversion besitze, waaaaahhhrrghhh) und die hervorragende Split 7inch mit Coma Regalia. Entsprechend gespannt war ich also, als ich über die Facebook-Seite der Band von neuen Aktivitäten erfuhr. Schon bei den bisherigen Veröffentlichungen gefiel mir der starke DIY-Ethos, der von der Band und den Releases ausging, darüber hinaus zählen für mich We Had A Deal spätestens seit dem Album Dialectics  neben The Tidal Sleep zur absoluten Speerspitze in Sachen Screamo/HC/Post-HC aus Deutschland.

Bereits vor zwei Wochen präsentierte der liebe Alex von MissTheStars die Counting Leaves-EP exklusiv im Stream, via Bandcamp könnt ihr das Ding seit einigen Tagen auch digital erwerben. Da das physische Release aufgrund von Verzögerungen in der Siebdruckwerkstatt noch etwas auf sich warten lässt, erfolgt dieses Review hier lediglich anhand der Download-Version, die uns freundlicherweise durch Fear Of Heights übermittelt wurde. Rein nach den Fotos auf der Facebook-Seite der Band zu urteilen, wird die EP in Vinylform fantastisch anzusehen sein. Die Platte kommt laut Presseinfo in zweifarbiger Siebdruck-Hülle, einseitig gepresst und mit einem wundervollen Artwork besiebdruckter Vinyl-B-Seite, natürlich ist ein massives Booklet mit drin. Wenn da dem detailverliebten DIY-Vinylfetischisten nicht buchstäblich das Wasser im Mund zusammenläuft, dann weiß ich auch nicht mehr weiter. Vermutlich würde das Review hier um einiges länger ausfallen, wenn mir die physische Version vorliegen würde. In Deutschland wird die Platte über Fear Of Heights und Through Love Records erhältlich sein, mit diesen Labels sind weltweit insgesamt ganze zwölf Labels an dem Release beteiligt: Skin & Bones Records (GBR), Boslevan Records (GBR), Middle-Man Records (USA), Unlock Yourself Records (RUS), Aorte (UKR), Upwind productions & zine. (ITA), Shove (ITA), Lafine (ITA), Désertion (FRA), Pure Heart Records (CZR). Geile Sache.

Counting Leaves  ist übrigens die zweite Station einer konzeptuellen EP-Trilogie, die letztes Jahr mit  der  Split 7inch mit der US-Screamo-Band Coma Regalia ihren Anfang genommen hat. Insgesamt sind auf der EP sieben Stücke drauf, die Spielzeit beträgt knapp 20 Minuten. Bei Konzeptalben achte ich zuerst immer besonders skeptisch auf die Texte, aber wie zu erwarten war, ist auch bei dieser EP alles im positiven Bereich. Vornehmlich wird die Entwurzelung des Menschen in der modernen Welt behandelt. Was ich klasse an den Texten finde: hier wird nicht nur alles negativ dargestellt. Augenzwinkernder “positiver Pessimismus” (das in Anführungszeichen hab ich aus dem Presseinfo geklaut) schwingt zwischen den Zeilen mit.

Der Sound wühlt gleich beim ersten Durchlauf richtig auf, man kann die Liebe und das Herzblut der Band förmlich in jedem Ton spüren, der einem ans Ohr kommt.  Ich stelle mir ja anhand der Musik einer Band gerne den Ablauf einer Bandprobe vor. Während bei anderen Bands der Songablauf fast totgeredet wird und man das am Ergebnis auch irgendwie heraushören kann, weil einfach die Wärme flöten gegangen ist, sind solche Diskussionen bei We Had A Deal sicher nicht notwendig. Das denk ich einfach mal so, weil es mir so vorkommt, als ob die Band hundertprozentig aufeinander abgestimmt ist und genau spürt, wie das Resultat klingen sollte. Und weil sie eben mit Haut und Haaren bei der Sache sind, spürt man das halt auch als Hörer. Ohne Frage, an den  Songarrangements wurde sicherlich viel gefeilt und gehobelt, aber die Grundstimmung der sieben Stücke zeigt mir vor meinem inneren Auge vier Typen, die nach einer Bandprobe mit strahlenden und zufrieden grinsenden Gesichtern aus dem Proberaum herauskommen. Ich versetze mich mal in die einzelnen Bandmitglieder rein:  wenn ich als Gitarrist neben absolut geilen, flächigen delay-Gitarren auch noch melodische und crustige Parts einsprengseln könnte, dann wär das ja ohnehin schon mal genial. Umso besser, wenn ich dazu auch noch fette Moshparts abliefern könnte (z.B. bei I don’t Keep A Diary,  bei welchem die Anfangstöne verdammt an Dag Nasty erinnern) und die Gitarren an manchen Stellen so klingen wie auf dem A Shape Of Punk To Come-Album von Refused. Als Bassist würde mir der verträumte Part bei Reprise  ein fettes Grinsen in die Fresse zaubern, weil man da auch endlich mal den Bass richtig gut raushören kann. Wenn ich Schlagzeug spielen könnte, dann würd ich auf das facettenreiche Drumming bei Let’s Hope Galileo Was A Goddamn Liar  ziemlich stolz sein, der Rest würde ohne mein Zutun auch nicht so druckvoll klingen. Als Sänger hat man natürlich einen enorm wichtigen Posten, daher  wäre ich über die derb geschrienen Vocals genauso zufrieden, wie über die genial gesungenen Lyrics bei Reprise.  Und der mehrstimmige Gangshout bei The Secret Society Of Concrete Shoes  jagt einem dann endgültig nochmal eine fette Gänsehaut über den Rücken. Alles zusammengeschmissen ergibt ein intensives und vor allem emotionsgeladenes Stück Musik, an dem ich mich nicht so schnell satt hören werde. Das Ding läuft bei mir seit Tagen ohne Abnutzungserscheinungen und nach jedem Hördurchlauf fühlt man sich beim erneuten Klick auf Repeat wieder genauso frisch, als ob man auf dem nächtlichen Nachhauseweg von Außerirdischen gekidnappt wurde und nach einigen Untersuchungen im Raumschiff einfach im Bett abgelegt wurde und sich am nächsten Tag an rein gar nichts mehr erinnern kann. We Had A Deal mischen die europäische  Post-Hardcore/Screamo-Szene mit dieser EP erneut ordentlich auf. Ich zück jetzt einfach mal den Zehner, auch wenn ich die Vinylversion in echt noch nicht gesehen habe.

10/10

Facebook / Bandcamp / Fear Of Heights / Through Love Rec


 

Sabotage Records-Special: Ritual Control, Suicidas, Systematik

Ritual Control – “Inoculation” 7inch (Sabotagerecords)
Schon die göttliche schwarz-weiss Siebdruck-Optik der 7inch, welche von einem stabilen und dicken Karton herab ins Auge springt, lässt keinen Zweifel zu: Ritual Control sind tief im düsteren Hardcore verwurzelt. Legt man dann das klitzekleine Scheibchen auf den Plattenspieler, dann vergewissert man sich lieber nochmal kurz, ob man tatsächlich die richtige Abspielgeschwindigkeit (45 rpm) erwischt hat. Denn der Sound wabert mächtig, dreckig, schnell und extrem angepisst aus den Boxen. Die Sängerin setzt dem Ganzen Outburst mit ihrem Gekeife natürlich noch ‘ne ordentliche Portion Wut oben drauf. Rohe Energie trifft auf rasiermesserscharfe Gitarren, rasend schnelle Abgehparts wechseln sich mit crustigen Soundattacken, dabei knarzt der Bass unendlich dreckig aus den Lautsprechern, ein enormes Massaker. Die vier Songs sind richtig fett abgemischt, ein kleiner Blick auf’s Backcover offenbart, dass für’s Mastering mal wieder Tausendsassa Jack Shirley (Atomic Garden) verantwortlich ist. Gut abgeliefert. Ritual Control setzt sich übrigens aus Mitgliedern der Bands No Statik, Condition und Effluxus zusammen, falls das jemandem von euch etwas sagen sollte.  Wer weitere Bandvergleiche braucht: Infest, Punch, The Pricks, Replica, Infect. Bisher hatte ich die Band aus den Staaten noch nicht auf dem Schirm, aber dank dem Bremener DIY-Label Sabotage Records werden hierzulande Freunde von gut gemachtem und schnellen HC-Punk mit der 7inch ihre wahre Freude haben. 8/10
Bandcamp / Stream / Sabotage records


Suicidas – “Los Primeros 7inches” (Sabotage records)
Woooaaahhh, warum klatsch ich bei einem Song wie Hoy No  wie ein Irrer in die Hände? Verdammt, ich bin nicht mal auf ‘nem Konzert und wenn jetzt jemand den Raum betreten und mich vor’m Plattenspieler so abgehen sehen würde, dann müsste ich fast vor Scham im Boden versinken…Nun ja, der rohe, aber dennoch melodische Punk des Trios aus Barcelona,Wien und Chile hat mich nach mehreren Durchläufen fest im Griff. Zum einen sind da die hymnischen Refrains, zum anderen verzücken mich die göttlichen Gitarren und wenn dann noch der Bass im Hintergrund fröhlich vor sich hingaloppiert, dann fehlt nur noch die Stimme von Sängerin Caro, die dem Ganzen den letzten Schliff gibt. Was auch für reichlich Abwechslung sorgt: der geniale Frauengesang wird ab und an durch die abgefuckte Punkerschnauze von Bassist Tete unterstützt, zudem wird in Spanisch gesungen. Songs wie das bereits erwähnte Hoy No  oder das geniale La Amistad Ya No Es De Nadie  (hört mal auf die Gitarren am Anfang) laufen mir wirklich voll gut rein, trotzdem muss ich für die Musik der Spanier in der richtigen Stimmung sein. Soll heißen, dass mich die Mucke des Trios bestimmt live bei ein paar verschütteten Bieren mehr begeistern kann als auf LP. Auf der LP sind übrigens die ersten beiden 7inches der Spanier drauf, aber das sagt ja eigentlich schon der Titel, den man sicher auch versteht, wenn man kein Spanisch kann. Schade nur, dass sich mir die auf dem schicken Textblatt aufgedruckten spanischen Texte aufgrund meiner fehlenden Spanisch-Kenntnisse nicht erschließen, eine englische Übersetzung wäre natürlich super gewesen. Naja, ich vermute mal, dass sich die Texte mit irgendwelchen düsteren Begebenheiten befassen (Bandname, Totenköpfe, Särge, Kreuze lassen auf sowas schließen).  Die selbstbetitelte 7inch aus dem Jahr 2012 gibt es auf der A-Seite, auf der B-Seite ist dann die No Nos Mata La Muerte EP aus 2013 gepresst. 7,5/10
Facebook / Bandcamp / Stream / Sabotage records


Systematik – “Bondage” (Sabotage records)
Was für ein Brett! Platte drauf, 45rpm gedrückt, Lautstärkeregler fast gen Maximum, am Equalizer ein bisschen die Höhen raus und fett Bass rein: da kommste Dir dann vor, wie der mumifizierte Typ auf dem Cover mit der ekligen Spinne auf der Rübe. Hättste lieber mal öfters Staub gewischt und den vielen Spinnweben in Deiner Wohnung den Kampf angesagt, hehe. Aber Spaß beiseite, aus verlässlichen Quellen weiß ich, dass Punks heutzutage ihre Eigentumswohnungen wöchentlich mindestens ein Mal reinigen, besondere Pflege erhalten Holzböden und teure Perserteppiche. Wenn Du also zu dieser Sorte Punks gehörst, Deine mit Killernieten besetzte Lederjacke immer schön aufgeräumt an der Garderobe hängt und Deine täglich gewechselten Socken selbstverständlich nicht auf dem Boden verstreut herumliegen, sondern pärchenweise zusammengezogen sorgfältig im Wäschekorb landen, dann stell Dir folgendes Szenario vor: Du fummelst diese Platte aus der stylischen Plattenhülle raus, friemelst sie auf Deinen Plattenspieler, drückst die 45 rpm-Taste, schnappst Dir das Textblatt…und schmeißt es direkt nach dem geilen Bassintro auf den Boden, weil Dir einfach die Sicherungen durchbrennen. Und spätestens wenn der hasserfüllte Gesang einsetzt, drehst Du noch ‘nen Ticken lauter, rennst ins Bad, holst ‘ne frisch gekaufte Zahnpasta-Tube, schmeißt sie auf den Boden und springst vom Wohnzimmertisch volle Kanne drauf. So wie der Schwall da aus der Tube rausspritzt, so ist auch der Sound der Kanadier. Crustiger D-Beat mit hohem Hardcore-Anteil und jeder Menge Punk. Ich steh drauf, das Ding läuft bei mir seit ein paar Tagen fast täglich. What Happens Next knöpfen sich die Cro Mags und Discharge vor, dabei trifft skandinavischer D-Beat auf Zeugs, das man von Labels wie z.B. Profane Existence gewohnt ist. Wahnsinnsplatte! Roh, räudig und ranzig, so muss HC/Punk klingen. Making Punk A Threat Again! Sind übrigens Ende März/Anfang April in Deutschland unterwegs. 8,5/10
Stream / Sabotage records


 

Love American – “Hollow Crosses” (lifeisafunnything)

Die Geschichte hinter dieser 7inch-Veröffentlichung aus dem Hause lifeisafunnything könnte nicht romantischer sein und ist so schön, dass ich sie euch unmöglich vorenthalten kann. Nun, wie der ein oder andere von euch sicher mitbekommen hat, startete das kleine DIY-Label lifeisafunnything Ende April letzten Jahres mit seinem ersten Output, der genialen Barren Hope-LP. Vor dieser LP sollte eigentlich als allererste Veröffentlichung die Hollow Crosses-EP der kalifornischen Band Love American erscheinen. Doch sollte es nicht so kommen, da sich die Band just in dem Moment auflöste, als Labelmacher Marcus die Jungs mit seinen Plänen konfrontierte, die Songs auf Vinyl herauszubringen. Plopp, Traum geplatzt, eine Veröffentlichung zum damaligen Zeitpunkt wäre rein wirtschaftlich gesehen – sagen wir mal – etwas gewagt gewesen, zumal sich Tonträger von nicht mehr existierenden Bands sehr schwer verkaufen lassen und man Hersteller von Miniauflagen auch nicht an jeder Ecke antreffen kann.

Nun öffneten sich durch die regen Kontakte in der Label-Welt ein paar Schleusen und es wurde ein Hersteller gefunden, der auch kleine Vinyl-Auflagen anfertigt. Die vier Songs der Hollow Crosses-EP schwirrten derweil immer noch wie eine alte unerfüllte Liebe in Marcus’ Gedanken  herum. Ausschlaggebend für diese tiefsitzenden Gefühle waren unter anderem – für mich absolut nachvollziehbar – die einsetzenden Gitarren bei dem Song Sohl,  die immer und immer wieder an der Idee eines Releases nagten. Was also lag näher, die Band trotzdem und erneut mit dem Angebot einer 100er-Auflage des Vinyl-Releases zu kontaktieren, um das Ding irgendwann im August 2014 herauszubringen, doch es gab erneute Verzögerungen und letztendlich erscheint das Scheibchen Monate später in einer 200er Auflage.

Nun, vor ein paar Tagen erreichte mich ein schön verpacktes 7inch-Päckchen mit eben dieser Herzensangelegenheit im Inneren. Wenn man die oben angeführte Geschichte im Hinterkopf hat, dann geht man natürlich viel emotionaler an die Sache ran. Die kleine Scheibe (in meinem Fall in weißem Vinyl und das Plattenlabel vom Meister eigenhändig bestempelt) wird behutsam aus der Hülle rausgefriemelt und bedächtig auf den Plattenspieler gelegt. Ich kannte die Songs vorher bereits von der Bandcamp-Seite der Band aus Kalifornien, machte mir bisher aber nie die Mühe, die Texte zu studieren. Das ändert sich natürlich in dem Moment, in welchem man ein schön gestaltetes Klappcover-Innentextblatt in den Händen hält. Die persönlichen, teils traurigen und nachdenklichen Texte und die Fotos der verzweifelt und unglücklich dreinschauenden Kinder auf dem Front- und Backcover unterstreichen die Melancholie deutlich, die in den vier Songs mitschwingt. Gerade bei Sohl  ist dieses Gänsehautgefühl allgegenwärtig. Ein sagenhafter Song. Auch die restlichen drei Stücke wissen zu gefallen. Zwischen Screamo-Ausbrüchen mit hohem Punkfaktor kommen immer wieder leise Indie-Töne und flirrige Post-Hardcore-Gitarren zum Zug, so als ob Perfect Future mit La Dispute und Hot Cross zusammen irgendein Shoegazer-Riff aus dem Ärmel schütteln würden. Diese 7inch ist der beste Beweis dafür, dass man was Großes erreichen kann, wenn man nur hartnäckig und mit Haut und Haaren am Ball bleibt. Denn: obwohl sich Love American bereits aufgelöst haben, wird die Band in ihrem Heimatort Palmdale im April anlässlich des Releases ein letztes Konzert spielen. Trotzdem ist die Band Geschichte, Gitarrist Hans setzt aber sein musikalisches Schaffen bei der HC-Band Post Nothing fort.

8/10

Facebook / Bandcamp / Label


 

Coyotes – “Only To Call It Home” (DIY)

Kennt noch irgendwer die Wuppertaler Metalcore-Band April Uprising? Die Band war so von 2011-2013 am Start und tourte fleissig durch Deutschland, unter anderem im Vorprogramm von Bands wie z.B. A Day To Remember, August Burns Red oder Hawthorne Heights. Warum ich euch damit volsülze, hat einen guten Grund. Wenn ich das richtig geschnallt und recherchiert habe, ist die Besetzung von April Uprising absolut identisch mit der Besetzung der Band Coyotes. Verrückt. Nun gut, manchmal macht man halt gerne einen Schnitt bzw. einen Neuanfang und im Falle des vorliegenden Debutalbums der Wuppertaler ist der Schnitt absolut nachvollziehbar, denn der Sound der Jungs hat so viel mehr Atmosphäre als das, wofür April Uprising standen.

Leck mich am Arsch, die zehn Songs sind sowas von abwechslungsreich und treten dabei trotzdem noch ordentlich um sich. Leidende Gitarren mit unendlich geilen Melodien treffen auf Moshparts und derbes Geschrei, zwischendurch kommen angenehm klingende Clean-Vocals zum Einsatz, selbst Piano-Keyboards klimpern ab und zu rum. Verdammt geil auch der Schlagzeuger, der einerseits präzise kloppen kann, andererseits aber auch gefühlvoll vor sich hintaktet. Und natürlich merkt man an den ganzen Song-Arrangements, dass hier keine absoluten Anfänger am Start sind. Das Album klingt sehr durchdacht, finde ich.

Was desöfteren echt toll kommt, sind die cleanen Gitarrenparts, die über die fette verzerrte Spur mit irgendeiner überirdischen Melodie drüberflirren, wie z.B. bei And Darkest White,  das wiederum fast nahtlos in das grandiose We Seek Ourselves  übergeht. Zudem fahren die hymnischen, mehrstimmigen Chöre – egal ob Gangshouts oder lieblich gesungen – enorm unter die Haut. Gerade die gesungenen Chöre hypnotisieren durch die sich mantra-artig wiederholenden Textpassagen ungemein und bauen dadurch eine spannungsgeladene Steigerung auf. Ich muss sagen, das hier ist eine sehr gelungene Mischung, hier stimmt echt alles. Ihr merkt schon, ich bin extrem angetan und gleichzeitig total überrascht, dass man nach langer Durststrecke in diesem Genre auch mal wieder  auf eine Band mit Köpfchen trifft, die auch noch locker auf internationaler Ebene mithalten kann. Freunde von Bands wie z.B. frühen Oceana, Every Time I Die, Underoath oder Boy Sets Fire sollten hier unbedingt mal reinhören. Exzellent!

8/10

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Quergehört: Aniqatia, The City On Film, Facility, Marrón, Olde Pine, Snareset, To The North, Western Settings

Aniqatia – “Erratics” (DIY) [Name Your Price Download]
Abseits von jeglichen Trends bewegen sich vier Jungs aus Pennsylvania, die seit dem Jahr 2013 unter dem ungewöhnlichen Namen Aniqatia (sprich: an-uh-kay-dee-uh) zusammen Musik machen und mit Erratics  ihr Debut vorlegen. Grob würde das Ganze in die Sparten Emo, Post-Rock, Grunge, Indie und Post-Hardcore passen. Fünf emotionale Stücke, die sich nach mehrmaligem Hören in die Gehörgänge bohren und für Leute interessant sein dürften, die  Bands wie z.B. Elliott, Cursive, Engine Down, Juliana Theory oder Cave In zu ihren Faves zählen. Mir gefallen v.a. die verspielten Bassparts und die Tatsache, dass trotz reduzierter Mittel eine enorme Atmosphäre entsteht.


The City On Film – “La Vella” (Topshelf Records) [Stream]
Hey, wenn ihr auf gitarreninfizierten Indierock mit ein wenig Emo-Tendenzen steht, dann ist das hier genau das Richtige für euch. Der Drummer spielt obendrein bevorzugt das Crashbecken, die Hi-Hat muss auch ordentlich leiden. Trotzdem bleibt das ganze entspannt und laid back. Man könnte es so beschreiben: Entschleunigte Samiam, gepaart mit Indie-Rock á la Prawn oder Nada Surf, dazu etwas Dischord-mässiges Zeug und ein wenig Emo im Stil von Promise Ring oder Sunny Day Real Estate. Zudem finde ich das Albumcover ästhetisch ansprechend.


Facility – “The First Four” (DIY) [Name Your Price Download]
Jawoll, gleich vom ersten Ton an läuft mir das hier extrem gut rein. Fettes Gitarrenbrett, Crashbecken und intensiv leidender (Frauen-)Gesang. Ziemlich emotional und 90er-lastig, hört sich vom Feeling her etwa so an: HC-Mosh á la frühe Walls Of Jericho (aber um einiges punkiger) trifft auf frühe Boy Sets Fire (die Zeit bis zur This Crying, This Screaming, My Voice Is Being Born), dazu ein wenig Emo-Crust. Bands wie Cryptic Slaughter, Orchid, Nikad, Glasses oder Hope Dies Last (die österreichische Band) kommen mir ebenfalls in den Sinn. Ein Feuerwerk!


Marrón – “Demo” (DIY) [Stream]
Haha, die Bandbeschreibung liest sich schon mal super: Marrón formed in early 2014 around our love of good hooks, big books, and hood looks.  Voll gut. Und der Sound auf dem Demo steht dem in nichts nach. Wenn man auf verkopften und etwas dissonanten HC oder Oldschool Emo abfährt, dann findet man in der Band aus Südkalifornien vielleicht einen neuen Freund. Denn die Jungs haben sich mit Haut und Haaren dem DC Hardcore verschrieben, da werden Erinnerungen an Bands wie z.B. One Last Wish, Soulside, Rites Of Spring, Swiz oder Ignition wach.


Olde Pine – “The Jawns” (So Lucky! Records) [Name Your Price Download]
Twinkle Twinkle-Midwest-Emocore mit einem Sänger, dessen Stimme permanent kurz vor’m Kippen ist, bekommt ihr von vier Jungs aus Massachusetts auf die Ohren. Nach diversen EP’s, die bei mir auch schon auf offene Ohren stiessen, hat die Band nun ein ganzes Album mit insgesamt zehn Songs am Start. Diese Platte bringt den Schnee zum Schmelzen, der Frühling darf jetzt ruhig endlich mal kommen. Selbst schwächere Stücke, wie z.B. Ray Ramano Re-Runs  versprühen noch etliches an Charme. Mischt etwas Algernon Cadwallader, Snowing und ein wenig Reggie and the Full Effect (die Keyboards!), dann habt ihr’s in etwa.


Snareset – “Back To Where We’ve Never Been” (No Panic Records) [Stream]
Melodic Punkrock aus Deutschland, genauer gesagt aus Punkrock-City Münster. Münster, Munster, Monster, Money. Money Stinks! Das weiß man ja nicht erst seit DRI. Nunja, Snaresets Albumartwork gefällt mir trotzdem nicht, egal ob der Typ den “tollen” oder “ollen” Geruch des Geldes inhaliert. Scheiß drauf. Zur Mucke: ist eher nichts für zuhause. Das muss man live und mit ‘nem Bier bewaffnet sehen. Dabei schreit man seinem/seiner ebenfalls schon angetrunkenen Begleiter/in  sowas in der Art von “bisschen NOFX und Millencollin hier, etwas gemäßigtere Kid Dynamite und Strike Anywhere dort” ins Ohr. Natürlich mit extrem nasser Aussprache.


To The North – “Departure” (LesstalkRecords) [Name Your Price Download]
Beim Surfen vor der Küste Australiens kann man schon mal ‘nen Adrenalinschub bekommen, weil man von Haien belästigt wird, beim wilden Surfen auf Bandcamp ist das eher die Ausnahme. Ab und zu zahlt sich das Bandcamp-Surfen aber doch mal aus, wie im Fall der Band To The North aus Brisbane, die ich bisher nicht auf dem Schirm hatte. Durch das Coverartwork angelockt war ich sofort vom Sound des Quartetts angetan. Emo, Indie und etwas Punk, die Band selbst bringt auch noch Jazz zur Sprache. In der Tat, das Ganze erinnert an Bands wie z.B. Karate, Barra Head, Faraquet oder Nation of Ulysses. Gleich mal vom Name Your Price Download Gebrauch gemacht, auch wenn es nur zwei Songs sind. Den Backkatalog der Band gibt’s übrigens auf der Bandcamp-Seite für lau. Freude.


Western Settings – “Yes It Is” (La Escalera Records) [Stream]
Diese Platte macht Spaß. Die Gitarrenriffs sind in der Art, wie wenn Du selbst gerade ‘ne Gitarre in den Griffeln hättest und erstmals – nachdem Du ein paar Chords gelernt hättest- eine tolle Melodie runterschreddern würdest und dieses Riff dann zockst, bis die Fingerkuppen nicht mehr mitmachen. Dann der Bass, der fröhliche Melodien klackert und der Sänger, der mit ganzem Herzen bei der Sache ist. Wenn man schon Punk und Pop mischt, dann bitte so und mit einem kräftigen Schuss Hardcore. Da darf sich dann auch gern mal wie im Opener RevHead  ein Glockenspiel zum Schlagzeug gesellen, oder im Hintergrund eine schöne Frauenstimme mitträllern. Also, wenn ihr Bands wie Dillinger Four, Kid Dynamite, Hot Water Music, Brand New Unit oder Grey Area mögt, dann hört da mal rein. Verdammt coole Scheibe.


 

Quergehört: 6’10, Andrew Paley, Kenny Kenny Oh Oh, Lambs, Ladder Devils, Rowan Oak, The Traditional, Twisted, Youth Funeral

6’10 – “The Humble Beginnings Of A Rovin’ Soul” (Ollie Mob/Flix Records) [Stream]
Hab mir von dem wunderschön aufgemachten Digi-Pack echt viel mehr versprochen, aber inhaltlich ist das absolut nicht meine Musik. Ganz im Gegenteil, damit kann man mich echt jagen oder gar foltern. Tobin Bawinkel, seines Zeichens Sänger der Oi/Folk-Punk-Band Flatfoot 56, frönt hier dem akustischen Folk, Country und Americana. Wenn ihr also auf verrauchte Stimmen gepaart mit Ukulele, Violine und Akkordeon steht, dann könnt ihr mit dem Album auf insgesamt 12 Songs ein wenig Square-Dance üben.


Andrew Paley – “Songs For Dorian Gray” (Flix Records) [Stream]
Beim Name Dorian Gray rattert es beim ein oder anderen von euch sicher kräftig im Oberstübchen, der Name Andrew Paley hingegen ist eher nur Menschen geläufig, die sich für die Indie-Post-Punk-Band The Static Age interessieren. Dort ist Andrew Paley nämlich Sänger. Auf dieser mittlerweile zweiten Solo-EP werden jedoch den ganz leisen und melancholischen Tönen Tribut gezollt. Zur Akustik-Gitarre gesellt sich außer vereinzelten Keyboardpassagen nichts weiter, als die zerbrechliche Stimme Andrew Paleys, manchmal sanft gehaucht, manchmal fast flüsternd. Genau das Richtige für romantische Abende am offenen Kamin.


Kenny Kenny Oh Oh & Lambs - “Split” [Name Your Price Download]
Köln vs. Leipzig: Kenny Kenny Oh Oh, das sind vier Leipzigerinnen, die genialen Punk/HC mit ordentlicher Dischord-Kante spielen. Wenn ihr die erste 7inch noch nicht kennen solltet, dann wird es Zeit, auch in diese mal reinzuhören, falls ihr von den auf dieser Split vertretenen Songs angetan seid. Mich fasziniert an dem Sound v.a. die Aura. Obwohl hier extrem geschrammelt wird und manch anderer Gitarrist mit Fäustlingen an den Griffeln sauberere Töne aus seiner Klampfe zaubern könnte, hat das hier Herz und Seele. Auch die zwei Songs der Kölner HC-Punks von Lambs zaubern mir ein Grinsen in die Fresse. Schrammeln. Ich find den Bassisten ziemlich gut, bzw. den Bass gut abgemischt. Geile Split EP, hätte ich gern auf Vinyl, allein schon wegen dem schönen Gitarrensaiten-Wirr-Warr auf dem Cover.


Ladder Devils – “Clean Hands” (Brutal Panda Records) [Stream]
Die Band selbst umschreibt ihre Musik mit den Worten “We play loud music”.
Naja, so “loud” fällt das alles dann aber gar nicht aus. Klar, der Schlagzeuger haut ordentlich rein, die Klampfen riffen, was das Zeug hält, der Basser klackert wie verrückt und der Sänger schreit ein wenig rum. Noisy Shit eben, es gibt mittlerweile andere Bands, die lautere Musik spielen. In den 90ern aber hätten die Ladder Devils aber definitiv zu den lauten Bands gezählt . Hätte es damals bereits “Tags” gegeben, dann wären da so Sachen wie “AmRep, Snapcase, Helmet, Refused, At The Drive-In” gekommen. Zieht euch eure Kopfhörer drauf, ausnahmsweise dürft ihr auch ganz laut aufdrehen. Das muss man nämlich mit solch noisig-vertrackten Riff-Monstern machen. Zappelt rum bei: Nameless, Faceless.


Rowan Oak – “It’s Hard To See You Clearly” (DIY) [Stream]
Als ich Rowan Oak zum ersten Mal hörte, dachte ich, dass ich es mit einer amerikanischen Band zu tun hätte. Die Bandcamp-und Facebook-Info-Seite gibt jedenfalls keine genauen Herkunftsdaten an, früher waren die Jungs unter dem Namen Western Grace unterwegs. Midwest-Emo klingt erstmal gut. Und wenn man das Instrumentale hört, dann denkt man in erster Linie an Bands wie z.B. Samiam oder Jawbreaker. Setzt aber der Gesang ein, kommen eher deutsche Bands wie Three Mile Pilot, Lockjaw, oder so Zeugs, das zu dieser Zeit, als eben genannte Bands unterwegs waren, auch gut auf das Kölner Label Defiance Records gepasst hätte, in den Sinn. Das liegt zum einen am starken deutschen Akzent, zum anderen hätte man auch die Zischlaute ein wenig rausfiltern können. Insgesamt aber sehr charmant.


The Traditional – “How To Live Without Blood” (Anchor Eighty Four Records) [Stream]
Lasst euch nicht vom Bandfoto bzw. dem dicken Schnäuzer abschrecken, der einem unweigerlich ins Auge springt. Hört euch lieber mal den starken Opener “Skeletons” an, der Erinnerungen an Bands wie Samiam, Thrice und Favez wach werden lässt. Die nachfolgenden Songs haben zwar seltsam anmutende Pop-Punk-Momente, die ich lieber wegzaubern würde, aber letztendlich gewöhnt man sich dann doch daran. Mixtape-Wilderer, die nur auf einen Song aus sind, sollten da ruhig mal reinhören.


Twisted – “Utopia” (Art For Blind) [Stream]
Die UK-Band konnte mich mit ihrer letzten 4-Song-Demo schon begeistern, auch auf Albumlänge wird mir der Sound des Quartetts nicht langweilig. Von den insgesamt 14 Stücken kennt man zwar schon drei Stücke vom Demo, aber umso besser, dass die da nochmals drauf sind. Stell Dir folgendes Szenario vor: Dag Nasty und Minor Threat treffen auf Rites Of Spring, dazu kommt eine Sängerin namens Livi Sinclair, die den Reiz der geschrammelten Redemption 87 -Gitarren mit ihrer ausdrucksstarken Stimme noch verstärkt. Geilometer, das hätte sich auch gut auf Dischord Ende der Achtziger gemacht.


Youth Funeral – “See You When I See You” (Twelve Gauge Records) [Stream]
In letzter Zeit sind echt etliche unpersönliche Anfragen reingeflattert, auf die ich nach kurzem Reinlauschen nicht mal mehr geantwortet habe, weil’s mich einfach nur gelangweilt hat. Sorry dafür. Youth Funeral waren auch so dreist, aber der Bandname blieb mir seit der Debut-EP Symptom Of Time irgendwie positiv hängen. Kurz mal den DL-Link angetestet: wow. Das kitzelt mich. Sechs intensive Songs zwischen hektischem Hardcore, Screamo, Punk. Der Schlagzeuger ist auf der Bühne wahrscheinlich das Tier schlechthin, die Gitarren schwurbeln erstklassig, nochmals wow. Die Kommunikationsunfähigkeit der Jungs interprätiere ich einfach mal als Asperger-Syndrom, zudem braucht’s um diese EP eh nicht viel Worte.


 

La Parade – “Sombra Y Cuerpo” (Boca a Boca Records)

Die Band aus Granada konnte schon mit ihren bisherigen Veröffentlichungen bei uns punkten, aus den beiden von Alessandro verfassten Reviews (Diez mil rostros und Voces Del Exilio) liest man quasi die “leuchtenden Augen” eines Musikliebhabers zwischen den Zeilen heraus. Auch mir imponierten die beiden Veröffentlichungen enorm. Ja, und mit dem neuen Album können die Spanier fast noch eins drauflegen, denn ihr Mischmasch aus Emo, Post-Hardcore, etwas Indie und vereinzelten Screamo-Ausbrüchen hat alles, was ein gutes Album haben muss. Vorausgesetzt, man kann sich mit dem Sound der Andalusier einlassen.

Dann kann man nämlich richtig eintauchen. La Parade haben eine Vorliebe für Songs, die an der 4-5-Minuten-Grenze kratzen. Die acht Stücke sind mit Ausnahme eines zweieinhalbminütigen, sehr emotionalen Post-Hardcore/Screamo-Songs (Doppelgänger) eigentlich alle in einer Songlänge, die Langeweile hervorrufen könnte. Aber nein, von Langeweile kann hier wirklich keine Rede sein, denn die Songs sind spannungsvoll und durchdacht arrangiert, die Musiker beherrschen ihre Instrumente, der Sänger kann sowohl schreien, als auch singen. Abwechslung ist also genügend vorhanden. Die Gitarren zaubern tolle Melodiebögen, zwischendurch wird temperamentvoll gezupft/geschlagen, beim Bass ist ähnliche Fingerfertigkeit zu beobachten. Der Schlagzeuger spielt mit Leib und Seele und der Gesang ist furchtbar intensiv. Man denkt ja bei solchen Aussagen im Zusammenhang mit spanischen Rockbands immer an die Band Héroes del Silencio, aber deren Sänger lässt mich z.B. nicht diese tief sitzenden Emotionen spüren, die ich bei Sänger Serjio Nevado förmlich raushören kann, obwohl ich die spanischen Texte nicht verstehe. Bei Héroes del Silencio konnte man sich das mit den Texten ja noch irgendwie zusammenreimen oder es hat null interessiert. Die Lyrics von La Parade würde ich hingegen sehr gern verstehen wollen, aber google translate wird der tieferen Bedeutung sicher auch nicht gerecht. Zumindest habe ich bemerkt, dass in vielen Songs das symbolische Zusammenspiel von Sonne, Licht, Schatten und Körper im Vordergrund steht, das wird ja bereits im Albumtitel angekündigt.

Das musikalische Können der Band zeigt sich v.a. in den ruhigen Passagen, hört nur mal den Song Ascendencia  oder  Impermanencia an. Beeindruckend. Falls ihr also Anhänger spanischer Emo/Post-Hardcore/Indie-Bands wie z.B. Standstill, Madee, Maple, Diana Lagarto oder Zeidun seid, dann werdet ihr La Parade sicher auch nicht verschmähen. Und falls ihr das Ding erstmal kostenlos anchecken wollt, dann genügt ein Klick auf’s Bandcamp-Banner.

8/10

Facebook / Bandcamp



Quergehört: Columbus, Give, I Was A Cosmonaut Hero, Myra, Outright, Rivershores, xRepentancex, Tarsius Tarsier

Columbus – “Home Remedy” (DIY) [Name Your Price Download]
Neuer Stoff für Jahrtausendwenden-Emo-Zombies, die ihre Blink 182-Poster aus der Bravo  vor ihren coolen Freunden verstecken, falls diese mal unverhofft zu Besuch kommen sollten.  Diese Emo-Typen sind schon phänomenal: erstmal diese ganze hoffnungslose Hoffnung. Dann kommt dazu, dass die vermeintlichen Freunde, die sie für cool halten und die nebenbei bemerkt mit über 20 immer noch bei den Eltern wohnen und ihr Kinderzimmer höchstens mal verlassen sollten, falls der elterliche Hotelservice es mal wieder versäumt hat, neue Batterien für die TV-Fernbedienung  zu besorgen, selbst Blink 182-Poster unterm Bett versteckt haben. Was ich eigentlich sagen will: hört euch diese vier Songs an und werdet glücklich. Denn ihr werdet euren coolen Freund nicht mehr brauchen, weil ihr jetzt selbst cool seid. Blink 182 hin oder her, diese drei australischen Typen mischen Pop-Punk mit Emo und etwas Hardcore, als ob sie so Zeugs mit der Muttermilch aufgenommen hätten. Neben Blink 182 hör ich noch die Get Up Kids, ein wenig As Friends Rust und Strike Anywhere. Wow.


Give – “Electric Flower Circus” [Stream]
Als ich das erste Mal auf die Band Give aufmerksam wurde, fand ich auf Anhieb dieses Gänseblümchen-Logo mit dem G im Blumenstempel toll. Auf solch drollig wie einfache Logos können nur Leute kommen, die auch sonst keine bösen Gedanken haben. Zu den bisherigen Releases braucht man nicht viele Worte verlieren, auch die aktuelle Scheibe reiht sich nahtlos im positiven Bereich ein. Emo mit ordentlich 90er-Flair, eindringlichem Gesang, genialen Fugazi-artigen Bassparts und absolut göttlichen Verbal Assault-Gitarren, die zeigen, wie nah Verbal Assault damals am Grunge dran waren ;). Ach ja, alles natürlich immer noch mit viel Dreck und Rotze gespielt. Stell Dir das folgende Szenario vor: Du läufst durch ‘ne Wiese, obwohl gerade ein Wolkenbruch draufgeregnet hat, pflückst neben einer schlammigen Pfütze ein Gänseblümchen mit etlichen fehlenden Blütenblättern, obwohl Du eine Heuschnupfenallergie hast. Der erste Nieser ist die Befreiung. Du willst mehr. Das bekommst Du auch, denn die Platte von Give ist ewig lang.


I Was A Cosmonaut Hero – “MMXIII” (DIY) [Stream]
Wenn ihr von französischsprachigem Screamo noch nicht die Nase voll habt, dann werdet ihr diese Band aus Besançon, die übrigens bereits seit 2009 existiert, vielleicht gleich ins Herz schließen. Runtergeschrammelte Emo-Gitarren, leidender Gesang, manchmal wird die traurige Stimmung noch durch eine Geige intensiviert. Neben atmosphärischen Ambientpassagen sind auch ab und an hektische Parts mit diesem für französischen Screamo so typischen Schlagzeugspiel am Start, aber die Midtempo-Parts überwiegen.


Myra – “Valley” (acuity.music) [Stream]
Seit 2005 existiert die Metalcore-Band Myra aus Leipzig, auch wenn ich mich nicht direkt für diese Musikrichtung interessiere, habe ich Myra bisher noch nie wahrgenommen. Seltsam eigentlich, denn die Band bläst ordentlich, dazu ist dieses Album astrein produziert. Die Gitarren kommen extrem fett, der Schlagzeuger hat bestimmt ordentliche Waden und Oberarme und der Basser sowieso. Wie dick die Stimmbänder wohl sein müssen, um so rumgröhlen zu können? Keine Ahnung. Ich persönlich finde, dass Myra mit den dargebotenen Songs locker in der Klasse der internationalen Größen des Genres mitspielen können. Mosh!


Outright – “Avalanche” (Reason and Rage Records) [Stream]
Mit der 2012-er EP machte die australische Female-Fronted HC-Band schon ordentlich Wirbel, nun steht mit Avalanche das erste Album an. Und ja, das ballert ordentlich. Outright soll übrigens  ‘ne gute Live Band sein, nach Genuss eines Videos auf Youtube kann ich das nur bestätigen. Fette Breakdowns, sehr metal-lastig, Bulldozer-Mosh-Parts, was will man mehr. Erinnert an Bands wie z.B. Strife, Path Of Resistance (die Straight Edge Band) oder Walls Of Jericho.


Rivershores – “Fuck it, Dude! Let’s get wasted!” (Uncle M) [Stream]
Visuell gesehen kann man der Band bei der Auswahl zum EP-Cover eine gewisse Geschmacksverirrung attestieren, musikalisch betrachtet bekommt ihr hier aber erstklassigen emotionalen Punkrock mit jeder Menge Hymnen auf die Ohren. Die vier Freunde aus Unna/Fröndenberg  klingen sehr amerikanisch, kaum zu glauben, dass die aus ‘ner deutschen Popel-Kleinstadt kommen. Sechs Songs im Fahrwasser von Bands wie z.B. Latterman oder Iron Chic.


xRepentancex – “The Sickness Of Eden” (Carry The Weight Records) [Stream]
Verdammt, ich bin schon irgendwie in den Neunzigern hängen geblieben. Neben Mid 90′s Emo stand ich auch schon immer auf Metallic Straight Edge mit ordentlichem Mosh-Anteil. Und diese Band hier aus UK haut Dir schon ordentlich vor die Glocke. Mann, da werden Erinnerungen an Slayer zur Reign In Blood-Phase wach. 90′s Metal-Mosh-Bands wie z.B. Strife, Earth Crisis, Turmoil kommen auch in den Sinn. Geilometer, diese Motorsägen-Gitarren und dieses Holzhacker-Gemoshe ist einfach unglaublich tight und obendrein noch astrein produziert.


Tarsius Tarsier - “Ceremonia de Atadura de Manos” (Long Legs Long Arms Records) [Name Your Price Download]
Zwei Jahre existiert die Band aus Madrid nun schon, die Bandmembers haben vor Tarsius Tarsier bereits in anderen Bands Erfahrung gesammelt (Knowledge is a Weapon, Trecedeluno, Muerdelágrimas, Lösung, Forzuda). Wenn ich ehrlich bin, kenne ich bis auf Knowledge is a Weapon keine dieser aufgeführten Kapellen, aber der Sound des Quartetts zeigt deutlich, dass hier keine Anfänger am Werk sind. Hier wird geholzt und geknüppelt, gekeift und gekeult. Ein ziemliches Brett. 8 Songs, rasend schneller Dampflock-Hardcore, Crust, Screamo, Blackened Hardcore. Ist live bestimmt massig und dürfte allen gefallen, die auf Bands wie From Ashes Rise, Ekkaia, Disfear, Converge, Orchid or His Hero is Gone stehen.


 

Sport – “Demo 2011 7inch” (Pike Records)

Die Franzosen haben es mir mit ihrer tollen Mischung aus Punk, Emo und Indie ja schon länger ziemlich angetan, die beiden Full Length-Alben Colors (2012) und Bon Voyage (2014) muss man einfach mögen, wenn man auf angepunkten Midwestemo abfährt. Auch die Demo aus 2011 läuft bei mir schon seit einiger Zeit rauf und runter, bisher jedoch nur in digitaler Form, welche ich mir damals als Name Your Price Download auf den Rechner geschnorrt hatte.

Was für eine Schicksalsfügung, denn dieser Tage schneit doch tatsächlich ein Päckchen vom sympathischen Dresdner DIY-Label Pike Records mit der stylisch gestalteten 7inch der Band aus Lyon rein. Freude! Optisch macht das kleine Scheibchen schonmal schwer was her, gerade die an das Artwork des ursprünglichen und längst vergriffenen Demo-Tapes angelehnte Rückseite der 7inch ist äußerst gelungen, auch das Frontcover mit der Wassergymnastik-Szene im 70ies-Flair kann man sich gut anschauen. Einziger Störfaktor: bei meinem Exemplar ist es wirklich eine Heidenarbeit, das Scheibchen in die etwas zu eng geklebte Hülle wieder reinzubekommen, ohne dass sich die Innenhülle wölbt und eventuell das ebenfalls hübsch anzusehende Textblatt unter diesem Umstand leidet. Abhilfe: draußen lassen, immer und immer wieder hören, auch wenn die Songs längst im Gehörkanal eingebrannt sind. Oder selbst Hand anlegen (DIY) und die Klebenaht vorsichtig öffnen, und um einen Millimeter versetzen (dafür bin ich aber zu faul, hehe).

Viele von euch werden die Demo der Band auch bereits in der Digitalversion kennen bzw. haben. Euch kann ich nur sagen: der Sound klingt auf Vinyl einfach um ein vielfaches charmanter, zudem weiß die etwas rauhe Produktion zu gefallen. Dort drüben schrammelt die punkige Gitarre ‘ne tolle Melodie runter, irgendwann tauchen Parts auf, die an Lifetime in den Anfangsjahren erinnern lassen, an anderer Stelle treten diese typischen Algernon-Cadwallader-Twinkle-Gitarren auf den Plan, dann wieder das Schlagzeug, das entweder einen fluffigen Beat runterbolzt oder irgendwas in der Art macht, zu der man gerne handclappingmässig durch die Pogomeute hüpft und die nix kapierenden rumstehenden Trantüten ein wenig mit Bier besudelt. Boah, und erst die Chöre und die überschlagende Stimme des Sängers <3.  Fünf Songs für die Ewigkeit.

Dieses Co-Release mit La Tête d’Ampoule zeigt mal wieder, wie man aus einer frei downloadbaren Veröffentlichung ein kleines Schmuckstück schaffen kann, welches nicht im Festplattennirvana versinken, sondern einen Ehrenplatz in der 7inch-Sammlung bekommen wird. Bei diesem Release ist wieder einmal die Leidenschaft der Leute spürbar, die dieses Schmuckstück erst ermöglicht haben, man sollte allen Beteiligten für ihren Enthusiamsmus unendlich dankbar sein. Ach ja, lustig ist übrigens, dass da auch ein DL-Code dabei ist.

8/10

Facebook / Bandcamp / Pike Records


 

Whitewater – “Currents” (DIY)

Wenn ich mich zurück erinnere, als ich mit ein paar anderen Jungs ‘ne Band hatte, dann frag ich mich, was wir eigentlich die ganze Zeit gemacht haben. Obwohl wir uns damals oft zum Proben getroffen haben, saßen wir lieber auf unserem abgeranzten Proberaumsofa rum und schütteten literweise Billigbier in uns rein, furzten ab und an ins Mikro und stopften uns kiloweise Pizza in die leeren Mägen. Trotz fehlender Aufnahmen schafften wir es aber dennoch, ein paar Konzerte zu spielen und ohne von der Bühne geprügelt zu werden erneut auf dem abgeranzten Proberaum-Sofa zu landen und unseren Spaß zu haben. Wir waren echte Schluffis, aber irgendwann kurz vor der Auflösung packte uns doch noch der Ehrgeiz, ins Studio zu gehen und ein paar Songs aufzunehmen. Da in der Bandkasse ständig Ebbe herrschte, grenzte es eigentlich fast schon an ein Wunder, dass wir das Zeug in Eigenregie veröffentlichten.

Tja, wenn ich mir unter diesen Aspekten die vielen professionellen Bands heutzutage mal so anschaue, dann frage ich mich echt, wie die das neben Arbeit, Schule, Studium und Hartz4 alle auf die Reihe bekommen. Whitewater aus Ostfriesland z.B. existieren erst seit Anfang 2014 und legen uns nach knapp einem Jahr Bestehenszeit bereits ihre erste EP mit fünf Stücken vor. Wenn ihr denkt, dass diese EP auf ‘nen K-Classic-Rohling gebrannt wäre und schlecht abgemischte Proberaumaufnahmen beinhalten würde, dann habt ihr euch geschnitten.

Schon die CD-Verpackung ist hübsch anzusehen: Das Format ist etwas größer als bei einer “normalen” CD,  der postkartenstarke Karton ist gatefoldartig aufgemacht, die Texte haben in der Innenseite Platz und die CD selbst hält durch einen raffinierten Steckmechanismus. Ach ja, kleiner Running Gag für Alessandro: das Cover wird mal wieder von ‘nem Typen verziert, der isoliert in der Landschaft rumsteht. So ein Motiv hatten wir schon länger nicht mehr, harr harr. Was der Totenkopf im Metal, was die Eule im Emo, das ist der in der Landschaft rumstehende Typ im Melodic/Emotional Hardcore.

Nun denn, das Quintett geht nicht nur optisch, sondern auch musikalisch sehr professionell zur Sache, die Songs sind durchdacht arrangiert und obendrein astrein produziert, an den technischen Fähigkeiten der Musiker gibt es absolut nichts zu meckern. Im Gegenteil, es ist echt erschreckend, wie standsicher die Jungs zur Sache gehen, obwohl sie erst so kurze Zeit zusammen musizieren. Mir gefällt der Wechsel zwischen ruhigen Passagen und dampfwalzenden Novemberstürmen ganz gut, dazwischen spielt ‘ne cleane Gitarrenmelodie über die hart moshende Klampfe, Geschrei und gesprochene Parts lassen auch gewisse Spannungen entstehen, die wiederum Knoten platzen lassen. Gutes Beispiel für das eben Beschriebene wäre z.B. der Opener “Dead End”.  Für erste Aufnahmen ziehe ich echt den Hut, auch wenn 90 Prozent dieser Melodic Hardcore-Bands irgendwie gleich klingen. Klar, das Ding von Whitewater mag auf zwanzigminütiger EP-Länge funktionieren, auf Albumlänge würde es aber vielleicht schon wieder anders aussehen.

7/10

Facebook / Bandcamp


 

Adolescents & Svetlanas – “Hot War” Split 7inch (Altercation Records)

Ich glaub nicht, dass es irgendwer von euch nötig hätte, aber zur Sicherheit gibt’s jetzt ein kleines bisschen Geschichtsunterricht: Die Adolescents existieren bereits seit 1980. Bevor ihr zu rechnen beginnt: das sind bis heute ganze 35 Jahre. Natürlich waren zwischendurch auch mal längere Pausen, aber mit ca. 14 regulären Tonträgern ist der Backgroundkatalog der kalifornischen Punkband prall gefüllt. Klar, unter diesen Veröffentlichungen sind auch Ausfälle wie z.B. das Balboa Fun Zone-Album, auf welchem die Band in der Hochzeit des Crossovers kläglich an dem Versuch scheiterte, Pop-Punk mit Hardrock und Metal zu kreuzen. Egal, denn die Amoeba-EP und das selbstbetitelte hellblaue Album zählen bis heute zu den absoluten Highlights des US-HC/Skate-Punks.

Kleiner Schwenker in die damalige Zeit: Mitte der Achtziger war die Adoleszenz nicht einfach. Ich hatte als pubertierender Außenseiter wirklich das Gefühl, mich irgendwie entscheiden zu müssen, welcher Szene ich nun angehören sollte. Es war furchtbar, denn die schleimigen Popper mit ihren gelverschmierten Haaren konnte ich auf Anhieb nie leiden, zudem durfte man auf dem Pausenhof keinesfalls in Cordhosen erwischt werden, lange Unterhosen im Sportunterricht führten ebenso zu blutigen Nasen oder aufgeplatzten Lippen wie das Bekenntnis, jeden Freitag die TV-Serie Alf zu gucken. Meiner Meinung nach war die Bronx gegen unseren damaligen Schulalltags-Struggle ein Scheiß. Auf der einen Seite die Metaller mit ihren Jeanskutten (Metallica, Helloween, Slayer, Megadeth), auf der anderen Seite die Hip-Hopper mit ihren ekligen Pelzkrägen an den Jacken. Metaller und Skater piesakten gemeinsam die Hip-Hopper und zogen etliche Boards und Nagelnietenarmbänder durch die Fressen winselnder Gangsta-Boyz, die Pelzkrägen wurden neben den abgenommenen Mercedessternen wie die Römerhelme in den Asterix-Comics zu Trophäen. Dazu gab’s noch fürchterlich blasse Grufties, die sich Tag und Nacht Kaffee und Koffeintabletten reinpfiffen, zu denen fühlte ich mich ebenso wenig hingezogen, wie zu den Psychos  mit ihren Nashorn-Frisuren und Klorix-Hosen. Ach ja, nicht zu vergessen die Skins, die Angst und Schrecken auf dem Schulhof verbreiteten. Und dann waren da noch die Punks, die sich die besten Sachen aus den ganzen Szenen raussuchten und vor nichts Angst hatten. Zu einer Szene gehörte man damals mit Haut und Haaren, entweder oder war die Devise. Jeder jagte jeden. Ach, jetzt hab ich mich irgendwie verzettelt, eigentlich wollte ich euch nur von aufgeschürften Knien oder gebrochenen Knöcheln im Zusammenhang mit Skateboardfahren und Bands wie den Circle Jerks, Suicidal Tendencies, Descendents und eben den Adolescents berichten, aber das im 80-er-Comicstil gehaltene Cover/Backcover-Artwork hat mich irgendwie an den damaligen kalten Krieg auf unserem Schulhof erinnert.  Apropos Kalter Krieg: Die Idee hinter dem Cover ist ganz nett: USA gegen Sowjetunion übertragen auf die musikalische Ebene ergibt Hot War. Die Svetlanas (Moskau) gegen die Adolescents (Kalifornien).

Das 2014-er Album La Vendetta  der Adolescents heimste bereits etliche Lorbeeren in den einschlägigen Szene-Blättern ein, zudem berichteten Freunde und Bekannte von erstklassigen Live-Shows. Obwohl man bei solchen Events massig Leute von früher treffen könnte, blieb ich letztendlich doch lieber fern. Was mich persönlich an dieser 7inch etwas stört: auf jeder der beiden Seiten ist jeweils nur ein Adolescents und ein Svetlanas-Song zu Hören, dadurch wirkt das Ganze irgendwie zerpflückt. Man hat sich gerade auf eine Band eingestellt, dann kommt auch schon die andere Band. Schlagabtausch. Der Song Fukushima Lemon Twist  war bereits auf dem La Vendetta-Album enthalten, hier wird in bester Surf-Punk-Manier die kalifornische Sonne reingelassen. Den anderen Song (Forever Summer)  kennt man auch bereits vom Presumed Insolent-Album. Die Adolescents sind wirklich in Topform, ich liebe einfach den Gitarrensound der Band. Die Svetlanas hatte ich bisher noch nicht so auf dem Schirm, aber die zwei Songs rocken ordentlich nach vorne. Cooler 77-Punk mit Frauengesang, mir gefällt das. Aber auch diese zwei Songs kennt der Svetlanas-Fan bereits. Übrigens hat die Band aus Moskau eine interessant zu lesende Bandbiographie, ich fasse mal aus dem Presseinfo zusammen: als ehemalige KGB-Agenten haben sie ein Einreiseverbot nach Russland und sind inzwischen in Italien untergetaucht. Da hier also nur bereits veröffentlichte Songs drauf sind, ist das in erster Linie für Die-Hard-Fans der beiden Bands interessant, oder eben als Appetizer für Leute, die beide Bands noch nicht kennen sollten. Die 7inch wurde mir übrigens freundlicherweise von Flix Records zugesandt, die zusammen mit Altercation Records die kommende Tour beider Bands im Mai präsentieren werden.

7,5/10

Adolescents Facebook / Svetlanas Facebook

Giver – “Mother Midnight” 7inch (lifeisafunnything/Beyond Hope Records)

Schon die 2013er EP Choking on Pride  hinterließ dicke Fußstapfen in der deutschen HC-Szene und lief bei mir damals auf Empfehlung von Alessandro hin pausenlos rauf und runter. Obwohl  diese erste EP in Eigenregie im eigenen Keller und mit teilweise ausgeliehenem Equipment eingespielt wurde, besitzt das Ding eine ungeheure Durchschlagskraft. Dementsprechend erfreut war ich, als lifeisafunnything eine neue 7inch der Hardcore-Band aus Paderborn und Köln ankündigte, diesmal in Zusammenarbeit mit dem Würzburger Label Beyond Hope Records. Ebenfalls supergeil ist natürlich, dass lifeisafunnything bei jeder Veröffentlichung zuverlässig an uns denkt und uns mit lecker Promo-Vinyl versorgt. Dieses Ausgelaugt-von-der-Arbeit-nach-Hause-kommen-und-freundliche-Post-vorfinden versüßt den Feierabend enorm. <3

Die kleine Scheiblette ist mal wieder sehr schön anzusehen, mein Exemplar leuchtet giftgrün und ist durchsichtig, das gute Stück gibt es aber auch noch in grün mit schwarzen Sprenkeln. Wer das Vinyl schonen will, findet beiliegend einen Download-Code. Mit dem praktischen Wende-Cover stellt sich natürlich die Frage, wo vorne und hinten ist, zudem habe ich Probleme, die Bedeutung der Fotos herauszufinden. Vielleicht liegt’s an meinem Tunnelblick? Auf der einen Seite ist jedenfalls ein Typ zu sehen, der eine Fackel in die dunkle Nacht hält, auf der anderen Seite ist ein Kapuzen-Träger mit ‘ner Teekanne in der Hand zu erkennen, der mit einem Strick um den Hals an einem kleinen Bäumchen festgebunden ist. Abgefahren irgendwie. Im Innenteil, in welchem die lesenswerten Texte abgedruckt sind, ist dann noch ein Bild mit einem Messer zu finden, das sich gerade an das Durchsäbeln eines Strickes macht. Vielleicht ist das der Strick vom Frontcover?

Obwohl die Songs schon seit einiger Zeit über Bandcamp zu streamen waren, habe ich tapfer ausgeharrt, bis das Vinyl eingetroffen ist, was eigentlich verdammt schwer auszuhalten war. Aber so hat man einfach das Gefühl, ein Stück der Musik in den Händen zu halten. Ich mag das einfach, im Textblatt zu Stöbern und während des Hörens das Cover zu wenden und zu drehen, daran zu schnuppern usw., ihr kennt das sicherlich auch zu gut. Bereits bei den ersten Tönen war mir klar, dass ich auch diese EP in mein Herz schließen würde. Unglaublich, die vier Songs toppen meiner Meinung nach die Aufnahmen der Choking On Pride-EP um Längen. Klar, im Presseinfo steht’s: für Aufnahme und Produktion ist mal wieder die geniale Tonmeisterei verantwortlich. Erneut exzellent abgeliefert: Fett und gnadenlos kratzen die Gitarren, klar und kraftvoll wummert das Schlagzeug. Und deutlich sind die abnormal geilen Bass-Lines (z.B. bei Malediction)  zu vernehmen. Die Gangshouts kommen super zur Geltung, laut genug aufgedreht könnte man fast meinen, dass ungefähr 30 Jungs und Mädels mit im Raum wären und sich die Seele aus dem Leib brüllen. Auch das zu vernehmende Geschrei aus dem Off bei Floating Life  kommt hammergeil.

Nachdem ich das ständige Wenden der 7inch satt hatte, bin ich dann letztendlich doch bei der Download-Version gelandet. Denn: mit jedem weiteren Durchlauf bin ich mir sicher: die Jungs leben ihre Musik, da steckt mehr dahinter als ein paar hippe Klamotten, Kritzi-Kratzi am ganzen Körper oder überdimensionalen Dumbo-Tunnels. So und nicht anders sollte moderner Hardcore klingen: Im Punk tief verwurzelt, vor Spielfreude strotzend, die Faust empor gestreckt. Giver geben einen Scheiß auf gängige Trends und ziehen irgendwie ihr eigenes Ding durch, gerade der Gesang besticht durch abwechslungsreiche und eigenständige Vorgehensweisen. Hier wird nicht nur in einer bestimmten Tonlage einfach drauflosgebrüllt, wie bei diesen ganzen Melodic-HC-Bands, deren Sänger alle identisch klingen. Hier wird mit letzter Kraft und mit voller Intensität mal gegröhlt, mal gelitten. Bei Tunnel Vision  z.B. erinnert mich einer der melodischen Gesangsparts an Kid Dynamite, während mich die schnelleren Passagen an so US-Bands wie z.B. Betrayed denken lassen. Im Presseinfo fällt der Vergleich mit Expire, gerade bei dem eben erwähnten Song passt das ganz gut, auch sehe ich Parallelen zu den kürzlich vorgestellten Time’s Tide. Die ganze Bandbreite der Band bekommt ihr übrigens beim letzten Song Floating Life  präsentiert: hier trifft rohe Energie auf melodische Gitarren, gleichzeitig tobt ein tosendes Moshgewitter, selbst ruhigere Klänge finden hier ihren Platz. Verdammt, es wird wirklich Zeit, die Band endlich mal live zu erleben.

9/10

Facebook / Bandcamp / lifeisafunnything