Quergehört: Dark Hansen, Forget The Hate, Forgotten Generation, Morning Sun, Slow Bloom, Typesetter, Ura, When There Is None

Dark Hansen – “Schluessel” (Tief in Marcellos Schuld) [Stream]
Manchmal wird man vom Bandnamen ja schon etwas abgeschreckt, so ging es mir zumindest mit den vier Flensburgern von Dark Hansen. Den Namensbackground hab ich jetzt mal nicht recherchiert, lieber hörte ich mir aufmerksam das Debutalbum der Jungs an, das nach der 2012er EP die zweite Veröffentlichung der Band ist. Auf dem Album bekommt ihr fünf deutschsprachige Songs mit ordentlich Schmackes. Den Stil würde ich als einen Bastard aus Hardcore, Metal, Punk, Sludge und etwas 90er Bremer Schule umschreiben, lustigerweise kam mir die Band Angstzustand in den Sinn, nach etwas Recherche im Netz erfuhr ich, dass hier Ex-Leute von eben dieser Band mitmischen. Da das Vinyl so gut wie ausverkauft ist, hat sich die Band entschlossen, die Songs in digitaler Form auf Bandcamp anzubieten. Kann man sich schon ärgern, denn den Fotos im Netz nach zu urteilen, schaut die liebevoll gestaltete Vinylversion echt schick aus. Um die verschiedenen Facetten Dark Hansens zu überblicken, eignet sich am Besten der Opener Ausgemacht.


Forget The Hate – “The Mind and the Matter” (DIY) [Stream]
Nach einer EP und diversen Songs gibt es nun das erste Album der Straight Edger aus Oklahoma. Wenn ihr auf Posi-Melodic Hardcore steht, der mit fetten und geilen Gitarrenmelodien und leidenschaflich herausgebrüllten Vocals versehen ist, die auch gerne mal in Cleangesang abdriften, dann solltet ihr das Teil echt mal anchecken. 10 Songs voller Energie, da möchte man sich gerade in den nächsten Circle Pit stürzen. Im Vergleich zu dem meiner Meinung nach absolut hässlichen Albumcover kann mich die Musik der Jungs ziemlich mitreißen. Mich erinnert der Sound ein wenig an die Australier von Day Of Contempt zur The Will To Live-Phase, auch Bands wie Gateways oder Hundreth kommen mir in den Sinn.


Forgotten Generation “Mirrors” (DIY/Deadbeat Records) [Name Your Price Download]
Eins vorweg: So einen Hit wie Why Can’t You Breathe  auf der letzten EP sucht man hier vergeblich. Blendet man mal das Intro aus, das nicht wirklich notwendig gewesen wäre, dann bleiben drei Songs, die aber trotzdem ganz nett anzuhören sind. Am hitverdächtigsten ist eigentlich der letzte Song Same Day.  Die Neuseeländer klingen im Großen und Ganzen sehr nach Jahrtausendwenden-Emocore, mir gefällt weiterhin, dass sie sehr energiegeladen zu Werke gehen. Die Songs haben schöne Melodien und können mit schönen Chören punkten, zudem wissen die Gitarren zu gefallen. Das Ding gibt’s als Name Your Price Download, also nix wie ran an die Buletten.


Morning Sun – “2014 Tape” (DIY) [Name Your Price Download]
Das Albumcover ist ja einerseits ganz lustig, aber andererseits zeigt es auch, was bei DIY alles rauskommen kann. Ich find’s eigentlich fast schon wieder cool. Jedenfalls passt es zur Musik des Trios aus Stockholm/Schweden. Im Presseinfo ist zu lesen, dass sich die zwei Herren und die Dame aus Mitgliedern der Bands Anchor und No Omega zusammensetzen und die Einflüsse von Bands wie Jawbreaker, Mineral und Dinosaur Jr stammen. Ich füge noch Texas Is The Reason dazu und kann dem nur zustimmen, das hört sich nach gitarrenorientiertem, etwas traurigem Emo mit ganz viel 90′s Indie-Rock-Kante an. Vom Instrumentalen her gibt’s nix zu meckern, was mich persönlich etwas stört, ist die dunkle Stimme des Sängers, der sich eher an Ian Curtis oder Morrissey orientiert, aber das ist Geschmacksache.


Slow Bloom – “Selftitled” (DIY) [Name Your Price Download]
Mitglieder von State Faults und Strike To Survive haben sich zusammen getan und haben die ziemlich neue Band Slow Bloom gegründet. Wie schnell das heutzutage geht, das ist verrückt. Naja, jedenfalls wurden kurzerhand diese drei Songs im Proberaum eingeprügelt, so wie sich die Aufnahmen anhören hört sich das wie live aufgenommen an. Will sagen: viel Energie, perfekt abgemischt. Stilistisch bewegen sich die vier Jungs im Bereich Hardcore, Punk, Post-Hardcore. Klingt ziemlich oldschoolig, teilweise kommen Surf und Grunge-Einflüsse dazu. Nicht schlecht, geht gut ins Ohr, v.a. Deep Space  ist ein kleiner Ohrwurm.


Typesetter – “Wild’s End” (Black Numbers) [Stream]
Hey, ihr 90′s verliebten Emo-Punker und Mediendesigner, hier kommt das Debutalbum der Shoegaze-Emo-Punks aus Chicago. Nach zwei starken EP’s verwöhnen euch die vier Jungs mit zwölf Songs, die den bisherigen Veröffentlichungen in nichts nachstehen. Wenn ihr auf die alten Hot Water Music schwört und Iron Chic abfeiert, dann solltet ihr den Jungs ‘ne Chance geben, ihr werdet nicht enttäuscht werden. Manchen Stellen klingen vielleicht ein wenig zu glattgebügelt, im nächsten Moment wird das aber durch ein paar Rückkopplungsgeräusche ausgeglichen, zudem ist der Punkbackground des Quartetts im Vordergrund (haha, Background/Vordergrund). Ich persönlich find ja den Song Sunday Best  ganz schnuckelig.


Ura – “Selftitled” (DIY) [Name Your Price Download]
Ura kommen aus dem Baskenland und machen ziemlich geilen DIY-Vegan-Polit-HC-Crustpunk, natürlich wird in der Landessprache gekeift. Nach einem atmosphärischen Instrumental-Intro folgen vier düstere Songs, die Dir ordentlich die Gehörgänge freipusten. Herausragend finde ich den polternden Bass, zudem hat die Sängerin eine unglaublich gute Keifstimme, die zu dem restlichen Gebolze außerordentlich gut passt und dem Ganzen einen Hauch von Apokalypse gibt.


When There Is None – “Warpaint” (Rockstar Records) [Stream]
Drei Akkorde, Aschenbecherstimme und massig Melodie im Gepäck, so präsentieren sich die vier Jungs auf ihrem mittlerweile zweiten Album. Auf Konserve kann mich das Ganze zwar nicht so richtig vom Hocker hauen, live würde ich mir die Aachener jedoch sicher anschauen, wenn sie mal in die Nähe kämen. Wer neben Leatherface, Hot Water Music oder Hüsker Dü ständig auf der Suche nach ähnlichem Sound ist, sollte hier ruhig mal reinhören.


Asthenia – “4 Songs” 10inch (DIY)

Japanischer Hardcore/Screamo hat mich irgendwie schon immer fasziniert. Das begann irgendwann in den 90ern, als ich die Band Bloodthirsty Butchers entdeckte und deren selbstbetiteltes Album in einem kleinen örtlichen Plattenladen käuflich erwarb. Mitte der Neunziger und um die Jahrtausendwende herum war ich natürlich der Band Envy verfallen, durch das Internet tauchte ich danach öfters mal in die japanische Szene ein, die mir bis heute exotisch, geheimnisvoll und mystisch erscheint und mich auch unbekanntere Bands wie z.B. Swipe oder Kulara entdecken ließ. Vor einiger Zeit erschien nun jedenfalls eine tolle 5-Way-Split (Co-Release von Time As A Color, Stereo Dasein, SNCL, Red Panda, Mom Says; Be Polite!, Désertion), auf welcher ein verdammt geiler Song der mir bis dato völlig unbekannten japanischen Band Asthenia vertreten war. Fortan machte ich mich auf die Suche nach weiteren Songs der Band und bemerkte, dass es extrem schwierig sein kann, an die bisherigen Veröffentlichungen der Japaner irgendwie ranzukommen. Alles, was ich im Netz fand, waren irgendwelche Live-Mitschnitte auf Youtube, sowie einen weiteren Song auf der Bandcamp-Seite der Band, der mich noch hibbeliger werden ließ, siehe weiter unten.

Nun denn, in meiner Verzweiflung kontaktierte ich also Hiroshi Sasagawa, seines Zeichens Sänger bei Asthenia sowie bei der chaotic HC/Emo/Black-Metal-Band Umberlite. Dadurch erfuhr ich, dass die 10inch für den europäischen Markt momentan lediglich beim britischen DIY-Distro Strictly No Capital Letters zu bekommen ist. Da Japanimporte ganz schön teuer sind, bleibt zu hoffen, dass sich irgend jemand berufen fühlt und das Teil auch bald in irgendeinem deutschen Mailorder zu bekommen ist. Fürs Erste war Hiroshi jedoch so freundlich, mir die Songs in digitaler Form für ein Review zur Verfügung zu stellen, was natürlich den Appetit auf die Vinylversion noch mehr wachsen lässt, weil die vier Songs nur erahnen lassen, wie viel  zusätzliches Herzblut im Artwork zum Cover und im Textheftchen stecken.

Den ersten Song der 10inch mit dem Titel 踏み絵 kann man übrigens auf der Bandcamp-Seite streamen, dieser Song besitzt so eine tiefe Intensität, hier explodieren die Emotionen wie ein mächtiges Feuerwerk, da wird mir gleichzeitig kalt und warm. Die Gitarren sind einfach göttlich und spätestens, wenn die zweite Gitarre einsetzt und die leisen Passagen mit dem halb gesprochenen Gesang sich ruckartig zu einem Gefühlsausbruch mit sich überschlagendem Schreigesang und genial verzwirbelten Gitarren steigern, dann grinse ich äußerst zufrieden vor mich hin. Was für eine Gefühlsgranate von Song. Das erinnert vom Stil her an die großartige Split der beiden US-Bands Instil und Gray Before My Eyes, die mir sehr viel bedeutet. Das ist 90er Emocore vom Feinsten, wenn ihr Indian Summer, Parades End, Native Nod oder Bob Tilton zu euren Lieblingen zählt, dann werdet ihr sicher auch ruckzuck Asthenia in euer Herz schließen.

Die nachfolgenden drei Stücke sind ebenso intensiv wie Hölle, man merkt den Songs die Herzlichkeit und die Zerbrechlichkeit an, die gefühlvoll gespielten Gitarren, das leidenschaftlich, manchmal vertrackt und arhytmisch gespielte Schlagzeug, die zweite Schreistimme, die noch schrecklicher leidet…hier stimmt einfach alles. Und wenn sich die ersten Klänge des letzten Songs  チェック項目 mantra-artig in Deine Eingeweide einnisten, dann machst Du die Augen zu und stellst Dir vor, wie Du direkt im Proberaum oder in einer anderen kuscheligen Location zum Sound von Asthenia auf Wolke sieben schwebst. Außerdem hoffst Du insgeheim, dass dieser Mantra-Part niemals vorübergeht, flippst aber trotzdem total aus, wenn der  Song an Intensität gewinnt, die Gitarren lauter werden und das Chaos ausbricht. Auch wenn ich von den Texten kein Wort verstehe: Asthenias Musik berührt mich zutiefst. Ich bin mir sicher, ich würde ‘ne 10 springen lassen, wenn ich die 10inch in den Händen halten würde.

9/10

Bandcamp / Homepage


 

MNMNTS & Withers – “Split 7inch” (Fear Of Heights & Moment Of Collapse)

Manche Labels oder Bands stellen Zwangsneurotiker wie mich auf unglaublich harte Proben. Jetzt plaudere ich mal ein wenig aus dem Nähkästchen, damit ihr meine furchtbaren Qualen auch etwas nachvollziehen könnt. Also, hin und wieder kommt es vor, dass Wochen vor dem Release-Termin eines Tonträgers ‘ne Anfrage reinkommt, für die man dann auch prompt Interesse signalisiert. Täglich wird nach Zusage des Versenders der Postbote drangsaliert, stündlich der Briefkasten gecheckt. Nichts, Nada, Niente. Das geht Wochen so weiter, man grübelt, macht sich Gedanken: hat der Postbote etwa was verbummelt, hat einer der Junkies aus dem Nachbarhaus das Päckchen aus dem Briefkasten geklaut? Beim Absender nachzufragen getraut man sich dann doch (noch) nicht, man will sich ja nicht als kleinlichen Spießer outen. Das Ding bleibt anschließend so lange auf dem Noch-zu-Erledigen-Board kleben und sticht bei jeder Anmeldung auf der Seite blinkend ins Auge, man erleidet Höllenqualen. Man spielt mit dem Gedanken, die Anfrage einfach zu löschen, besinnt sich aber dann und fragt vorsichtshalber mit ganz schlechtem Gewissen doch mal direkt beim Versender nach…

…und erhält natürlich prompt die Antwort, dass es leider Verzögerungen im Presswerk gab. Hauptverzögerungsgrund war wohl laut Aussage des Labels der fucking Record Store Day im April, die Pre$$werke waren mit schrottigen und überteuerten $onderpre$$ungen beschäftigt, die wahrscheinlich mittlerweile ungehört in irgendwelchen Plattenregalen verschimmeln. Ein gefühltes halbes Jahr später halte ich nun also dieses Release endlich in den Händen und alles, was mir in diesem Moment durch den Kopf geht, ist, endlich die verdammte Anfrage vom Noch-zu-Erledigen-Board zu löschen. Boah, ich bin so scheiße unentspannt in solchen Dingen, ich könnt meterweit kotzen, das sind echt schwerwiegende Probleme.

Die 7inch rausgefriemelt und die MNMNTS-Seite behutsam auf den Plattenspieler bugsiert, komm ich bei den ersten Klängen des vierminütigen MNMNTS-Songs so gut drauf, dass ich mich frage, wie verdammt schwer es wohl eigentlich für die beteiligten Bands und das Label war, auf dieses Release so lange zu warten. So etwas zermürbt unheimlich. Zudem ist es ungewiss, ob es von MNMNTS in Zukunft weitere Aktivitäten geben wird. So wie es aussieht, verabschiedet sich die Band nach sechsjähriger Bestehenszeit mit diesem Song und widmet sich neuen Aufgaben. So ist das Solo-Projekt Perfect Youth von Sänger Philipp mittlerweile zur Band angewachsen, zudem entstand die Band ANTISØHN. Aber zurück zum Song: Im Vergleich zu den bisherigen Veröffentlichungen gibt’s keine einschneidenden Veränderungen, hier bekommt ihr emotionalen 90er Emo-Post-Hardcore mit hammermässigen Gitarren und verdammt intensiven Lyrics, die auf dem Backcover der 7inch mit ausdrucksstarker Handschrift zu Papier gebracht wurden. Ich liebe handgemachte Handschriften.

Mit dem Stil der österreichischen Band Withers wurde ich bis jetzt persönlich nicht warm, aber der etwas über einer Spielzeit von zweieinhalb Minuten liegende Song Delusions Of Grandeur läuft mir überraschenderweise ziemlich gut rein, da er weniger chaotisch strukturiert ist und mit flirrenden Gitarren flott nach vorne flutscht. Zudem klingt das hier weniger nach Metal sondern mehr nach HC-Punk und D-Beat mit unterschwelligen Melodien. Obendrein passen die beiden Bands musikalisch sehr gut zusammen. Wer auf 90er Emo-Bands wie Shotmaker, Cave In oder Ghostlimb kann, ist bei diesem Release genau richtig.

Kommen wir zum Schluss noch zum einzigen Kritikpunkt, und das wäre die knappe Spielzeit von gerade mal 6:36 Minuten. Da bleibt wenig Raum für den Hörer, sich über die Bands anhand nur eines Songs ein Urteil zu bilden. Das ist aber auch schon alles, was ich zu bemängeln habe und angesichts der zwei tollen Songs in zwar düsterer, aber ansprechender Verpackung, schaue ich über diesen klitzekleinen Makel schleunigst weg.

8/10

MNMNTS Bandcamp / Withers Bandcamp / Fear Of Heights


 

Quergehört: Clique, Fossil, The Gifthorse, Healing Powers, Pacman, Plough Lines, Sheer Terror, Somerset Thrower

Clique – “Selftitled” (Kat Kat Records) [Name Your Price Download]
Seid ihr auf der Suche nach wunderschön entspanntem, zurückgelehntem Emo? So Zeugs, das man gern im Hintergrund laufen hat, während man sich einen Kräutertee aufsetzt? Dann solltet ihr mal die Debut-LP der vier Jungs aus Philadelphia antesten, welches auf dem ebenfalls aus Philadelphia stammenden DIY-Emo/HC/Punk-Label Kat Kat Records erschienen ist. Bisschen Midwest, etwas Rock, ein wenig Indie und heraus kommt eine Platte, die auch gut und gerne vor 15 Jahren oder so erscheinen hätte können.


Fossil – “Cold Side Of The Pillow” (Driftwood Records) [Name Your Price Download]
Mit zwei Sachen kann ich mich auf Anhieb anfreunden: zum einen ist das die von der Band selbst gewählte Bezeichnung “Spaghetti-Punkrock” (hmmm, lecker…) für die Musik der vier Jungs, zum anderen ist es der schöne EP-Titel, weil ich selbst ein permanenter Kissenumdreher bin, der nur auf der kühlen Seite des Kopfkissens einschlafen kann. Obwohl ich kein Hitzkopf bin, bevorzuge ich die kühle Seite des Kopfkissens, zudem sollte ein Kopfkissen schön plauschig sein. Ihr ahnt es, neben mir zu nächtigen ist kein Spaß, ständiges Wursteln, andauerndes Umdrehen und Aufschütteln, irgendwie zappelig alles, an ruhigen Schlaf ist nicht zu denken. Genauso aufgekratzt ist der Sound des sympathischen Quartetts aus Ontario. Stellt euch eine Mischung aus melodischen Touché Amore und frühen Gatherer vor, zu welcher sich ein paar Algernon Cadwallader-Gitarren gesellen. Falls ihr nach der Band im Netz sucht, solltet ihr aufpassen, dass ihr keine dieser komischen Uhren bestellt.


The Gifthorse – “Give My Body To This Town” (Poison City Records) [Stream]
Australien war im Punkrock/HC-Bereich in den letzten Jahren immer wieder außerhalb meiner Aufmerksamskeitsspanne, in letzter Zeit stieß ich jedoch permanent auf interessante Bands, denkt nur mal an die Paper Arms, an die Blind Girls, an Perspectives und Endless Heights. The Gifthorse ist ein Quintett aus Brisbane und entzückt durch geilen Emo-Pop-Punk amerikanischer Prägung, ich entdecke Parallelen zu Bands wie z.B. Samiam, Jimmy Eat World, Dag Nasty/Down By Law oder Knapsack. Ich könnte mich in die tollen Gitarrenmelodien reinsetzen, zudem freue ich mich über die Gitarrenarbeit, die permanent in Richtung Midwest-Emo rübredriftet. Die neun Songs zaubern mir jedenfalls ein fettes Grinsen in die Fresse und ich frage mich, warum es nicht mehr Bands dieser Richtung gibt, die einfach ihr Ding machen und nicht über irgendwelche Trends sinnieren. Abgesehen vom Bandnamen, welcher etliche Web-Suchergebnisse unterschiedlicher Bands dieses Namens hervorruft, kann ich nichts Negatives über die Band schreiben. Dicke Empfehlung.


Healing Powers – “Selftitled 7inch” (Get Into It Records) [Name Your Price Download]
Aus dem Nordosten Englands, genauer gesagt aus Durham, kommen die Jungs der Band Healing Powers. Seit 2012 ist die Band am Start, von Anfang an war dieser gewisse Emo-Vibe mit an Bord, der auch auf dem aktuellen Release meine Daumen nach oben zeigen lässt. Wären die Jungs live im örtlichen Juze am Start, dann würd ich spätestens beim Song Weirdos At Work ein paar ignorante Smartphone-glotzende Leute in den Arsch treten.


Pacman – “Girlfriends” (DIY) [Name Your Price Download]
Vier Jungs aus Hannover, die anscheinend zuvor unter dem Namen Girlfriends unterwegs waren, heißen aktuell nun Pacman und präsentieren auf ihrem Debutrelease eine Mischung aus krachigem Post-Punk/Emo-HC/Grunge und Noise. Der Opener Staub lässt mich jedenfalls sofort aufhorchen: Vertrackter Sound mit deutschen Texten, der sicher diverse Dischord- und Grunge-Bands zum Vorbild hat und mit einem Fugazi-ähnelnden Refrain zu begeistern weiß. Beim zweiten Song gesellt sich dann eine gewisse 80er-Deutschpunk -Attitüde dazu, Boskops/Inferno & Co lassen grüßen. Vom Instrumentalen her gibt’s nichts zu meckern, ich persönlich würde begrüßen, wenn die Jungs in Zukunft ausschließlich deutsche Texte verwursten würden, denn die englischsprachigen Songs klingen im Gegensatz zu den deutschen recht dürftig.


Plough Lines – “Selftitled” (Wolftown DIY/Barely Regal Records) [Stream]
Auf der mittlerweile zweiten EP der Emopunk-Band aus Manchester bekommt ihr drei wunderschöne Songs, der Schwerpunkt liegt hier bei 90er Emo á la Sunny Day Real Estate, Mineral oder Boilermaker, auch werde ich manchmal an die ersten Sachen von Appleseed Cast oder an Bands wie The Cherryville erinnert. Also eher alles im Midtempo-Bereich gehalten, schön laid-back und mit geilen Gitarren und ‘ner Menge Herzblut. Für’s Mixtape würde ich mal Further Still empfehlen. Sehr schönes Release.


Sheer Terror – “Standing Up For Falling Down” (Reaper) [Stream]
Nach 18 Jahren Albumpause veröffentlicht die NYHC-Legende eine dermaßen explosiv geladene Platte, nach deren Hörgenuss sich junge Hardcorebands vorkommen dürften, als ob Ihnen von Paul Bearer himself ein Stück Fleisch aus den Waden herausgebissen und ins Gesicht gespuckt worden wäre. Im Jahr 1992 war das Ugly And Proud-Album sicherlich neben der Shinebox von Yuppicide meine meistgehörte NYHC-Scheibe, unvergessen bleibt auch der Gig von Sheer Terror zu dieser Zeit in der Stuttgarter Röhre. Die Band hat ihre Wut und Energie noch nicht verloren, überzeugt euch selbst.


Somerset Thrower – “Falling Swingers” [Stream]
Warum hab ich diese EP nicht schon im Hochsommer entdeckt? Was wäre es schön gewesen, mit diesen Ohrwürmern hier am Badesee abzuhängen oder sich beim Skateboardfahren die laue Sommernachtsluft durch die lichten Haare wehen zu lassen. Naja, ich kann mich da drüber eigentlich gar nicht aufregen, da man diesen Sound eigentlich das ganze Jahr über abfeiern kann. Obwohl die vier Songs echt mal catchy as hell rüberkommen, bleibt die dreckige Note immer präsent. Das Ding wär der Renner gewesen, als Nirvana mit Nevermind am Start waren. Somerset Thrower packen mich ohne Ende mit ihrer Mischung aus Emo, Grunge und Punk. Wenn ihr Down By Law, Favez zur Gentlemen Start Your Engines-Phase, Samiam, Minor Threat, The Marshes und Brand New Unit zu euren Lieblingen zählt, dann ist das hier so gut, wie vier Richtige im Lotto.


Diana Lagarto – “Selftitled” (La Agonía de Vivir)

Wer zur Hölle ist Diana Lagarto? Das darf man sich angesichts des Bandnamens schon  mal fragen, oder? Auch wenn ich jetzt die Energie der ununterbrochenen Jahresleuchtkraft von zehn Glühbirnen bei meinen verschiedenen Suchanfragen beim googeln verbraten habe, so weiß ich jetzt wenigstens, dass Diana Lagarto die Hauptfigur in der 80er-TV-Serie “V – Die außerirdischen Besucher kommen” war und von der US-Schauspielerin Jane Badler gespielt wurde. Nebenbei habe ich übrigens auch noch erfahren, dass Jane Badler im Jahr 1972 zur Miss New Hampshire gewählt wurde  und heutzutage eine Schönheitsfarm in Florida unterhält.

Aber genug gestalkt, kommen wir zu der Band Diana Lagarto, die ich definitiv um einiges spannender finde als die schauspielerische Leistung von Jane Badler. Die vier Jungs kommen aus dem Baskenland, genauer gesagt aus Bilbao und haben sich im April 2013 gegründet. Die Bandmitglieder sind zum Teil schon bei anderen namhaften Bands wie Inserta, 5000 rpm oder Neila in Erscheinung getreten, was man auf der Debutscheibe durchaus hören kann. Diese Bands gingen logischerweise in eine ähnliche Richtung und lagen musikalisch zwischen Post-Hardcore, Indierock, Doom, Punk, Sludge und Progressive. Bei Diana Lagarto wurden diese Stile nun experimentell vermischt, so dass auf dem Album acht extrem spannende und ausschließlich in der Landessprache vorgetragene Stücke zu finden sind, die mich absolut in ihren Bann ziehen können.

Da ich der spanischen/baskischen Sprache nicht mächtig bin, musste ich also erneut die Energie der ununterbrochenen Jahresleuchtkraft von ca. 3 Glühbirnen verbraten, um bei google translate einen ungefähren Eindruck zu bekommen,  mit welchen Themen sich die Jungs in ihren Texten befassen. Aufgrund des Übersetzungsvorschlags würde ich mal behaupten, dass wir es hier mit sehr intelligenten Texten zu tun haben, die nicht mal eben kurz bei der Aufnahmesession im Studio geschrieben wurden.

Diana Lagarto gehen energiegeladen und experimentell zur Sache, die Songs sind astrein produziert und machen Lust darauf, die Band in irgendeinem besetzten Haus oder Juze schwitzend live zu erleben, denn Diana Lagarto müssen definitiv eine sehr geile Liveband sein. Diesen Eindruck wecken jedenfalls die vor Spielfreude strotzenden Songs bei mir, zudem hört man dem Sänger an, dass er sein ganzes Temperament in die Songs reinpackt. Die Musik würde ich mal unter rockigem Posthardcore verbuchen, zudem kommen da noch massig experimentelle Einsprengsel dazu, die von Crust über Emo bis hin zu Punk und Post-Rock reichen. Schönes Artwork und sehr geiles Album.

8/10

Facebook / Bandcamp / Name Your Price Download


 

 

Quergehört: Eklat, Hightower, Lizards Have Personalities, Pianos Become The Teeth, Prawn, Sierra, Riviera, We Had A Deal, Coma Regalia

Eklat - “Selftitled” [Name Your Price Download]
Zwar bereits 2011 aufgenommen, aber immer noch toll und zudem erstmals seit ein paar Tagen auf Bandcamp zu hören und dann auch noch als Name Your Price Download zu bekommen: das Debutalbum der deutschsprachigen Emo-Post-Hardcore-Band Eklat aus Hamburg. Sänger Helge war ja zuvor bei Escapado aktiv, bei Eklat geht es jedoch viel harmonischer zur Sache. Bisher waren lediglich zwei der Songs auf der tollen Split-7inch mit Yachten zu hören, wer diese schicke 7inch noch nicht entdeckt haben sollte, kann nun zumindest die Eklat-Songs als Sicherungskopie auf den Rechner ziehen.


Hightower – “Sure. Fine. Whatever.” (Knives Out Records) [Stream]
Die Pariser Band existiert seit 2013 und pfeffert uns auf ihrem 12 Songs starken Debutalbum schönen melodischen Hardcore-Punk amerikanischer Prägung vor den Latz. Der Sänger hört sich an, wie der Typ von Kid Dynamite, auch das Drumherum erinnert desöfteren an die Jungs aus Philadelphia, auch Lifetime können als Referenz herhalten. Lustigerweise ist das Album von Steve Evetts produziert, der auch bereits eben erwähnte Bands produziert hat. Schnelle, hochmelodische Punkrockparts treffen auf rotzigen Gesang und hymnenhafte Refrains, auch die Texte sind alles andere als belanglos. Ich mal mir gleich zwei gekreuzte Baguette-Brötchen in Form eines “X” auf den Handrücken, so geil ist das. Schönes Ratten-Cover-Artwork übrigens.


Lizards Have Personalities – “Selftitled” (DIY) [Name Your Price Download]
Das US-Screamo-Trio aus Kansas segnet nach fünfjähriger Bestehenszeit das Zeitliche und verlässt die Bühne mit einem letzten Album. Traurige Sache, jedenfalls stehen die Jungs ja für traurigen und melancholischen Screamo, die zehn Abschieds-Stücke dürften bei Fans von Suis La Lune, The Saddest Landscape, Tristan Tzara und Sed Non Satiata feuchte Augen hervorrufen. Schön rauh produziert, manchmal fast übersteuert bolzen die Songs nach immer wieder ruhigen und bedächtigen Post-Rock-Passagen den ganzen angestauten Weltschmerz heraus.


Pianos Become The Teeth – “Keep You” (Epitaph) [Stream]
Vermutlich wird es dieses Album bei den bisherigen Pianos Become The Teeth-Fans schwer haben, da die Band auf “Keep You” mit ihrem gewohnten Stil bricht und anstelle des screamolastigen Sounds eher mit harmonischeren Klängen experimentiert wird. Ich finde die Platte aber echt spannend und bin der Meinung, dass im fast schon ausgelutschten Screamo/Post-HC-Sektor genau solche Experimente frischen Wind aufkommen lassen. “Keep You” ist jedenfalls ein sehr emotionales Album, mit jedem Durchlauf sagt mir der “neue Stil” der Band mehr zu als das, wofür die Jungs bisher standen, auch wenn das hier mehr Mainstream ist. Mehr weinerliche Emo-Einflüsse á la Appleseed Cast und Circa Survive, weniger Screamo á la Touché Amore und La Dispute.


Prawn – “Kingfisher” (Topshelf Records) [Stream]
Von der neuen Prawn-Scheibe war ich anfangs irgendwie ein wenig enttäuscht. Das gibt es ja manchmal: man ist nicht in der Stimmung oder hat schlechte Laune, hört in dieser schlechten seelischen Verfassung in ein Album rein, das einen aber nicht sofort auf andere Gedanken bringt, worauf man dann ohne Gnade die Scheibe rauskickt und so lange sucht, bis man einen entsprechenden Tonträger findet, der dazu in der Lage ist, die Stimmung wieder anzuheben. Tja, ein paar Wochen später sieht dann die ganze Sache ganz anders aus: Die Laune spielt heute keine Rolle und man stößt zufällig auf diese eine Scheibe, von welcher man zum damaligen Zeitpunkt fast schon angenervt war. Verdammt, wie geil ist das denn? Seit diesem Zeitpunkt des ersten positiven Zusammentreffens zwischen Tonträger und Mensch sind zwar auch schon wieder ein paar Wochen verstrichen, trotzdem hat man das Gefühl, so eine Art Geheimtipp entdeckt zu haben, den man sofort der ganzen Welt mitteilen will. Also, falls irgendwer von euch Emo-verliebten Menschen da draußen hiervon noch nicht erfahren haben sollte, dann ist jetzt die Zeit gekommen, sich mit Prawn anzufreunden. Starten könnt ihr mit dem Song Dialect Of…, welcher mit den besten Schrammel-Emo-Gitarren der letzten Jahre beginnt.


Sierra – “Reality Redefined” (DIY) [Name Your Price Download]
So wie die Engländer von More Than Life in Europa etliche Leute begeistern können, hat auch Australien eine emotional-melodische Hardcore-Band, die mittlerweile auf über 11 000 likes bei Facebook kommt. Normalerweise stoßen mich solche Informationen eher ab, aber bei Sierra ignoriere ich das einfach mal. Die fünf Jungs aus Mount Gambier sind seit 2009 zusammen und veröffentlichten im September mit Reality Redefined ihr bisher bestes Release. Geile Produktion, fette und doch super melodische Gitarren, kriegserklärendes Schlagzeug und der Sänger hat echt ‘ne coole Schreistimme. Super auch die Gangshout-Chöre. Kennt jemand noch die 90er Emo/Hc-Band Temperance? Keine Ahnung, Temperance waren jedenfalls nicht so abartig bombastisch produziert, aber den Sound von Sierra würde ich mit einer Mischung aus eben dieser Band mit neueren Refused, alten Death By Stereo und ganz frühen Stretch Arm Strong umschreiben. Die neue More Than Life stinkt gegen das hier echt mal ab. Ich feier’s ab!


Riviera – “Selftitled” (Fallodischi) [Stream]
Die fünf Italiener bauen auf ihrem Debutalbum den Sound aus, den man auch schon auf den ersten zwei EP’s geboten bekam. Ich bin entzückt, hier wird auf höchstem Niveau dem Emopunk ein Ständchen gespielt, zudem ist das Ganze recht eigenständig und mit italienischen Texten ausgestattet. Die oft eingesetzten Bläser passen einfach super, die frickeligen Gitarren, die mich teilweise an frühe At The Drive-In erinnern, könnten auch nicht besser gespielt sein. Stellt euch eine fröhliche Mischung aus frühen Monochrome, Algernon Cadwallader und Appleseed Cast vor. Das Ding ist so genial, dass sich zahlreiche DIY-Labels (Black With Sap, Cause Care, Fight Or Fight!, Neat Is Murder, No Routine Records, Strigide Records, To Lose La Track, Trivel Records, Upwind Records) gefunden haben, die die Platte veröffentlichen. Ich muss zugeben, dass ich dieses Album gerne auf Vinyl hätte, und das nicht nur aufgrund des ungewöhnlichen und spitzenmässigen Albumcovers. Verdammt geiles Debutalbum!


We Had A Deal & Coma Regalia – “Split 7inch” (Middle Man Records) [Stream]
Die DIY-Screamo Band Coma Regalia liebt bekanntlich das Split-Format, seit der Split mit den Stuttgartern We Had A Deal ist übrigens erneut eine 4er-Split auf dem bandeigenen Label Middle Man Records erschienen. Nun, der Song von Coma Regalia, der aus drei verschiedenen Teilen besteht, ist gewohnt intensiv und zeigt alle Seiten der Band. We Had A Deal steuern zwei geile Stücke bei, irgendwie hat diese Band die Gabe, mich von vorne bis hinten zufriedenzustellen. Leider hab ich die Songs bisher nur im Bandcamp-Stream genossen, ich habe jedoch gehört, dass diese Split äußerst schön gestaltet sein soll. Also, Augen beim in der Distro-Kiste-wühlen offen halten. Ach ja, wer We Had A Deal noch nicht entdeckt haben sollte: die bisherigen Veröffentlichungen gibt’s alle zum Name Your Price Download bei Bandcamp. Dicke Empfehlung.


Beaver – “Cold Hands” (lifeisafunnything)

Im Rahmen der Fuck Up The Neighborhood-Reihe konntet ihr bereits im Zusammenhang mit der letztjährigen EP eine phantasievolle Geschichte zur Namensherkunft der polnischen Band Beaver lesen. Ich habe sie mir gerade nochmals durchgelesen und musste wirklich schmunzeln, eine haarsträubende Story, unter welchen Medikamenten bin ich denn beim Verfassen dieses Textes nur gestanden? Ich hoffe, die Jungs haben den Text damals nicht übersetzen lassen, haha. Falls ihr nachlesen wollt, hier geht’s zum Artikel. Aber jetzt mal Spaß beiseite, ich freute mich wie ein Schneekönig, als mir Marcus von lifeisafunnything vor einiger Zeit die Nachricht sendete, dass er die neue EP der Jungs als 7inch veröffentlichen wird. Es ist schon lustig, wie klein die Welt letztendlich doch ist und wie die Bands auf lifeisafunnything absolut meinem Geschmack entsprechen.

Kaum sind also ein paar Wochen des Wartens vergangen, trudelt auch schon ein liebevoll verpacktes Stück Vinyl aus Hof bei mir ein. Das lässt meinen Teint dann doch wieder etwas rosiger aussehen, denn nach einer Woche übler Rotzelei sehe ich momentan eher aus wie eine aufgedunsene Leiche, die man eine Woche nach dem Selbstmord aus dem Fluss gezogen hat. Freude also, denn Beaver rufen bei mir dieses tiefe Nostalgie-Gefühl hervor, das ich vorwiegend aus der geilen Zeit Mitte der Neunziger kenne, als ich in irgendeinem verqualmten Juze irgend ‘ne sagenhafte Band gesehen habe, die mich total umgeblasen hat. Fünf Bier im Schädel und ab in den Pit.

Auf der 7inch, die übrigens als Co-Release mit dem französischen Label Anarchino Records erschienen ist, sind insgesamt vier Songs drauf, über den beiliegenden Downloadcode bekommt ihr zu diesen vier Songs noch zwei weitere Stücke dazu, perfekt. Gleich mit dem ersten Song Hopeless  jagt mir ein nicht krankheitsbedingter Schauer über den Rücken, nachdem der herzzerreißende Gesang einsetzt und der absolut geile Bass im Hintergrund zu den genialen Gitarren in höheren Tonlagen rumwerkelt, ist es ab ca. Spielminute 0:35 um mich geschehen. Was für ein Auftakt. Auch das darauffolgende Cold Hands  überzeugt durch die tolle Gitarrenarbeit, manche Bands verbraten für sowas zwei Gitarristen, wodurch der Bass ja auch oftmals verschluckt wird. Mich erinnert diese instrumentale Vorgehensweise ein wenig an die alten Sachen von Ignite, die mich seinerzeit tief berührt haben. Ach ja, und der Schlagzeuger hat auch mächtig Power. Die zwei Songs der B-Seite schlagen vom Stil her in die gleiche Kerbe, hier sticht v.a. der schleppende Schlussteil von Outsider  ins Ohr. Heutzutage ordnet man so ‘nen Sound berechtigterweise unter dem Begriff Emotional Hardcore ein.

Natürlich liegt der 7inch auch ein Textblatt bei, auf welchem die Lyrics der vier Songs der Vinyl-Version als auch der zwei Bonus-Download-Songs nachzulesen sind. Die Texte sind sehr persönlich gehalten und behandeln Themen wie z.B. der anhaltenden Leere in uns, Verlust und Freundschaft. Auch das grausame Albumcover mit dem am Stock hängenden toten Raben hält unserer verrückten und an Verrohung nicht zu überbietenden Gesellschaft den Spiegel vor Augen. Zur Erklärung: es kommt leider immer wieder vor, dass diese für Rabenvögel abschreckende Sauerei von Landwirten angewandt wird, um die Ernte vor anderen Artgenossen zu schützen. Wenn man bedenkt, dass dabei 90 Prozent der angebauten Maisfläche nicht als Nahrung dient, sondern hauptsächlich in Biogasanlagen landet, während andere Menschen auf der Welt hungern, dann wird einem echt schon wieder kotzübel. Hab jetzt keine Ahnung, mit welchem Hintergedanken dieses Foto ausgewählt wurde, mich hat es jedenfalls zum Sinnieren gebracht, zudem hab ich die Anlage zornig etwas lauter als üblich gestellt.

Fazit: Man muss nicht nur US-Bands abfeiern, auch in Europa gibt es tolle Bands, die es wert sind, Unterstützung zu bekommen. Diese Veröffentlichung dürfte daher für einige von euch interessant sein, falls ihr gerne Emotional-HC, Melodic HC, oder Modern HC hört, der auch ab und an mal mit ein paar Screamo-Einlagen aufwarten kann. Eine weitere spitzen-Veröffentlichung auf lifeisafunnything. Die kleinen Scheibchen gibt’s übrigens in drei verschiedenen Ausführungen (schwarz, weiß, clear mix). Unterstützt den verrückten Kerl und bestellt euch das Ding.

8/10

Facebook / Bandcamp / Label

Dispo – “Demotape” (DIY)

Die Münsteraner Formation Dispo klingt auf ihrem 4-Song-Demo irgendwie nach der Zeit, als die Telefone noch orange, die Waschbecken grün und die Klobrillen auf öffentlichen Toiletten oder in Rathäusern noch schwarz waren. Wann zur Hölle wurden diese schwarzen Klobrillen Opfer irgendeiner Reform, die waren doch so schön pflegeleicht? Nun denn, wir sprechen also von einer Zeit irgendwann Anfang der Achtziger, als der Punk bereits schon wieder im Sterben lag und die ungefähr zeitgleich mit dem Punk aufkeimende, deutschsprachige Mischung aus New Wave und Punk unter dem Begriff Neue Deutsche Welle (NDW) kommerziell ausgeschlachtet wurde.

Um mal im Hitparadenjargon zu sprechen: von den Bands und Interpreten, die bei Dieter Thomas Heck populär wurden, kommen mir beim Anhören der vier Songs am ehesten noch die punkigeren Trio-Stücke in den Sinn, mit Nena, Peter Schilling und Markus hat das hier weniger zu tun, vielmehr erinnert der zappelige und rohe Sound des Quintetts an die NDW-Band Ideal oder aber auch an die Fehlfarben.  Der Vergleich mit Ideal kommt natürlich aufgrund des tollen Gesangs von Sängerin Jelka, auch die Synthesizer, der knarzige Bass und das reduzierte und etwas kühle Gesamtbild erinnern mich an diese großartige Berliner Band. Ab und an wird dann noch ein cooles waviges The Cure-Riff aus dem Ärmel geschüttelt, die Refrains gehen auch sehr gut ins Ohr.  Gerade das etwas über zweiminütige Bürgersteig  gefällt mir recht gut, auch Sonne,  zu welchem ihr hier ein Video ansehen könnt, ist sehr gelungen. Alles in allem ein solides Demo, wer mit Post-Punk-Bands wie Messer oder Die Nerven was anfangen kann, könnte das hier vielleicht auch gut finden, auch wenn Dispo viel Synthesizer-lastiger und damit poppiger zur Sache gehen. Irgendwie sind wir momentan nicht nur musikalisch mitten im NDW-Revival, das Ganze Drumherum inklusive Kaltem Krieg und sonstigem 80er-Jahre-Polit-Scheiß passt ja eigentlich auch ganz gut dazu.

Was mir am Demo-Tape jetzt aber eher nicht so gefällt, ist die ebenfalls minimalistische Aufmachung und Gestaltung. Aber wahrscheinlich ist das so Kunststudenten-Scheiß, den ich nicht kapiere, hehe. Das Ding ist so zurückgenommen, dass es mir Schwierigkeiten bereitet, passende Worte dazu zu finden. Das schwarze und unbeschriftete Tape ist irgendwie lieblos mit ‘ner weißen Papphülle umwickelt, welche auf der Frontseite mit ‘nem Ausschnitt aus dem Cover beklebt ist, auf der Rückseite sind die Songtitel aufgeklebt. Für Mixtape-Nerds wie mich, die ihre Tapes gern schön gestalten, mit Blümchen bemalen und selbst die längsten Songtitel ausschreiben, gibt’s eigentlich kein schlimmeres Vergehen. Das Tape ist in ‘ner 100er Auflage direkt über die Band zu beziehen. Pluspunkte gibt es für den beiliegenden Download-Code, der aber auch blöderweise blitzschnell aus der Hülle rausrutschen kann.

6,5/10

Facebook / Bandcamp


 

Video-Dreier: Client., Lygo, Wank For Peace

Client. aus Celle konnten mich mit ihrer letztjährigen EP schon überzeugen, auch das aktuelle Album der fünf Jungs ist äußerst gelungen und erinnert oftmals an die Jahrtausendwenden-Emo-Core-Band By A Thread. Wer nach dem Anschauen des Videos noch Lust auf mehr bekommt: Das aktuelle Album “Joy Is The Only Treat” gibt’s hier im Stream zu hören.


Lygo aus Bonn haben wir euch ja auch schon vorgestellt, deren Debut-Album “Sturzflug”, das man sich ruhig mal wieder zwischendurch reinpfeifen sollte (Stream gibt’s hier), ist jetzt gerade mal ein paar Monate draußen und schon haben die Jungs das zweite Video draußen.


Lustig geht’s bei den Hupfdohlen von Wank For Peace im neuesten Video zu. Wer die Franzosen aus dem lieblich klingenden Örtchen Angers noch nicht kennen sollte, kann sich hier nach dem Anschauen des Videos auch das aktuelle Album im Stream anhören.


Quergehört: Blind Girls, Drunk Motorcycle Boy, Fade, Gideon, Glances, Kaji, No Sir I Won’t, Pretty Hurts

Blind Girls – “Efflorescence” (DIY) [Name Your Price Download]
Die letztjährige 3-Song-Debut-EP der Australier fand ich ja richtig geil, nun folgt also eine weitere EP, diesmal mit sieben Songs, die in die gleiche Richtung gehen. Intensiver und melodischer Screamo, gut produziert und wieder einmal toll gemastert von Jack Shirley/Atomic Gardenstudios. Auf der Debut-EP schrie der Sänger noch etwas derber, die Stimmbänder leiden aber trotzdem enorm. Ich liebe die Gitarren. Geile Band. (S)


Drunk Motorcycle Boy – “Selftitled” (DIY) [Stream]
Von Schlingerkurs keine Spur, die Jungs aus Bremen entzücken mit einer sehr geilen Mischung aus Emocore, Punkrock und ein wenig Hardcore, oftmals hört man Parallelen zu Bands wie z.B. Samiam, den Foo Fighters oder Boy Sets Fire raus. Mich beeindruckt v.a. die jugendliche Frische der Songs, die Spielfreude schwappt förmlich aus jedem Ton heraus. Ach ja, und wer sich wundert, warum es immer wieder Bands gibt, die bereits bei der ersten Veröffentlichung so professionell vorlegen, dem wird verraten, dass die Jungs schon in anderen Bands (El Mariachi, Balboa Burnout, The Subway Surfers) reichlich geübt haben. (S)


Fade – “One With Serenity” (Neutral Words Records) [Stream]
Schon die letztjährige EP der drei Jungs aus Birmingham/Leeds rief bei mir dieses Vertrautheitsgefühl hervor, das ich oftmals mit den Neunzigern in Verbindung bringe. Fade spielen eine sehr geile Mischung aus gitarrenorientiertem Grunge, Emo, Punk, Noise und Hardcore. Mann, wie ich diese Gitarren liebe. Zudem gefällt mir die Stimme des Sängers echt gut und der Bass wummert warm und wohlig.  Hört nur mal den Anfang von Reverie Swimmer  an, unglaublich schön. Eine schöne Entdeckung für Leute, die sich eine Mischung aus Fugazi, Boilermaker, Smashing Pumpkins zur Siamese Dream-Phase und Swervedriver vorstellen können, aber auch Fans von neueren Bands wie Pity Sex, Nothing oder Whirr sollten das echt mal anchecken. Mit Leuten der UK-HC/Punk Bands Violent Reaction und Shrapnel. (S)


Gideon – “Calloused” (Facedown)
Nicht für alles das wir in unserer neuen Serie vorstellen, würden wir am liebsten einen “Heiligen Schrein” errichten. Und so sehe ich auch das zweite Album von Gideon als zweischneidige Sache. Mit den Jungs möchte ich privat sicher nix zu tun haben, weil mir überzogene Prolls wenig bis gar nichts geben. Doch für das was es ist, nämlich eine auf Hollywood polierte Tough-Guy-Scheibe, ist “Calloused” ganz gut geworden. Keine Platte für jeden Tag, aber für ab und an. Stellt euch einfach eine etwas variantenreichere Variante von Emmure vor und ihr habt Gideon… (A)


Glances – “EP 2014″ (DIY) [Name Your Price Download]
Wie schnell das heutzutage geht…Im Mai gegründet und im August schon ‘ne gut produzierte EP mit vier Songs am Start. Das war früher anders. Zumindest bei uns Kleinstadt-Punks. Wir hatten echt Mühe, unsere Gitarren zu stimmen, zudem waren wir meistens zu besoffen, um irgendwas Vernünftiges auf die Reihe zu kriegen. Selbst im Straßenverkehr zählten wir Kleinstadt-Punks schon immer zu den Verlierern. Während die stolzen Italiener mit ihren kleinen Fiat-Fahrzeugen rasant und mit schönen Frauen auf dem Beifahrersitz unterwegs waren, stopften wir Totalversager fettige Pizzen in unsere verpickelten Fressen. Ach so, wenn ihr auf Melodic/Emotional Hardcore steht und auf der Suche nach neuen Bands seid, dann hört mal in die Glances-EP rein. (S)


Kaji - “What Safe Means” (DIY) [Stream]
Die letztjährige EP der Jungs aus Singapur konnte bei mir schon ganz gut punkten, nun folgt die zweite EP. Und die macht mir ebenso Spaß, jedoch auf ‘ne etwas andere Art. Kaji haben ihren Sound etwas weiterentwickelt. Stellt euch mal eine dreckige Mischung aus Cryptic Slaughter, Daitro, schnelleren Eyehategod, Underoath und Pianos Become The Teeth vor, die obendrein astrein produziert ist. Ich spüre hier massig Gefühle, kann mir die Band jedenfalls ganz gut live vorstellen, auch wenn nicht mal 20 Leute zuschauen, geben die sicher alles. Ich find die wirbeligen Gitarren sehr pfiffig. (S)


No Sir, I won’t – “Shit!!”-EP (Drunken Sailor) [Name Your Price Download]
Die Band aus Boston ist nach der grandiosen “The Door”-EP zurück mit der nächsten EP. Mit diesen 5 Songs (+Interlude) geht’s in ähnlicher Machart weiter: Das ist anarchistischer Polit-Punk, der 80er-Spirit hat, kein Blatt vor den Mund nimmt und an Bands wie Crass, NoMeansNo oder die Dead Kennedys erinnert. Was mir fehlt ist die musikalische, etwas experimentellere Ausrichtung von “The Door”. So ist “Shit!!” zwar eine weitere coole Packung 80er-Punk, doch es ist nicht ganz so mutig, abwechslungsreich und hitverdächtig wie sein direkter Vorgänger. (A)


Pretty Hurts – “Make Graves” (DIY) [Name Your Price Download]
Das hier macht live sicher ordentlich was her. Pretty Hurts kommen aus Berlin und machen so ein bisschen Hardcore, etwas dunklen Emo und ganz viel Punk. Die Jungs beschreiben ihren Sound als eine Mischung aus Die!Die!Die! und Rites of Spring, das kann ich nur bestätigen. Mir gefällt das basslastige an den Songs, zudem haut der Schlagzeuger ordentlich rein. Die sechs Songs laufen mir echt gut ins Ohr, zudem hat das Ganze auch textlich  keine Ausfälle. Für Punks, die sich gern die Nägel schwarz lackieren, damit man die Trauerränder unter den abgenagten Fingernägeln nicht mehr auf den ersten Blick erkennen kann. Ach ja, Freunde von den Couch Potatoes sollten da auch unbedingt mal reinhören. (S)


 

Xerxes – “Collision Blonde” (No Sleep)

Xerxes gründeten sich 2008 im eher konventionell orientierten Louisville/Kentucky, im Süden der Vereinigten Staaten. Mit der Debüt-EP “Twins” machte man rasch auf sich aufmerksam und wurde vom aufkommenden Szene-Label No Sleep Records gesignt. Dort erreichten die Jungs mit ihrem Debütalbum “Our Home is a Deathbed” auch eine breitere Öffentlichkeit. Die LP war für das was sie war, richtig gut, doch sie litt wohl auch am damals völlig überfüllten Post-Hardcore-Becken. Selbst wenn Xerxes’ Interpretation dieses Sounds überzeugte, hatten sie ihre Einflüsse in dicken Lettern auf der Stirn stehen: “TOUCHE AMORE”. “LA DISPUTE”. Da sich zu dieser Zeit gefühlt jede zweite Band an diesen Kapellen orientierte, ging ihr Debütalbum unter der Masse dezent unter…

…letzte Jahr kam man dann zurück, mit neuer Rhythmusabteilung und neuer Ausrichtung. Selbst wenn man die Band anhand des 2-Trackers “Would you understand?” nicht voll bewerten konnte, machten Xerxes damit ein Versprechen für die Zukunft. Ein Versprechen das nun eingelöst wird. Denn “Collision Blonde”, ihr zweites Album, ist frisch. Es ist frisch, aber nicht abedreht. Frisch, aber nicht so, dass es die Wurzeln der Band verleugnen wurde.

Die Hauptreferenz bleibt wohl gleich: Denn jeder der das hört, wird irgendwo, irgendwann immer noch den Namen “Touche Amore” in den Raum werfen. Doch genau wie diese, sind auch Xerxes gereift. Deswegen erinnert hier vieles an den eleganteren Stil von Touche Amore’s letztem Album “Is survived by”. Besonders die melancholischen Melodien und der emotionale, oft gesprochene, erzählerische Gesangsstil von Calvin Philley erinnern stark an die große Deathwish-Band. Gleichzeitig lösen sich Xerxes elegant von diesen ganzen Trendcore-Bands. Man packt jede Menge neue, sehr coole Einflüsse mit in den Sound. Oft hat das was vom kratzigen Postcore-Sound der 90er, dann wird’s fast schon noisig-bedrohlich, nur um dann in Richtung New Wave zu schielen. Bands wie Slint, Frodus, Ten Grand/The Vidablue, Unwound, Lungfish oder Drive like Jehu kamen mir bei “Collision Blond” mal mehr, mal weniger stark in den Sinn. Der Pressextext zieht zudem Vergleiche mit The Cure, Bauhaus, mewithouYou (eh klar) und Ceremony (in ihrer Spätphase, schätz ich mal). Auch das hat absolut seine Berechtigung. Man merkt diesen Hang zum alten New Wave-/Post-Punk-Sound doch ganz stark raus…

Dabei steht das Experiment bei Xerxes oft im Mittelpunkt, man höre z.B. das schwer elektronische, zerissene “Use as Directed” oder den monotonen spoken word-Track “(but here we are)” an. Zentrum des Ganzen ist sicherlich der epische, äußerst diffizile Titelsong “Collision Blonde” – doch abgesehen davon, sollte man das Album unbedingt als Großes Ganzes betrachten. Das transportieren die Jungs auch mit der düsteren, dezent befremdlichen Atmosphäre von “Collision Blonde”.

Ich finde jedenfalls, dass Xerxes über diese 28 Minuten hinweg einfach GAR NICHTS falsch machen. “Collision Blonde” ist nicht nur eine ziemlich frische Neu-Interpretation dieses totgetretenen Postcore-Sounds, nein, ich muss auch zugeben, dass sie mit diesen neuen Einlüssen voll und ganz in mein Herz treffen – und zwar mitten hinein! Denn einige der oben erwähnten Bands zählen zu meinen absoluten Favs. Da Unwound, Lungfish oder We were Skeletons (zu deren “Blame and Aging” ich hier einige Parallelen raushöre) auch eher Liebhaber-Bands sind, ist stark davon auszugehen, dass Xerxes mit diesem Werk nicht unbedingt die große, breite Masse erreichen… deswegen plädiere ich noch stärker dafür: Gebt dieser Platte eine Chance!

8,5/10

Facebook / Stream

Quergehört: Bonehouse, Newmoon, Plaids, Ritual Mess, Shellac, Single Mothers, Valley, Whorls

Bonehouse – “Tomorrow’s Worn Out Blues” (Tief in Marcellos Schuld/etc.) [Stream]
Das Debütalbum der schottischen Emo-Band erschien kürzlich auf Tief in Marcellos Schuld und 6 anderen Labels. Die Jungs ließen schon mit ihren beiden Sommer-Demos von 2011 und 2012 mit authentischem Midwest Emo-Sound aufhorchen und machen nun genau dort weiter. Dabei gab es einen ganz natürlichen Reifeprozess, den es bei vielen weiteren Bands gibt. Der neue Stoff ist etwas präziser und durchdachter, der Sound etwas geschliffener. Alles in allem ist das aber eine gute Fortführung von dem was die Band die Jahre davor gemacht hat. Wer mehr zu Bonehouse lesen möchte, der kann sich ja Steff’s Review zur “Demo-Compilation” ansehen! (A)


Newmoon – “Invitation To Hold” (Secret Voice) [Name Your Price Download]
Secret Voice ist ja bekanntlich das Label von diesem Touché Amore-Typen namens Jeremy Bolm. Newmoon kommen aber nicht aus den Staaten, sondern sind in Belgien beheimatet, existieren erst seit 2013 und machen ziemlich schönen Shoegaze/Dreampop/Indie, natürlich mit einer Menge Punkattitüde. Die drei Songs der EP lassen Erinnerungen an die Neunziger aufleben, als Bands wie My Bloody Valentine und Slowdive unterwegs waren und die Pixies die Indie-Discos dieser Welt eroberten. Zudem kommt zu dem Shoegazer-Sound eine ordentliche Portion Grunge dazu, auch die alten Elliott zählen sicher zu den Einflüssen der Band. Der Song Mask muss unbedingt auf eines meiner nächsten Mixtapes drauf, soviel ist sicher. (S)


Plaids – “Selftitled” (Art for Blind/Barely Regal Recordings) [Name Your Price Download]
Wenn ich eine Katze wär, dann würd ich beim Sound des neuen Albums der HC/Punks aus Nottingham gemütlich vor mich hinschnurren. Verdammt, die Platte ist auch schon wieder ein halbes Jahr draußen, warum stoße ich erst jetzt da drauf? Zwölf Songs in 27 Minuten. Oldschool Hardcore, Punk und Emocore verschmelzen zu einer intensiven Mischung, Verbal Assault, Bread And Circuits, Pagan Babies, Dag Nasty, Minor Threat, Unity, At The Drive-In, Fugazi. Und immer nach vorne hoppelnd, wie ein lustiger Hase. (S)


Ritual Mess – “Vile Art” (Clean Plate/Adagio 830) [Stream]
Näher kann eine neue Band wohl nicht an den legitimen Orchid-Nachfolger rankommen, schließlich sind hier Jayson Green (Gesang) und Will Killingsworth (Gitarrist, Mastermind, Produzent) am Werk. Das Ganze ist dann auch klar in bester Orchid- und Gravity Records-Manier. Ja, ich gehe sogar soweit und sagen “Vile Art” hört sich so an als ob sich Orchid wiederformiert und beschlossen hätten etwas mehr klassischen (80er-)Hardcore/Punk in ihren Sound aufzunehmen. Ergo: Das tritt Ärsche! (A)


Shellac – “Dude Incredible” (Touch & Go)
Huch, ein neues Album von Shellac?! Solche Überraschungen erlebt man wohl nur, wenn man sich ein Weilchen nur oberflächlich mit der Materie beschäftigt! “Dude Incredible” bietet dann auch vieles, dass man über die Jahre so liebgewonnen hat an Shellac. Dabei nimmt man die etwas poppigeren Seiten vom 7 Jahre alten Vorgänger “Excellent Italian Greyhound” und koppelt diese mit den störrischen Seiten der alten Sachen. Dabei raus kommt eine perfekte Mischung, die richtig Laune macht und extrem dicht ist, selbst wenn das Teil gerade mal 32 Minuten dauert. Sicher nicht für jedermann geeignet, doch für mich als großen Fan der Band definitiv eine DER Platten des Jahres! (A)


Single Mothers – “Negative Qualities” (Dine Alone/XL Recordings)
Die Kanadier machten sich 2011 mit ihrer 7inch zu kleinen Hoffnungsträgern in Sachen HC/Punk… und brauchten danach eine gefühlte Ewigkeit für die Fertigstellung ihres Debütalbums. Nun ist es da! Und man kann davon ausgehen, dass es einschlagen wird. Die Band spielt eine relativ eigenständige Mixtur aus 80er-mäßigen Hardcore-Punk(‘n Roll) und modernem, durchaus poppigem Post-Hardcore a la Touche Amore. So ein bisschen erinnert der erzählerische Sprech-/Keif-Gesang auch an deren Jeremy Bolm, phasenweise sogar noch stärker an mewithoutyou’s Aaron Weiss. (A)


Valley - “Selftitled” (DIY) [Stream]
Die Pariser Band Valley umschreibt ihren Sound mit den Attributen 90′s Indie/Punk/Pop/Emo, was eigentlich den Nagel ganz gut auf den Kopf trifft. Die Band existiert zwar erst seit kurzem, die vier Jungs haben jedoch bereits in anderen Bands gespielt (Nine Eleven, Man Is Not A Bird, Lost In Kiev), deshalb weiß man, wie der Hase zu laufen hat. Zum Baustein Emo gesellt sich eine fette Punk-Kante, was sich v.a. beim Schlagzeug zeigt, das ordentlich Druck macht. Zudem schimmern immer wieder Emo-Gitarren aus der Millenium-Phase durch, At The Drive-In und Thursday scheinen große Vorbilder zu sein. (S)


Whorls – “Petrichor” (Maniyax Records) [Stream]
Dissonanten Hardcore/Screamo/Grindcore mit Blackmetaleinflüssen, so würde ich den Sound der vier Jungs aus Dänemark beschreiben. Und man muss sagen, das ist alles gut gemacht und fett produziert, der Schlagzeuger spielt gerne Doublebass, der Sänger brüllt sich die Seele aus dem Leib und erinnert dabei desöfteren an Martin van Drunen von Pestilence, auch New Day Rising scheint ein Einfluss zu sein. Acht Songs, die Dich wie ein Gewitter auf einem Berggipfel treffen. (S)


Quartett mit Albatros, Black Love, The No Marks, Sleep Spindles

Albatros - “sous Entendu” (Le Mort Records) [Stream]
Ich hab keine Ahnung, ob in Kanada in freier Wildbahn Albatrosse gesichtet werden können. Gibt man Albatros und Kanada in einer Internetsuchmaschine ein, dann bekommt man etliche Reisen auf Kreuzfahrtschiffen namens Albatross angeboten. Verdammt. Ich hätte eigentlich gerne eine spannendere Geschichte für diese EP erzählen wollen, aber leider ist in meinem Oberstübchen gerade noch weniger geboten,  als in Homer Simpsons besoffenen Schädel. Die Jungs aus Québec/Kanada haben trotzdem nicht länger als 9 Sekunden gebraucht, bis sie mich am nicht mehr vorhandenen Schopf gepackt haben. Bereits der erste Song der EP löst bei mir das Ausrufezeichen-Syndrom aus, auch wenn ich dieses Satzzeichen zutiefst verabscheue (!). Screamo-Gitarrenwände, rasendes Schlagzeug und Mighty Mighty Bosstones-Bläser verschmelzen zu einem poppigen Blackmetal-Soundgebräu, die Gitarren spielen einerseits melodische Punkrockriffs, andererseits kommen schnell gezockte und auf Chaos ausgerichtete Gitarren dazu. Warum gibt es nicht mehr Bands, die auf der Suche nach dem eigenen Sound sind? Das hier ist mir so viel lieber als die x-te Kopie von Touché Amore oder Defeater. Verdammt geil, auch das QR-Code-ähnliche Cover weiß zu gefallen.


Black Love – “Selftitled” (I.Corrupt.Records) [Stream]
Bei diesem Release hier wirken echt viele Leute mit. So verbergen sich hinter Black Love sechs Bandmitglieder, wobei sich unter diesen sechs Mitgliedern wiederum gleich drei Gitarristen tummeln. Zudem wird die LP der Kanadier von insgesamt sieben Labels herausgebracht (I.Corrupt.Records, L’Œil du Tigre, Zegema Beach, Aorte, Good Post Day, Don’t Live Like Me and L’Orchidoclaste). Nun denn, Black Love veröffentlichten vor dem selbstbetitelten Debutalbum bereits ein 4-Song-Tape und eine Split. Im Vergleich zu diesen Aufnahmen fällt es auf, dass das Debutalbum irgendwie besser produziert ist, dennoch finde ich den Schlagzeugsound ein wenig schrottig, aber wahrscheinlich ist das extra so gewollt. Die drei Gitarren hört man auch nicht so genau raus, heutzutage wird im Studio ja meist eh noch irgendeine Gitarrenspur mit draufgeballert, die live dann irgendwie fehlt. Wenn man den Gesamtsound betrachtet, stört das aber keinesfalls, zumindest achte ich dadurch mehr auf die genialen Bassparts, die verschwurbelt und dissonant aus den Boxen wabern, auch die verspulten Gitarren entwickeln eine gewisse Magie, beim Gesang hört man zwar auch den ein oder anderen Patzer raus, dennoch pusht mich das Ganze ab dem dritten Durchlauf ungemein nach vorne. Kommt mir irgendwie so vor, als ob die Aufnahmen live eingespielt worden wären. Hört euch mal das geile Instrumental-Interlude an, das hat echt Atmosphäre. Und das Albumcover mit dem ertrinkenden Pferd ist auch spitze.


The No Marks – “Light Of One” (Brassneck Records) [Stream]
Könnt ihr euch eine Mischung aus den Get Up Kids, Texas Is The Reason, Audio Karate, Dag Nasty, Down By Law und Samiam vorstellen? Dann müsst ihr unbedingt in die aktuelle Scheibe der Band The No Marks reinhören. Gitarren, die Dir Gänsehaut über den Rücken jagen, obwohl sie volle Pulle aufgedreht sind, ein Bass, der locker flockig vor sich hinklackert und ein Schlagzeuger, der den richtigen Punk-Beat drauf hat und richtig in die Felle pfeffert. Dazu ein Sänger, der mit voller Inbrunst und Leidenschaft seine Texte rüberbringt und dabei in bester 90er-Tradition die schönsten Melodien aus dem Ärmel zaubert. Das ist eigentlich die Platte, die ich gerne im Sommer bei runtergekurbeltem Fenster ganz laut aufgedreht gehört hätte. Wo zum Teufel bleibt der Klimawandel, wenn man ihn braucht? Lustig ist auch, dass in der Band drei Leute den Namen Mark tragen, zudem beginnen die Nachnamen alle mit dem Buchstaben M. Zufall, Casting oder Fake? Keine Ahnung, ich find The No Marks geil!


Sleep Spindles – “When Your Teeth Crowd” (DIY) [Name Your Price Download]
Nach einem atmosphärischen Intro legt die noch sehr junge, im Frühjahr gegründete kalifornische Band Sleep Spindles mit dem zweiten Song namens Morning Breath gleich ziemlich intensiv los, der morgendliche Atem wird in der mittlerweile kalten Herbstluft sichtbar, das wirkt sich auf den Sound der Band aus. Die Jungs taggen ihren Sound mit den Genres Alternative, Punk, Rock, Ambient, Dream, Indie, Post, dem stimme ich absolut zu. Man könnte auch noch ein wenig Grunge und Emo hinzufügen, stellt euch einen Mix aus Juliana Theory und By A Thread vor, ein bisschen Dredge, Nirvana mit Delay-Effekten und Thursday oben drauf gepackt, dann nehmen euch die 5 Songs plus Intro auf eine sehr spannende Reise mit.


 

EP-Vierer: Death Of Youth, Disabler, Juna, Old Soul & Lentic Waters

Death Of Youth – “Lichter” (Keep it a Secret Records)
Deutschsprachigen Screamo mit jeder Menge Punkspirit bekommt ihr auf dieser 4-Song-Debut-EP geboten. Vor wenigen Tagen noch das nette Video zu “Scheitern” auf Empfehlung von Alex/Miss The Stars begutachtet, trudelte auch schon die Anfrage der jungen Mainzer HC/Punk/Noise-Band ein. Nun denn, die vier Songs bolzen schön chaotisch drauf los, die rohe Energie ist auf einer Spielzeit von zehn Minuten ganz gut eingefangen. Die Jungs umschreiben ihren Sound selbst als “irgendwo zwischen Fjort, Escapado und Jungbluth”, das trifft es eigentlich ganz gut, ich würde noch ein wenig Bremer-Schule-Hardcore dazugeben. Neben persönlichen Lyrics kommen auch politische Themen wie z.B. die Flüchtlingsproblematik zur Spache. Zweifel und Weltschmerz dringen aus jeder einzelnen Pore heraus. Und ich dachte bisher, dass in Mainz alle fröhlich wären. Naja, wenn man auch nur mal zehn Minuten “Mainz bleibt Mainz wie es singt und lacht” durchhält, muss man sich echt fragen, warum nicht alle Jugendlichen dieser Stadt so ‘ne Band wie Death Of Youth gründen.
[Freier Download]


Disabler – “Aggressive Negativity” (DIY)
Bösen, dunklen Chaos-Mosh-Hardcore gibt’s von den Jungs aus Edmonton auf die Ohren. Hört mal in den Song “Tamas” rein, frickel quietsch mosh chaos noise grind. Der EP-Titel bringt den Sound ganz schön auf den Punkt. Hmmm, hab den Pressewisch eigentlich nur mal kurz überflogen , dabei stach mir v.a. in die Augen, dass als Einflüsse Sachen wie z.B. Fuck The Facts, All Pigs Must Die, KEN Mode, Born Against und Catharsis genannt werden. Ja, das passt. Keine Ahnung, mir persönlich läuft der Sound im dunklen Kämmerlein nicht so gut rein, live würde mich das eher ansprechen. Wer aber auf die genannten Bands abfährt, der sollte sich das Ding schnell mal greifen, ist ja quasi für umme.
[Name Your Price Download]


Juna – “On Courage” (DIY)
Vor einiger Zeit schrieb ich ein paar Zeilen zu verschiedenen Releases der Band Nurture aus Athens/Georgia, nun machte mich deren Schlagzeuger Sasha Schilbrack-Cole auf seine zweite Band Juna aufmerksam, die dieser Tage ihr zweites Release veröffentlichten. Auch hier sitzt Sasha an der Schießbude, auch hier bekommt man in erster Linie sehr traurigen Emo, etwas Post-Rock und Post-Hardcore geboten, zudem ist das Ganze angereichert mit massig Melancholie, die Band selbst verwendet die Attribute Slowcore und Sadcore. Die sechs Songs laufen mir echt gut rein und läuten den kommenden Herbst mit lauten Glocken ein. Bedächtige Passagen, die an Bands wie Appleseed Cast erinnern, wechseln sich mit lauteren Sounderuptionen ab, hinzu kommt ein wenig Elfen-Melodramatik á la Mew, Elliott scheinen auch ein großer Einfluss zu sein. Das tolle Coverartwork passt ganz gut zur Musik, da es in die gleiche Kerbe schlägt. Ach so, was ich auch noch erwähnen könnte: Das Album wurde von Joel Hatstat, dem Basser von Cinemechanica gemastert. Also, checkt das Teil an, eine wunderschöne Platte für den Herbst!
[Name Your Price Download]


Old Soul & Lentic Waters – “Split 12inch” (Maniyax Records)
Vielleicht können sich einige von euch erinnern: Vor ein paar Wochen besprach ich schon einmal ein Split-Release der Jungs von Old Soul, damals mit der obskuren Balkenband Nic/We Don’t Have A Name. Nun folgt also direkt im Anschluss eine neue Split mit der Münsteraner Band Lentic Waters. Die drei Old Soul-Stücke sind gewohnt stark, bewegen sich musikalisch im Dreamo-Bereich, grob gesagt ist das eine stimmige Mischung aus Postrock/Posthardcore und Screamo. Der über 7½-minütige Opener zeigt gleich eindrucksvoll die verschiedenen Facetten der Band auf. Auch der Love Lost But Not Forgotten Coversong ist sehr gelungen. Mich erinnert die Schreistimme des Sängers immer an den Typen von New Day Rising. Old Soul machen meiner Meinung nach das Rennen auf dieser Split, soll jetzt aber nicht heißen, dass Lentic Waters nicht spannend wären, sie machen halt nur eine etwas düstere, doomige und heavy Form von Screamo, was mich eher runterzieht. Witzig ist, dass mir auch hier New Day Rising als erstes in den Sinn kommt. Zum laut/leise Screamo gesellt sich eine Prise Blackmetal, Dark Hardcore und heavy Crust.
[Name Your Price Download]


Die kleine Nostalgie-Ecke: Flyer-Fotografie Teil 7

Ich will diese Runde der Flyerfotografie mit einem netten Kommentar unseres Lesers Zirkustier beginnen, der mir sehr gefiel und die Sache mit diesen angestaubten Flyern eigentlich ganz gut auf den Punkt brachte:
“Ach die guten alten Flyer….zusammen mit “Mundpropaganda” mal wichtigstes Kommunikationsmittel für bevorstehende Veranstaltungen…
..ich weiss ja auch nicht, aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass in den Zeiten der fotokopierten Fanzines, dem Tapetauschen per Post, und dem Briefe schreiben per Hand etc die Kommunikation innerhalb der Szene ne “bessere” war als in der heutigen Web 2.0 Welt.
Aber wahrscheinlich wird dieser Eindruck daran liegen, dass ich langsam zum alten Sack werde, dessen Sätze ausschliesslich noch mit “Früher…” anfangen. ;)”.
Wie wahr, also, lasst uns in Nostalgie schwelgen und ein paar dieser versifften Flyer aus den 90ern und den Nullerjahren bewundern. Und natürlich betone ich auch dieses Mal wieder ausdrücklich, dass es hier in Sachen Urheberrecht sehr schwierig ist, die Gestalter um Erlaubnis zu fragen, da sie mir meist unbekannt sind. Wenn irgendeiner der Flyer hier nicht erscheinen soll, dann gebt uns bitte Bescheid. Ach ja, und weiß irgendwer, wo zur Hölle in Weingarten das Fundus war? Absolute Leere in meinem Oberstübchen…


Weiterlesen

EP-Vierer: Lovechild, Nausae, PSSGS & Silver Lining

Lovechild- “Migraine Music” (Mayfly Records)
Hmmm, das Albumcover ist so ein Mischmasch aus zusammengewürfelten Black Flag-Balken und 90er Lost-And-Found-Billig-Albumcoverentwürfen. Und trotzdem spricht es mich an. Was hab ich mir schlechte Platten bei L&F bestellt. Bomb Wedemark, hehe. Lovechild hätten damals bestimmt auch ins Konzept von Lost & Found gepasst. Eigentlich wäre es ja mal wieder an der Zeit, dass ein paar dieser Punkkids, die die Kohle ihrer neureichen Eltern in den Arsch geblasen kriegen und nicht wissen, dass man hochwertige Marken-Skateboards, prall gefüllte Geldbörsen und schweineteure-Handys/Tablets  nicht einfach so in der Ecke am Skateplatz liegen lassen sollte, mal wieder nach Strich und Faden ausgebeutet werden sollten, hehe. Naja, Lovechild klingen jedenfalls nach angepisstem Hardcorepunk mit ein wenig Crossover, ich fühlte mich an einigen Stellen an die Dirty Rotten-EP erinnert, an anderen wiederum an Insted, Turning Point, The Accüsed oder Sick Of It All. Klingt verrückt, aber ballert echt gut nach vorne. 7/10
Facebook / Bandcamp

Nausae – “The Hue, A Veil” (DIY)
Vorsicht, Verwechslungsgefahr! Hier handelt es sich nicht um die Crust/Grind-Band Nausea aus Los Angeles, die seit Mitte der 80er ihr Unwesen treibt, sondern um eine neuere Screamo/HC-Band namens Nausae aus Bochum. Die Jungs haben nach ihrer letztjährigen Demo nun mit The Hue, A Veil  ihre erste EP veröffentlicht, vorab schon mal als Digitalrelease zum Name Your Price-Download, später sollen die vier Songs auch noch auf Vinyl erscheinen. Darauf befinden sich vier Songs mit einer Spielzeit von zwanzig Minuten, den Song Antecedent Stream  kennt man schon vom Demo. Die Songs besitzen allesamt eine düster-traurige Stimmung, die ganz gut zum kommenden Herbst passen. Den sehr guten Texten merkt man an, wieviel Herzblut und Poesie in der Sache steckt. Mir gefallen v.a. die Passagen, in denen es ruhiger wird und der Bass zum Vorschein kommt, die Gitarren vor sich hinklimpern und sich das Ganze steigert und eine dichte Screamo-Soundwand entsteht. Gerade der Song There Be Dragons  zeigt dieses laut/leise-Ding ganz gut, zudem finde ich die melodische Gitarrenmelodie ganz schön groovy, die bei 1:50 um die Ecke linst. Für Leute, die gerne Screamo im Stil französischer Bands a la Amanda Woodward hören, könnte diese EP also interessant sein. Mit dem Albumcover hätte man sich aber mehr Mühe machen können. 6/10
Bandcamp

PSSGS – “Selftitled” (Fear Of Heights Records)
Schon das Intro zur Debut-EP der Darmstädter Band hat mich meine Öhrchen anspitzen lassen, bei den restlichen drei Songs hüpfte dann  mein 90er Emo/Post-HC-Herzchen erst recht im Dreieck herum. Mannometer, was für ein starkes Debut! Laut Pressetext sind hier ehemalige Leute von Acheborn und The Data Break am Werk, diese Bands zählten bereits Ende der Neunziger und Anfang der Jahrtausendwende zu meinen Lieblingen. Ich fühle mich jedenfalls beim Anhören der Songs eben in jene Zeit zurückversetzt, in der ich völlig unbedarft auf ein Konzert im Juze gegangen bin und dort eine mir bis dahin völlig unbekannte Band gesehen habe, die mir vom ersten Ton an glänzende Augen beschert hat und von der ich so gefläsht war, dass ich mein ganzes Geld am Merch-Stand für Tapes und Singles rausgeschmissen habe und ich lieber verdurstet wäre, als auch noch auf ein Shirt zu verzichten. Genau so ein Deja-Vu-Erlebnis hatte ich also beim ersten Mal des Anhörens, auch nach mehreren Durchläufen verspüre ich die dringende Lust, zu einer Show der Jungs zu gehen. Die Gitarren kommen echt geil, der gegenspielende Bass gehört zu dieser Art Musik ebenso, wie das kraftvoll gespielte Schlagzeug mit viel Crashbecken und der leidend emotionale Gesang. Im Presseinfo werden Daitro und JR Jewing als Referenzen genannt, ich würde noch Bands wie Blue Water Boy, Tupamaros, Parades End, Thursday und At The Drive-In dazu addieren. Das Ding gibt es als Tape in handgemachter Holzhülle, lecker! Will ich haben. 8,5/10
Facebook / Bandcamp / Stream

Silver Lining  – “I Hope I’m Still Around” (DIY)
Verdammt, so und nicht anders sollte Hardcore klingen. Ich kann mir die Jungs echt gerade im vergammelten Studio vorstellen, nachdem sie die Songs eingeprügelt haben und sich völlig verschwitzt ein kleines Bierchen genehmigen und dabei den Sänger anstacheln, dass er noch mehr aus seinen Stimmbändern rausholen soll, als er es eh schon tut. Silver Lining kommen aus Canberra, der Planhauptstadt Australiens. Wer jemals Bill Brysons Reiseroman Down Under gelesen hat und auch noch niemals selbst in Canberra verweilt hat, wird bereits ein Bild von der Stadt vor Augen haben, welches durch die intensive Musik von Silver Lining nur noch deutlichere Konturen erhält. Jedenfalls pendeln die Jungs in ihren Texten zwischen Verzweiflung, Wut und tief sitzenden Emotionen hin und her, was sich durchaus in der Musik wiederspiegelt. Ich finde die Stimme des Sängers enorm geil, die Gitarren und das kraftvoll gespielte Schlagzeug klopft ordentlich und trotz der ganzen Power kommt die Melodie im Song nicht zu kurz.  Und im Vergleich zur letztjährigen EP hat sich produktions- und spieltechnisch einiges getan, das zeigt sich zudem auch optisch, denn das Cover finde ich dieses Mal sehr gelungen. 7/10
Facebook / Bandcamp