EP-Vierer: Death Of Youth, Disabler, Juna, Old Soul & Lentic Waters

Death Of Youth – “Lichter” (Keep it a Secret Records)
Deutschsprachigen Screamo mit jeder Menge Punkspirit bekommt ihr auf dieser 4-Song-Debut-EP geboten. Vor wenigen Tagen noch das nette Video zu “Scheitern” auf Empfehlung von Alex/Miss The Stars begutachtet, trudelte auch schon die Anfrage der jungen Mainzer HC/Punk/Noise-Band ein. Nun denn, die vier Songs bolzen schön chaotisch drauf los, die rohe Energie ist auf einer Spielzeit von zehn Minuten ganz gut eingefangen. Die Jungs umschreiben ihren Sound selbst als “irgendwo zwischen Fjort, Escapado und Jungbluth”, das trifft es eigentlich ganz gut, ich würde noch ein wenig Bremer-Schule-Hardcore dazugeben. Neben persönlichen Lyrics kommen auch politische Themen wie z.B. die Flüchtlingsproblematik zur Spache. Zweifel und Weltschmerz dringen aus jeder einzelnen Pore heraus. Und ich dachte bisher, dass in Mainz alle fröhlich wären. Naja, wenn man auch nur mal zehn Minuten “Mainz bleibt Mainz wie es singt und lacht” durchhält, muss man sich echt fragen, warum nicht alle Jugendlichen dieser Stadt so ‘ne Band wie Death Of Youth gründen.
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Disabler – “Aggressive Negativity” (DIY)
Bösen, dunklen Chaos-Mosh-Hardcore gibt’s von den Jungs aus Edmonton auf die Ohren. Hört mal in den Song “Tamas” rein, frickel quietsch mosh chaos noise grind. Der EP-Titel bringt den Sound ganz schön auf den Punkt. Hmmm, hab den Pressewisch eigentlich nur mal kurz überflogen , dabei stach mir v.a. in die Augen, dass als Einflüsse Sachen wie z.B. Fuck The Facts, All Pigs Must Die, KEN Mode, Born Against und Catharsis genannt werden. Ja, das passt. Keine Ahnung, mir persönlich läuft der Sound im dunklen Kämmerlein nicht so gut rein, live würde mich das eher ansprechen. Wer aber auf die genannten Bands abfährt, der sollte sich das Ding schnell mal greifen, ist ja quasi für umme.
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Juna – “On Courage” (DIY)
Vor einiger Zeit schrieb ich ein paar Zeilen zu verschiedenen Releases der Band Nurture aus Athens/Georgia, nun machte mich deren Schlagzeuger Sasha Schilbrack-Cole auf seine zweite Band Juna aufmerksam, die dieser Tage ihr zweites Release veröffentlichten. Auch hier sitzt Sasha an der Schießbude, auch hier bekommt man in erster Linie sehr traurigen Emo, etwas Post-Rock und Post-Hardcore geboten, zudem ist das Ganze angereichert mit massig Melancholie, die Band selbst verwendet die Attribute Slowcore und Sadcore. Die sechs Songs laufen mir echt gut rein und läuten den kommenden Herbst mit lauten Glocken ein. Bedächtige Passagen, die an Bands wie Appleseed Cast erinnern, wechseln sich mit lauteren Sounderuptionen ab, hinzu kommt ein wenig Elfen-Melodramatik á la Mew, Elliott scheinen auch ein großer Einfluss zu sein. Das tolle Coverartwork passt ganz gut zur Musik, da es in die gleiche Kerbe schlägt. Ach so, was ich auch noch erwähnen könnte: Das Album wurde von Joel Hatstat, dem Basser von Cinemechanica gemastert. Also, checkt das Teil an, eine wunderschöne Platte für den Herbst!
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Old Soul & Lentic Waters – “Split 12inch” (Maniyax Records)
Vielleicht können sich einige von euch erinnern: Vor ein paar Wochen besprach ich schon einmal ein Split-Release der Jungs von Old Soul, damals mit der obskuren Balkenband Nic/We Don’t Have A Name. Nun folgt also direkt im Anschluss eine neue Split mit der Münsteraner Band Lentic Waters. Die drei Old Soul-Stücke sind gewohnt stark, bewegen sich musikalisch im Dreamo-Bereich, grob gesagt ist das eine stimmige Mischung aus Postrock/Posthardcore und Screamo. Der über 7½-minütige Opener zeigt gleich eindrucksvoll die verschiedenen Facetten der Band auf. Auch der Love Lost But Not Forgotten Coversong ist sehr gelungen. Mich erinnert die Schreistimme des Sängers immer an den Typen von New Day Rising. Old Soul machen meiner Meinung nach das Rennen auf dieser Split, soll jetzt aber nicht heißen, dass Lentic Waters nicht spannend wären, sie machen halt nur eine etwas düstere, doomige und heavy Form von Screamo, was mich eher runterzieht. Witzig ist, dass mir auch hier New Day Rising als erstes in den Sinn kommt. Zum laut/leise Screamo gesellt sich eine Prise Blackmetal, Dark Hardcore und heavy Crust.
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Die kleine Nostalgie-Ecke: Flyer-Fotografie Teil 7

Ich will diese Runde der Flyerfotografie mit einem netten Kommentar unseres Lesers Zirkustier beginnen, der mir sehr gefiel und die Sache mit diesen angestaubten Flyern eigentlich ganz gut auf den Punkt brachte:
“Ach die guten alten Flyer….zusammen mit “Mundpropaganda” mal wichtigstes Kommunikationsmittel für bevorstehende Veranstaltungen…
..ich weiss ja auch nicht, aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass in den Zeiten der fotokopierten Fanzines, dem Tapetauschen per Post, und dem Briefe schreiben per Hand etc die Kommunikation innerhalb der Szene ne “bessere” war als in der heutigen Web 2.0 Welt.
Aber wahrscheinlich wird dieser Eindruck daran liegen, dass ich langsam zum alten Sack werde, dessen Sätze ausschliesslich noch mit “Früher…” anfangen. ;)”.
Wie wahr, also, lasst uns in Nostalgie schwelgen und ein paar dieser versifften Flyer aus den 90ern und den Nullerjahren bewundern. Und natürlich betone ich auch dieses Mal wieder ausdrücklich, dass es hier in Sachen Urheberrecht sehr schwierig ist, die Gestalter um Erlaubnis zu fragen, da sie mir meist unbekannt sind. Wenn irgendeiner der Flyer hier nicht erscheinen soll, dann gebt uns bitte Bescheid. Ach ja, und weiß irgendwer, wo zur Hölle in Weingarten das Fundus war? Absolute Leere in meinem Oberstübchen…


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EP-Vierer: Lovechild, Nausae, PSSGS & Silver Lining

Lovechild- “Migraine Music” (Mayfly Records)
Hmmm, das Albumcover ist so ein Mischmasch aus zusammengewürfelten Black Flag-Balken und 90er Lost-And-Found-Billig-Albumcoverentwürfen. Und trotzdem spricht es mich an. Was hab ich mir schlechte Platten bei L&F bestellt. Bomb Wedemark, hehe. Lovechild hätten damals bestimmt auch ins Konzept von Lost & Found gepasst. Eigentlich wäre es ja mal wieder an der Zeit, dass ein paar dieser Punkkids, die die Kohle ihrer neureichen Eltern in den Arsch geblasen kriegen und nicht wissen, dass man hochwertige Marken-Skateboards, prall gefüllte Geldbörsen und schweineteure-Handys/Tablets  nicht einfach so in der Ecke am Skateplatz liegen lassen sollte, mal wieder nach Strich und Faden ausgebeutet werden sollten, hehe. Naja, Lovechild klingen jedenfalls nach angepisstem Hardcorepunk mit ein wenig Crossover, ich fühlte mich an einigen Stellen an die Dirty Rotten-EP erinnert, an anderen wiederum an Insted, Turning Point, The Accüsed oder Sick Of It All. Klingt verrückt, aber ballert echt gut nach vorne. 7/10
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Nausae – “The Hue, A Veil” (DIY)
Vorsicht, Verwechslungsgefahr! Hier handelt es sich nicht um die Crust/Grind-Band Nausea aus Los Angeles, die seit Mitte der 80er ihr Unwesen treibt, sondern um eine neuere Screamo/HC-Band namens Nausae aus Bochum. Die Jungs haben nach ihrer letztjährigen Demo nun mit The Hue, A Veil  ihre erste EP veröffentlicht, vorab schon mal als Digitalrelease zum Name Your Price-Download, später sollen die vier Songs auch noch auf Vinyl erscheinen. Darauf befinden sich vier Songs mit einer Spielzeit von zwanzig Minuten, den Song Antecedent Stream  kennt man schon vom Demo. Die Songs besitzen allesamt eine düster-traurige Stimmung, die ganz gut zum kommenden Herbst passen. Den sehr guten Texten merkt man an, wieviel Herzblut und Poesie in der Sache steckt. Mir gefallen v.a. die Passagen, in denen es ruhiger wird und der Bass zum Vorschein kommt, die Gitarren vor sich hinklimpern und sich das Ganze steigert und eine dichte Screamo-Soundwand entsteht. Gerade der Song There Be Dragons  zeigt dieses laut/leise-Ding ganz gut, zudem finde ich die melodische Gitarrenmelodie ganz schön groovy, die bei 1:50 um die Ecke linst. Für Leute, die gerne Screamo im Stil französischer Bands a la Amanda Woodward hören, könnte diese EP also interessant sein. Mit dem Albumcover hätte man sich aber mehr Mühe machen können. 6/10
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PSSGS – “Selftitled” (Fear Of Heights Records)
Schon das Intro zur Debut-EP der Darmstädter Band hat mich meine Öhrchen anspitzen lassen, bei den restlichen drei Songs hüpfte dann  mein 90er Emo/Post-HC-Herzchen erst recht im Dreieck herum. Mannometer, was für ein starkes Debut! Laut Pressetext sind hier ehemalige Leute von Acheborn und The Data Break am Werk, diese Bands zählten bereits Ende der Neunziger und Anfang der Jahrtausendwende zu meinen Lieblingen. Ich fühle mich jedenfalls beim Anhören der Songs eben in jene Zeit zurückversetzt, in der ich völlig unbedarft auf ein Konzert im Juze gegangen bin und dort eine mir bis dahin völlig unbekannte Band gesehen habe, die mir vom ersten Ton an glänzende Augen beschert hat und von der ich so gefläsht war, dass ich mein ganzes Geld am Merch-Stand für Tapes und Singles rausgeschmissen habe und ich lieber verdurstet wäre, als auch noch auf ein Shirt zu verzichten. Genau so ein Deja-Vu-Erlebnis hatte ich also beim ersten Mal des Anhörens, auch nach mehreren Durchläufen verspüre ich die dringende Lust, zu einer Show der Jungs zu gehen. Die Gitarren kommen echt geil, der gegenspielende Bass gehört zu dieser Art Musik ebenso, wie das kraftvoll gespielte Schlagzeug mit viel Crashbecken und der leidend emotionale Gesang. Im Presseinfo werden Daitro und JR Jewing als Referenzen genannt, ich würde noch Bands wie Blue Water Boy, Tupamaros, Parades End, Thursday und At The Drive-In dazu addieren. Das Ding gibt es als Tape in handgemachter Holzhülle, lecker! Will ich haben. 8,5/10
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Silver Lining  – “I Hope I’m Still Around” (DIY)
Verdammt, so und nicht anders sollte Hardcore klingen. Ich kann mir die Jungs echt gerade im vergammelten Studio vorstellen, nachdem sie die Songs eingeprügelt haben und sich völlig verschwitzt ein kleines Bierchen genehmigen und dabei den Sänger anstacheln, dass er noch mehr aus seinen Stimmbändern rausholen soll, als er es eh schon tut. Silver Lining kommen aus Canberra, der Planhauptstadt Australiens. Wer jemals Bill Brysons Reiseroman Down Under gelesen hat und auch noch niemals selbst in Canberra verweilt hat, wird bereits ein Bild von der Stadt vor Augen haben, welches durch die intensive Musik von Silver Lining nur noch deutlichere Konturen erhält. Jedenfalls pendeln die Jungs in ihren Texten zwischen Verzweiflung, Wut und tief sitzenden Emotionen hin und her, was sich durchaus in der Musik wiederspiegelt. Ich finde die Stimme des Sängers enorm geil, die Gitarren und das kraftvoll gespielte Schlagzeug klopft ordentlich und trotz der ganzen Power kommt die Melodie im Song nicht zu kurz.  Und im Vergleich zur letztjährigen EP hat sich produktions- und spieltechnisch einiges getan, das zeigt sich zudem auch optisch, denn das Cover finde ich dieses Mal sehr gelungen. 7/10
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Das Letzte vom Monat: September

Ancst - “In Turmoil” [Stream]
Die Berliner Blackmetal/Crust-HC Formation hat auf diesem Release ein paar Out-Of-Print Tapes, ein paar Splitsongs, das erste Demo und ‘nen neuen Song zusammengefasst. Kurz gesagt kann man sich einen schönen Überblick über das Schaffen der Band aus der Zeit zwischen 2012 und 2014 verschaffen. Hört euch zum Antesten den Song Entropie  an.

 


Characters – “Selftitled” [Name Your Price Download]
Klingt interessant, was das Trio aus Las Vegas da für ‘nen Sound fabriziert. Der Grundtenor besteht aus Emo/Pop-Punk, dazu gesellt sich immer wieder eine fiese Heavy-Metal-Sologitarre und mit Delay-Effekten und Studiotechnik wird auch nicht gegeizt, manchmal gibt’s dann noch so kleine twinkle twinkle-Gitarren, die man von Bands wie Algernon Cadwallader her kennt. Kann man sich ruhig mal anhören.


Dikembe – “Mediumship” [Stream]
Ach ja, Dikembe. Schöne Platte, aber der ganze Wirbel, den manche Leute drum machen, kann ich absolut nicht nachvollziehen. Dennoch finde ich die Songs erwähnenswert, da mich das Zeug irgendwie an Elliott erinnert, auch wenn mich die Songs nicht annähernd so berühren, wie es die Songs von Elliott getan haben. Hört trotzdem rein, nehmt euch Zeit dafür.


Dog Years – “We Thought We Were So Cool” [Name Your Price Download]
Drei poppige Emorocksongs im Stil der Get Up Kids, Jimmy Eat World oder Taking Back Sunday gibt es von diesem jungen Quartett aus Atlanta auf die Ohren. Alles zwar schonmal dagewesen, aber da es gut gemacht und schön produziert ist, kann man da ruhig mal reinhören.

 

 


Field Mouse – “Hold Still Life” [Stream]
Die US-Band Field Mouse umschreibt ihre Musik mit Post-Goth. Ich würde noch eine Prise Grunge, zuckersüßen Indie-Gitarrenrock mit tollen Melodien und etwas Shoegaze-Emo dazuaddieren. Der Frauengesang setzt dem Ganzen dann noch das Sahnehäubchen auf. Eigentlich eine tolle Sommerplatte, die gute Laune macht. Und das Albumcover macht sich sicherlich ganz schick auf einem Schallplattenkarton.


Left Astray – “Don’t Look For Me” [Stream]
Auf dem Albumcover steht mal wieder ein Typ einsam und verlassen in der Landschaft rum, daher ist es keine Überraschung, dass in der Biographie der kalifornischen Band Left Astray etwas von Sadcore Hatepunx gefaselt wird. Wenn ihr auf lärmenden HC/Punk mit chaotischen Screamo/Crust könnt, dann solltet ihr die Band mal antesten.

 


Lion House – “Drancy” [Name Your Price Download]
Mitreißenden Emo/Screamo/Post-Hardcore mit traurigen Melodien und teilweise schrägem Gesang/Geschrei gibt es von Lion House, einem Trio aus Kansas City/Missouri auf die Ohren. Den Punk/DIY-Background hört man jedenfalls deutlich raus. Tolles Debut!

 

 


Punch – “They Don’t Have to Believe” [Stream]
Wenn Du wissen willst, wie es sich anfühlt, von ‘nem Youth Crew-Panzer überrollt zu werden, dann ist das neue Punch-Album genau das Richtige für Dich. 15 Songs in 19 Minuten lassen wenig Zeit für Verschnaufpausen, wer mit Punch bereits in Kontakt gekommen ist, wird sowieso hin und weg sein, alle anderen werden sich danach fühlen, als ob sie 20 Energydrinks und 3 Liter Kaffee zu sich genommen hätten. knüppeligen HC/Punk/Powerviolence mit keifender Frau am Gesang. Kann man nicht besser machen. Wer die Band noch nicht gesehen hat, hat auch schon wieder Pech, denn Sängerin Meghan hat die Band vor ein paar Tagen verlassen.


Rookie Town – “Rooted Feral” [Name Your Price Download]
Vom 2012er Album der Jungs aus Washington  war ich seinerzeit sehr angetan, gerade die Kombination von melodischem Punkrock mit immer wieder auftretenden Hardcore-Ausbrüchen passte irgendwie sehr gut. Auch auf der neuen EP wird dieser Stil weiter verfolgt, die Songs sind aber viel besser und druckvoller produziert als auf der Debutscheibe. Auch wenn diese Art von Musik ihre Hochzeit längst hinter sich gelassen hat, hört man aus den Songs die Spielfreude und den Spaß der Band heraus. Tipp für’s Mixtape: Forever Pageantry.


Various Artists – PYLON Mixtape#1 [Name Your Price Download]
Der gute Daniel von der Wiener Post-Punk-Band Lorraine hat neben seiner Band auch noch ein kleines Distro unter dem Namen PYLON laufen und hat dieser Tage ein digitales Mixtape veröffentlicht, welches auch bald als Tape erscheinen wird. Von der Band-und Songauswahl her ist das Teil erste Sahne, z.B. gibt es neben einem brandneuen Song von eben Lorraine noch zehn andere tolle Bands aus dem Post-Punk/HC/Emo-Bereich zu entdecken, unter anderem auch Sachen, die wir hier ebenfalls schon abgefeiert haben  (Rollergirls, El Camino Car Crash, Duct Hearts, etc). Checkt das unbedingt an.


 

Steve From England – “Departed” (DIY)

Als ich vor ein paar Jahren zum ersten Mal von der Band Steve From England hörte, hatte ich irgendwie ein Bild von einem rothaarigen, grobschlächtigen Engländer mit extrem abstehenden Ohren, schiefen Zähnen und dickem, sonnenverbranntem Bierbauch vor mir. Zu allem Übel stellte ich mir vor, dass dieser Typ frittierte Süßigkeiten mit Ketchup und Majo zu seiner Leibspeise zählen und seine in ranzigem Fett gebratenen englischen BSE-Glibber-Gummibärchen sicher gern mit dem ein oder anderen schalen Ale runterspülen würde. Dass man davon schlechte Zähne bekommt und ein bisschen matschig in der Birne wird, versteht sich ja von selbst, die schlechte Laune ist dann eh schon vorprogrammiert. Jaja, die Engländer, das Inselvolk, dessen Entwicklung von jahrhundertlanger Inzest und hohlem Hooliganismus geprägt ist, hihi.  Aber kommen wir zur Band Steve From England, die eigentlich ja gar nicht aus England kommt, sondern aus Hannover, zudem scheinen die Bandmitglieder weder verwandt noch verschwägert zu sein. Keine Ahnung also, was es mit dem Bandnamen auf sich hat, hoffe, ich bin in kein Fettnäpfchen getreten, hehe.

Jedenfalls war ich bereits damals vom Stil der Band überrascht, der Bandname führte mich wirklich total in die Irre. Vermutete ich anfangs irgendwelchen schrecklichen Schottenrock, reckte ich meine Fäuste zum absolut geilen melodischen Hardcore, den man auf dem Debut-Album Serenity Is Just A Relic  und auf der Rooney! EP  auf die Ohren bekam. Anscheinend ging es nicht nur mir so, laut Presseinfo wurden die Jungs damals wohl im Metal-Hammer-Magazin zu den “Helden von morgen” erklärt.  Solche Infos würden an mir echt vorbeigehen, danke für den Hinweis. Nun, Seelenstreicheleinheiten tun natürlich auch Bands ganz gut und trotz des ganzen Herzbluts, das in viele Bands gesteckt wird, kann das ein oder andere Ereignis ja bekanntlich zur Auflösung einer Band führen, wenn dann auch noch Besetzungswechsel ins Haus stehen.

Obwohl die Hannoveraner Jungs zwischen dem Debutalbum und der EP bereits einen Gitarristenwechsel hinter sich hatten, entschlossen sie sich, nach dem Horrorszenario des Ausstiegs von Sänger Dorian mit einem neuen Sänger ein weiteres Album zu wagen. Im sechsten Bandjahr ist also mit Matze ein neues Mitglied an Bord und seine Stimmbänder vibrieren so derbe gut, als ob er von Anfang an dabei gewesen wäre. Witzig dabei ist es, dass Matze eine ähnliche Stimme wie sein Vorgänger hat. Zu dem Sound passt so ein heiseres und intensives Geschrei auch am Besten, das transportiert Emotionen, das berührt mich. Die Gitarren spielen diese melodischen Soundteppiche, in die ich mich reinlegen könnte. Und immer wieder zockt die eine Gitarre noch ‘ne geilere Melodie über die andere drüber und ich trommle im Schlagzeugrhythmus auf meiner Brust herum. Bei Neverfailing Hope  hört man dann extrem gut den Bass raus, ich feier den Song ab. Ich versuch jetzt mal was: ältere Grade treffen auf frühe As Friends Rust und Stretch Arm Strong und dieser Mischmasch wird zuerst von Section 8 und danach von Just Went Black gecovert.  Boah, was für ein Hirnfick!

Steve From England verstehen sich als DIY-Band, daher kam es auch nie zu einer Zusammenarbeit mit irgendwelchen Plattenlabels. Alle Releases können kostenlos digital heruntergeladen werden, wer dennoch eine schön gestaltete Digipack-CD haben möchte, kann sie direkt bei der Band bestellen. Schade finde ich jedoch, dass der CD keine Texte beiliegen. Was aber gefällt: die CD mit der für Bands aus dem HC-Sektor ungewöhnlichen Covergestaltung ist sehr stylisch aufgemacht. Obwohl das ja auch schon wieder andere musikalische Inhalte vermuten lässt, bekommt man zehn tolle Melodic-HC-Songs in knapp 30 Minuten geboten. Im Vergleich zu den bisherigen Veröffentlichungen gesellt sich auf dem neuen Album zum klassischen Melodic-HC auch noch eine schöne Post-Hardcore-Kante dazu. Geile Scheibe.

8/10

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EP-Vierer: Moral Straightjacket, Orphan, Phobos & Static is a City

Moral Straightjacket – “Into the Light” (DIY)
Das Duo aus Irvine/Kalifornien ist der Inbegriff einer kleinen Liebhaber-Band und der Inbegriff einer kleinen Hobby-Band. John und Lucas sind zwar sehr produktiv und so ist “Into the Light” schon ihr 5. Output innerhalb von zwei Jahren. Doch alle Veröffentlichungen sind EPs, die zudem nur online erscheinen. Inhaltlich ist die Band äußerst tief, mit politischen, religiösen und geschichtlichen Inhalten, aber auch mit zunehmend stärkerem persönlichen Bezug. Die Musik, die ist ähnlich wie zuvor. Die Band spielt einen Mix aus Indie-Rock und verschrobenen Emo/Postcore (Daniel Striped Tiger, Moss Icon) und erzeugt dabei eine einmalige, teils melancholische, teils kryptische Atmosphäre. Wie selten zuvor sprüht das Duo vor coolen Einfällen und purer Spielfreude. Nach der, meiner Meinung nach, nicht ganz so starken “s/t”-EP von Ende 2013, ist “Into the Light” wieder eine klare Steigerung – sowohl vom Sound, als auch vom Songwriting her. Wer die Band eh schon liebt, wird auch den neuen Stoff mögen. Wer nicht, sollte Moral Straightjacket antesen! Ach ja, die aktuelle EP wurd vor kurzem übrigens wieder von Bandcamp genommen… warum auch immer! Dafür gibt’s die 4 EPs davor allesamt zum “Name Your Price Download”. 8/10
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Orphan – “Grow. Shine. Wither. Die.” (DIY)
Wer sich in der österreichischen Indie-Szene ein bisschen auskennt, der weiß, dass in Linz viele interessante Bands gedeihen. Orphan sind eine davon. Ihre Debüt-EP kam Ende Mai raus und ich kann nur eins sagen: Wer etwas für chaotischen, noisigen Hardcore übrig hat, sollte hier unbedingt mal reinhören. Als Vorbilder dienen wohl Klassiker der Marke Converge, Botch und Coalesce. Die 6 Songs behalten trotz allem Noise stets einen gewissen Punk-Charakter, gehen direkt nach vorne und werden nie länger als 3 Minuten. 6/10
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Phobos – “Bad Seed” (DIY)
Schon wieder Linz? Ja, auch Phobos kommen aus der oberösterreichischen Landeshauptstadt. Mein erster Eindruck, nachdem ich das Plattencover (Melvins anyone?) sah war folgender: “Das ist 90er-Musik, ohne wenn und aber”. Liest man die Bands, die Phobos anscheinend beeinflusst haben (Melvins, Nirvana, Tool, Mudhoney), bestätigt sich dieser Gedanke umso mehr. Und tatsächlich spielen die Linzer einen kriechenden, schleimigen, basslastigen Hardrock-Sound, der auch was vom großen Grunge oder dem alten Postcore/Noise-Sound (Unsane oder Jesus Lizard sind nicht allzu fern) hat. Keine Neuerfindung oder so, aber das Gefühl wurde sehr glaubwürdig und ohne jeglichen Bullshit eingefangen. 6/10
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Static is a City – “s/t” (Ideas)
Hier sind ehemalige Mitglieder von Milemarker und Dahlia Seed am Werk – beides waren 90er-Postcore/Emo-Bands, die eher unter dem Radar liefen… wobei zumindest Milemarker eine gewisse Bekanntheit innerhalb der Szene erlangten. Bei Static is a City hört man diese langjährige Erfahrung übrigens schnell raus, denn das Ganze klingt nicht nur gekonnt, sondern vermittelt auch ein reifes Feeling. Die Songs sind jetzt nicht übertrieben progressiv oder gar hart, doch sie leben auch nicht von platten Hooks oder Power-Chords. Stattdessen ist das Songwriting relativ subtil und detailverliebt, allerdings nicht so, dass man das Gefühl bekommt überfordert zu sein oder Leute zu hören, die eh nur angeben wollen. Ihr wisst schon, das sind diese Songs, die dir schon beim ersten mal irgendwie gefallen, die du dir aber öfter anhören musst um sie vollends zu schnallen. Schöne Verbindung aus Tradition und Moderne jedenfalls und obendrauf noch recht eigenständig. Ich mag’s! 7,5/10 
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A Forest – “Grace” (Analogsoul)

Das eindrucksvolle Video zu The Shepherd  haben wir ja bereits in unserer letzten Videosammlung gepostet, nun ist dieser Tage das Album Grace  bei mir eingetrudelt, welches ab dem 02. Oktober erhältlich sein wird. Das Ding kommt in einer schön gestalteten, aufklappbaren Kartonstecktasche, in der neben der CD auch noch ein ebenfalls schick designtes Booklet Platz hat. Was ein wenig schade ist, sind die fehlenden Songtexte, aber da man den Gesang gut wahrnehmen kann, ist das eigentlich kein Problem.

Dafür wird man von einem Text entschädigt, der anhand einer fiktiven Erzählung  die  Geschichte eines kleinen Jungens namens Flagboy  erzählt. Die Songtitel sind in die surreale Geschichte eingewoben, so dass wir es hier ohne Zweifel mit einer Art Konzeptalbum zu tun haben. Konzeptalben find ich meistens gruselig, aber das hier finde ich wirklich furchtbar spannend. Mit diesem Hintergrundwissen bin ich noch ein bisschen mehr angetan vom genialen Video zu The Shepherd.

Das Trio aus Leipzig und Berlin geht sehr experimentell an die Sache ran, in diesem Album steckt sicher enorm viel Arbeit, etliche Gedanken und jede Menge Herzblut. Die Jungs musizieren seit 2009 zusammen und nach zwei frühen Veröffentlichungen und drei Jahren Funkstille sammelte sich die Band neu und ging bei den Aufnahmen zum Album andere Wege wie bisher. Anfangs war ich etwas skeptisch, weil mich die Haupt-Gesangstimme nicht auf Anhieb ansprach, doch mittlerweile muss ich sagen, dass die neun Songs mit jedem weiteren Durchlauf eine ganz besondere Magie entwickeln, v.a. laut aufgedreht im Kopfhörer funktioniert die Mischung aus Electronica, Singer/Songwriter, Hip-Hop, Soul und Indie enorm gut. Neben Flagboy  und The Shepherd  hat es mir v.a. der Song Surfaces  angetan, der mir in dieser Version um Längen besser gefällt, als in der ursprünglichen Version, von der auch ein Video verfügbar ist. Das hier klingt wie eine reduzierte Mischung aus Ghostpoet, The Notwist, Joy Divison, Nitzer Ebb und The Whitest Boy Alive, wobei der Schwerpunkt eher im elektronischen Bereich zu finden ist. Soll heißen, hier gibts analoge Synthesizer, smoothy Schlagzeug-Grooves, eine dunkle und eine etwas hellere Männerstimme und massig viel Klangerlebnisse zu hören.

Was ich an A Forest sehr sympathisch finde, ist dieser DIY-Gedanke, der mir an allen Ecken und Enden entgegen springt. Ich bin mir eigentlich fast sicher, dass die Jungs eine Punk/Indie-Vergangenheit haben. Besucht doch mal die Plattform des Musik/Künstler-Kollektivs und stöbert dort ein wenig, lest das Manifest, die Idee hinter der ganzen Sache. Sät Samen, erntet einen Wald.  Da wird mir ganz warm ums Herz, da berührt mich diese eigenartige Musik noch mehr.

Ich weiß, dass die meisten unserer Leser wahrscheinlich gelangweilt gähnen werden, weil hier keine verzerrten Gitarren mit derbem Geschrei drauf sind, aber vielleicht gibt’s den ein oder anderen openminded und melancholischen Emo-Jünger, der mit den traurigen und geheimnisvollen Soundscapes im Ohr in die unbekannte Welt von Flagboy eintauchen möchte.  Ich für meinen Teil bin jedenfalls seit neuestem auf der Suche nach Bandsalat-Nestern im Wald.

8/10

Facebook / Bandcamp / Stream (noisey) / Homepage


 

Pup – Mabu

Könnt ihr euch noch an die Abwrackprämie erinnern, die aufgrund der Wirtschaftskrise 2008/2009 eingeführt wurde, um den drohenden Kollaps zu verhindern? Angeblich warten fünf Jahre nach dieser Sache immer noch tausende Antragsteller auf die Auszahlung ihrer Abwrackprämie. Doof auch, hätten sie lieber mit ihren alten Schrottkübeln ähnliche Dinge angestellt, wie die Jungs der Punk-Band PUP aus Toronto, das hätte sicherlich mehr Freude gemacht.

 

“mEMOries” Part 7, von und mit Boys’ Club

Mit unserem neuen Langzeit-Projekt “mEMOries” möchten wir nicht nur einem unserer Lieblings-Genres huldigen, nicht nur die Moderne mit der Tradition verknüpfen, nicht nur neue Bands empfehlen… nein, wir möchten diese auch direkt zu Wort kommen lassen! In “mEMOries” schreiben neue Emo-Bands, die uns irgendwie ans Herz gewachsen sind, frei Schnauze über ihre persönliche Lieblings-Emo-Platte. Wenn alles nach Plan läuft, haben wir in den nächsten Monaten um die 20 “mEMOries”-Teile zusammen, welche wir dann in irgendeiner Form gebündelt und am besten “handfest” veröffentlichen wollen – also quasi ein übergroßes Booklet mit Sampler, auf dem alle beteiligten Bands mit je einem Song vertreten sein würden. Wir freuen uns schon jetzt wahnsinnig auf die nächsten Teile und machen weiter mit dem Beitrag von Zac Houston (Boys’ Club).

ENGLISH: With our new longtime-project “mEMOries” we want to give credit to one of our favourite musical styles, we want to connect the new with the old, we want to recommend new bands and of course we want them to be an active part of it. The idea of “mEMOries” is simple: New Emo-Bands talk about their personal favourite Emo-album. If everything pans out the next few months we will have like 20 “mEMOries”-parts – the collected texts will then be released along with a sampler on which every participating band will be featured with one song. We’re already looking forward to the next parts and hope you do the same. Until then enjoy “Part 7″ from Zac Houston of Boys’ Club. Weiterlesen

Videosammlung: A Forest, Astpai, FJØRT, Pascow, Science, Tiny Moving Parts

Der Sommer ist zu Ende, die Sommer-Badevideos sind abgedreht, deshalb gibt es mal wieder eine Sammlung mit ein paar Musikvideos.


Am 02.10.2014 erscheint auf Analogsoul das neue Album von A Forest. Die musikalischen Einflüsse reichen von Electronica bis zu Hip-Hop und Singer-Songwriter. Das Video zu “The Shepherd” entwickelt mit seinem Tape-Monster eine eigentümliche Anziehungskraft. Sommer-Badevideo Nr.1:

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LP-Vierer: Cadaver Em Transe, Ohios, Howling Fantods & Rescuer

Cadaver Em Transe – “Selftitled” (DIY)
Was war das doch auch immer ärgerlich, als man in Teenagerjahren sein sauer verdientes Taschengeld in billige BASF-Kassetten investierte, um von irgendwelchen unzuverlässigen Leuten die tollsten Schallplatten überspielt zu bekommen, die man sich mit dem kargen Taschengeld niemals hätte leisten können. Nur doof, dass diese Typen die Leerkassetten entweder gleich in Bares umsetzten, um sich billigen Klebstoff zu kaufen oder unfähig waren, auch nur den Namen der aufgenommenen Band auf das Tape zu schreiben. Klar, für euch tunatic-verwöhnten Kids von heute wird das irgendwie befremdlich klingen, aber es gab Zeiten, in welchen man nicht genau wusste, zu welchem Sound im Walkman man sich gerade die Eier am Skateboard verbeulte. Was war ich froh, als ich eines Tages eine Adrenalin-OD-Platte kaufte und die Songs eines meiner unbeschrifteten Lieblingstapes erkannte. Warum ich euch das erzähle? Nun, die brasilianische Band Cadaver Em Transe erinnert mich an diese Tape-Zeit von früher, da sie irgendwie vom Sound her genau so klingt, als ob sie von ‘nem unbeschrifteten Tape in eurem 80er-Walkman vor sich hinleiern würde. Stellt euch eine Mischung aus Berurier Noir, Fugazi, Sisters Of Mercy und den Dead Kennedys vor, mischt das mit ein wenig Verbal Assault und neueren Bands wie Arctic Flowers und Infinite Void, haut einen immensen und übersteuerten Bass obendrauf, ergänzt das ganze um ein paar elektronische Spielereien.  Irgendwie hypnotisch, die portugiesischen Texte zeigen ebenfalls Wirkung, wenn meine Knie nicht so kaputt wären, würde ich glatt meinen Walkman aufsetzen und das Skateboard rocken. (Kleiner Nachtrag: Das mit dem Skaten war doch keine so gute Idee, Montag lass ich mich krankschreiben, haha) 7/10
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Ohios – “Faceless” (Famèlic Records)
Manchmal frage ich mich, warum es so lange dauert, bis man so eine geile Band wie Ohios entdeckt. Da surft man stundenlang durch die Bandcamp-Welten, liest etliche Underground-Musik-Blogs, blättert unzählige Fanzines und Mailorderkataloge durch und liest obendrein neben den -Musik-Empfehlungen der Tageszeitung auch schon mal Kiosk-Zeitschriften mit Punkbackground, selbstverständlich bekommt man ganz schön heiße Tipps von Freunden/Freundinnen und darf natürlich die Anfragen der Bands nicht vergessen, wenn man ein Zine oder einen Blog betreibt. Tja, wie ich auf die spanische Band Ohios gestossen bin, kann ich zum heutigen Zeitpunkt leider nicht mehr nachvollziehen. Jedenfalls hatte ich zum Entdeckungszeitpunkt die geniale Idee, die Bandcamp-Seite zu den Lesezeichen im Browser zu legen. Von Zeit zu Zeit räume ich da auch mal auf, und dabei entdeckte ich dann das Album der Spanier, das zwar bereits im Februar erschien, aber welches ihr euch unbedingt anhören solltet, falls ihr euch eine geniale Mischung aus Emo-HC und Grunge vorstellen könnt und euch von sattem Bassgeplänkel und geilen Gitarrenmelodien Honig um die Nase schmieren lassen wollt. Die Gitarren rocken ohne Ende, ich bin hin und weg. 7/10
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Howling Fantods  – “The End of Howling Fantods” (DIY)
Mein schwaches Punkerherz, das bei jeder körperlichen Anstrengung und manchmal auch bei unvorhersehbaren Schreckmomenten ein wenig arhythmetisch vor sich hinpocht, hüpft  bei den Songs der Punkband Howling Fantods  aus Philadelphia trotzdem ganz schön kräftig rum.  Keine Ahnung, solche Bands mag ich einfach. Da setzt der Bass ein, manchmal spielt der auch ein Riff, dass auch von Fugazi sein könnte, das Schlagzeug rumpelt und klingt wie ein sterbender Trabi-Motor, da und dort ‘ne Rückkopplung und die Gitarre hört sich an, als ob sie bald mal gestimmt werden sollte, der Sänger wickelt sich das Mikrokabel um den Hals und schreit am Mikro vorbei ins Publikum, während der besoffene Typ am Bühnenrand verzweifelt versucht, die Setlist zu klauen.  Dag Nasty/Uniform Choice und Reason To Believe treffen auf Algernon Cadwallader. Die lassen ihre nervigen twinkle-Gitarren ausnahmsweise mal im Keller und experimentieren lieber mit Rückkopplungs-Gepiepse und fiesen Punk-Solo-Gitarren, die Guns-N-Roses-Slash den Hut samt angeklebter Lockenperücke vom Kopf blasen würden. Up The Punxxx! 7/10
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Rescuer – “Anxiety Answering” (No Sleep Records)
7777,7 das war heute morgen der Kilometerstand meiner geliebten Ape 50, als ich beim Bäcker die Frühstücksbretzeln abgeholt habe. Na, ihr habt es bestimmt schon geahnt, natürlich waren das sieben Stück an der Zahl.  Hey, was für ein Zufall, das Wort Rescuer besteht auch aus sieben Buchstaben. Hoppla, das Wort Anxiety besteht ebenfalls aus sieben Buchstaben.  Answering sind 8 Buchstaben, die 8 ist auch auf dem Albumcover zu sehen!  Zufall? Ist das die Antwort auf alle Fragen? No Sleep! Aaaargh, das sind ebenfalls sieben Buchstaben! Records (wieder 7!)? Oh Gott. Ich dachte immer, 23 wäre eine magische Zahl. (8+7+8…Gänsehaut…). Ich muss hier raus, ausbrechen…Glücklicherweise sind auf dem aktuellen Release der Band aus Florida (zählt die Buchstaben, aarrgghh) nur zehn Songs drauf, die dauern knapp 30 Minuten.  In 30 Minuten kann man sich schon in was reinsteigern. Mit dem Rescuer-Sound im Ohr dürfte das nicht schwer fallen. Solch eine Mucke hört man am Besten, wenn die Gedanken gerade beim Sackhüpfen sind.  7/10
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Iselia – “ii: Dawn” [lifeisafunnything]

Vor einiger Zeit schrieb ich schon einmal was über das neue Werk der US-Band Iselia, damals war das Album gerade digital in Eigenregie der Band erschienen und hatte bei mir mächtig Eindruck hinterlassen, so dass ich mich entschloss, aus eigenen Stücken ein Review dazu zu verfassen, das ihr übrigens hier nachlesen könnt. Nun,  knapp ein halbes Jahr später, bekomme ich ein liebevoll verpacktes Plattenpaket aus dem Hause lifeisafunnything (<3), aus welchem mir nach der üblichen Plattenbescherungszeremonie die wunderschöne Iselia-LP in die zittrigen Finger gleitet.

Ja, ich weiß, ich hab damals ein bisschen über das Albumcover gelästert, da es im Screamo/Emo-Bereich zu der Zeit immer wieder Plattencover mit doof in der Landschaft rumstehenden Typen zu bestaunen gab, bei Iselia durfte dieser Typ dann ausnahmsweise mal sitzen. Wie so oft, wirken diese Bandcamp-Cover natürlich im kleinen Digitalformat wie prächtige Landschaften, die man mit verkehrt herum gehaltenem Fernglas betrachtet.

Hält man das Cover aber in LP-Format auf dicken Karton gedruckt in den Händen, wird man fast dazu verleitet, sich neben den Typen ans Ufer zu setzen und den Herbsttag in vollen Zügen zu genießen. Das Foto hat irgendwie ‘nen 3D-Effekt und während ich die im Gegensatz zur eher düster wirkenden HDR-Landschaft kanarienvogelgelbe Vinylscheibe auflege und das Intro (World In Discord)  ertönt, kommen die Kinder rein und meinen beim Anblick des Covers, dass sie am Liebsten mal wieder Baden gehen würden. Das ist der Beweis, dass dieses Cover besser funktioniert, als irgendein teuer aufgemachtes Tourismus-Prospekt, zumindest bei Kindern. Aber Baden muss warten, Paps hört erst noch ein wenig Musik. Ach, und bevor ich’s vergesse: neben gelbem Vinyl gibt es wohl auch noch blaue Exemplare.

Nachdem mir die Songs von Iselia in den letzten Monaten immer mehr ans Herz gewachsen sind, freue ich mich natürlich umso mehr, dass ich sie nun in Form dieser tollen LP in meiner Sammlung stehen habe. Es ist so viel besser, ein Textblatt in den Händen zu halten und jede Zeile mitzulesen, und ja, die Songs klingen auf Vinyl noch intensiver, ich kann mich noch tiefer in die Musik reinversetzen, als ich es bisher getan habe, gerade die Gitarren hauen mich regelrecht vom Hocker.

Mit der Detailgenauigkeit eines Soziogramms des bemerkenswerten Künstlers Mark Lombardi bohren sich die einzigartigen Songarrangements in meine empfindlichen Ohren, ich höre bei den leisen Passagen Bands wie z.B. Dredg oder Elliott zur False Cathedrals-Phase, bei den lauteren Passagen kommen mir Bands wie Envy, Pianos Become The Teeth oder Rainmaker in den Sinn. Das hier ist die dritte geile Vinylveröffentlichung von lifeisafunnything in Folge, das Label ist daher auf gutem Wege, was Sympathie und Bandwahl anbelangt und zählt eigentlich schon jetzt zu meinen einheimischen Lieblingslabels der letzten Jahre.

8,5/10

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Renounced – “The Melancholy we ache” (Carry the Weight)

Renounced. Das sind ex-Abolition-Leute. Abolition waren eine nicht allzu langlebige Metalcore-Band aus London, die mit ihrem rauhen 90er-Metalcore im Stile von Morning Again oder Integrity voll in mein Herz trafen. Nicht ganz so begeistert war ich dann von der Renounced-Demo vom letzten Jahr, die moderner und fetter klang und so nicht nahtlos an den Abolition-Kram anschloss…

“The Melancholy we ache”, das Debütalbum von Renounced, kickt mich hingegen heftig. Ob das daran liegt, dass dieser Sound auf Albumlänge mehr Wirkung erzielt? Ja und Nein. Ja, weil die Londoner natürlich mehr Zeit haben und in dieser Zeit mehr Trümpfe ausspielen können. Nein, weil die Songs hier einfach besser sind. Es wird einem hier nix vorgemacht, nix vorgelogen, von wegen “neuer, eigener Sound” oder “Zigaretten und Videospiele beeinflussen unseren Sound”. Nein! Never. Niemals! Das hier ist reines Spät-90er-Metalcore-Worshipping und es wird auch so verkauft. Die Jungs lieben 7 Angels 7 Plagues, Poison the Well, This Day Forward und Skycamefalling. Und genau so, nicht anders… genau SO klingt “The Melancholy we ache” dann auch. Es gibt natürlich Parts, die schamlos bei erwähnten Bands abgekupfert sind oder sich so ähnlich anhören, dass man dies zumindest vermuten muss. Doch, nunja, dieser relativ spezielle Stil ist halt doch beschränkt und wenn man den dann so puristisch wie Renounced nachspielt, dann kommt eben sowas Nostalgisches bei raus. Die Basis besteht natürlich aus groovigem Mosh. Dazu addieren die Jungs oft knüppelige Parts und/oder Gitarren, die dezent metallischer sind als bei erwähnten Bands. Da schielen dann auch Martyr A.D. oder Disembodied um die Ecke! Nicht fehlen dürfen natürlich diese heulenden Gitarren-Licks sowie die epischen Melodiebögen, die dann gerne in einem noch epischeren Breakdown gipfeln. Die Breakdowns sind phasenweise so überzogen, dass ich auch Evergreen Terrace anno “Burned alive by Time” in die Referenz-Kiste werfen muss. Veredelt von kurzen, (halb-)akustischen Einsprengsel, die stark im Fahrwasser von 7A7P, PTW oder deren Quasi-Nachfolgeband A Jealousy Issue stehen, ist das hier die musikalische Essenz dieses Sounds. An der Vocal-Front gibt es dezent eingesetzte, manchmal annähernd gesungene Wörter (siehe PTW) und ziemlich heftiges, emotionales Geschrei, dass mich immer wieder an die hervorragende Schrei-Arbeit auf This Day Forward’s “The Transient Affects of Light on Water” denken lässt.

Ob Kopie oder Huldigung, entscheidet selbst, doch wer mit erwähnten Bands/erwähntem Sound was anfangen kann, der wird 2014 wohl nichts besseres finden. Es ist gut, dass Renounced ihrer Linie von Anfang bis Ende hin so treu bleiben und nicht probieren innovativ zu sein. Denn dieser Sound wurde Ende der 90er eh schon perfektioniert. “The Melancholy we ache” ist Nostalgie pur. Oder sozusagen: Nostalgie, richtig gemacht.

8/10

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Aviator – “Head In The Clouds, Hands In The Dirt” (No Sleep Records)

In fünf Jahren Bandgeschichte haben die fünf Jungs aus Boston/Massachusetts schon eine Latte an Zeug veröffentlicht, das reichte von ein paar EP’s und Split-EP’s über einzelne Songs bis hin zu einer EP mit Coversongs. Mit Head In The Clouds, Hands In The Dirt  folgt nun der erste Longplayer. Was sich auf den bisherigen Releases bereits angekündigt hat, wird hier mit einer unglaublichen Präzision weiter geführt.  Zu Beginn ihrer Schaffensphase klangen Aviator noch eher wütender und waren näher am Screamo/Hardcore dran, bis im Laufe der Zeit immer mehr Emo/Post-Hardcore-Elemente in den Sound einflossen und Aviator so irgendwo zwischen den Genres einpendelten. Begutachtet man die gecoverten Bands auf der 2014-er Covers-EP, dann kann man sich ungefähr vorstellen, wohin die Reise auf dem aktuellen Album geht. At The Drive-In, Piebald, Bear Vs. Shark, As Tall As Lions.

Aviator zeigen in zehn Songs und fast 35 Minuten Spielzeit eine ausgeklügelte Balance zwischen emotionalem Hardcore/Screamo á la Touché Amore, Defeater und Emo-rockigen Klängen, die an Bands wie z.B. Thrice oder Thursday erinnern, wobei das Ganze durch groovige, aber auch bedächtig traurige Parts abgerundet wird. Die Gitarren fetzen einerseits richtig los und türmen sich zu dichten Soundwänden auf, nur um andererseits im nachfolgenden Part wieder ein paar genial verspielte und melancholische Melodien aus dem Ärmel zu zaubern. Falls ihr mal so einen richtig schönen Kontrast haben wollt, dann solltet ihr als erstes dem genialen Forms (les feuilles mortes)  lauschen. Hier kommen sogar neben richtigem Gesang und diesem emotionalen Leidensgeschrei zum Ende hin Streicher zum Einsatz, was das darauffolgende I Hold Myself In Content  nur noch mächtiger erscheinen lässt.

Die Schönheit dieses Albums entfaltet sich aber erst so richtig nach mehreren Durchläufen. So dachte ich nach der ersten Runde noch, ach ja, klingt eigentlich ganz nett, das muss ich nochmal in Ruhe hören, am besten mal im Herbst, wenn es um den Kopf herum etwas neblig ist und ich voller Freude im Dreck bzw. Laub rumwühle, wie ich das im Herbst von Zeit zu Zeit gerne mache. Nach dem zweiten Hördurchlauf aber wollte ich dann doch nicht mehr so lange warten, da bereits da klar wurde, dass ich dieses Album noch öfters hören würde. So entdeckt man bei weiteren Hörerlebnissen dann z.B. so manchen lässigen Basspart, den man zuvor noch nicht so intensiv wahrgenommen hat oder sinniert über die nachdenklichen Texte, welche die Melancholie in manchen Songs nur noch unterstreichen. Mit diesem Album im Rücken und dem Wechsel zu No Sleep Records könnte es also nicht mehr lange dauern, bis Aviator zusammen mit Bands wie z.B. Touché Amore und La Dispute in einem Atemzug genannt werden.

9/10

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